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15.02.2013  |  von  |  25 Kommentare

Villingen-Schwenningen Belegschaft der Hess AG in großer Sorge

Villingen-Schwenningen -  Der vorläufige Insolvenzverwalter bei der Hess AG, Martin Mucha, hat gestern zur Villinger Belegschaft der Hess AG gesprochen. Er soll dabei einen kompetenten Eindruck bei den Beschäftigten hinterlassen haben.

Hellt sich die Zukunft für den insolventen Leuchtenhersteller Hess auf?  Bild: Hess AG



Bei den Beschäftigten selbst herrscht große Verunsicherung.

Der 43-jährige Rechtsanwalt Martin Mucha ist derzeit in Verhandlungen mit Banken bestrebt, das vorläufige Insolvenzgeld für die Belegschaft sicher zu stellen. Betroffen sind derzeit die 200 Mitarbeiter am Standort Villingen und rund 100 Beschäftigte in Löbau.

Nach Informationen des SÜDKURIER hat Mucha dabei gute Karten, seine Kanzlei – Grub und Partner in Stuttgart – genießt allerbestes Renommee, auch und gerade bei den Kreditinstituten. Mucha sagte am Donnerstag weiter, sein zweites Ziel sei es „nun vorrangig, sicherzustellen, dass der Betrieb wieder ins Laufen kommt“. Die Ankündigung der Zahlungsunfähigkeit habe die Hess-Geschäfte zwar nicht komplett zum Erliegen gebracht, Sorgen und Befürchtungen bei Lieferanten und Kunden seien in einer solchen Situation aber enorm, äußerte der Jurist Verständnis für solche Reaktionen.

Nähere Fragen zu Details wollte er am Donnerstag nicht beantworten, er müsse sich erst orientieren und „seriös einarbeiten“, sagte er weiter. Martin Mucha arbeitet jetzt im dreizehnten Jahr für die Kanzlei von Volker Grub. Grub war es, der vor wenigen Jahren maßgeblich an der Fassung des neuen Insolvenzrechtes in Deutschland mitwirkte.

Chronologie der Hess-Turbulenzen


 

Chronologie der Hess-Turbulenzen
  • Montag; 21. Januar: Einstimmig beschließt der Aufsichtsrat die Abberufung der Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler wegen des Verdachts auf Bilanz-Manipulationen.
  • Dienstag, 22. Januar: Christoph Hess teilt mit: Die gegen mich erhobenen Vorwürfe kenne ich nur aus der Presse und kann sie nicht nachvollziehen.
  • Mittwoch, 23. Januar: Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf. Die Familie Hess kündigt an, über ihre Aktienmehrheit (39,9 Prozent) Aufsichtsrat und Vorstand des Unternehmens neu besetzen zu wollen.
  • Donnerstag, 24. Januar: Seniorchef Jürgen G. Hess bietet an, die Leitung des Unternehmens zu übernehmen.
  • Freitag, 25. Januar: Neuer Vorstand Till Becker stellt sich den Mitarbeitern vor. Eine Firmensprecherin lehnt die Rückkehr von Jürgen G. Hess ab.
  • Montag, 28. Januar: Am Montag bekam der Ehrenvorsitzende der Meckergilde Horst Schätzle einen Anruf aus der Firma Hess, dass der Verein ohne Wenn und Aber sofort das Hess-Gelände räumen müsse, wo der Fasnet-Verein seit drei Jahren seine vier Umzugsfahrzeuge, seine Häser und andere Utensilien in und vor einer Halle lagern durfte.
  • Mittwoch, 30. Januar: Beamte der Landespolizeidirektion Freiburg haben im Auftrag der Staatsanwaltschaft Mannheim die Firmenräume durchsucht, Akteneinsicht genommen und Dokumente mitgenommen. Auch im Privathaus von Christoph Hess in Villingen haben die Beamten aus Freiburg Papiere beschlagnahmt.
  • Montag, 4. Februar: Die Staatsanwaltschaft teilt mit, sie habe die Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter der Firma wegen des Verdachts auf Beihilfe ausgeweitet.
  • Dienstag, 5. Februar: die Hess AG teilt in einer Pflichtmitteilung an der Börse mit: aufgrund des Einfrierens der Kreditlinien haben verschiedene Tochtergesellschaften der Hess AG akuten Liquiditätsbedarf.
  • Dienstag, 5. Februar: In einer von Christoph Hess und Peter Ziegler gezeichneten Erklärung vom Dienstagnachmittag legen die beiden Ex-Vorstände die Entwicklung der Firma Hess aus ihrer Sicht dar. Sie attackieren die neue Führung des Unternehmens.
  • Mittwoch, 13. Februar: Der Vorstand der Hess AG hat am Mittwochmorgen entschieden, beim zuständigen Amtsgericht einen Insolvenzantrag zu stellen. Zum Artikel
  • Mittwoch, 13. Februar: Die Hess AG nimmt in einer aktuellen Mitteilung Stellung zur Situation der Firma. Zum Artikel
  • Mittwoch, 13. Februar: Christoph Hess, Ex-Vorstandsvorsitzender der Hess AG, erklärt sich am Mittwochnachmittag zum Insolvenzantrag des Unternehmens.Zum Artikel
  • Montag, 18. Februar: Der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Mucha legt sein Amt nieder. Er befürchtet Interessenskollission. Zum neuen vorläufigen Insolvenzverwalter wird Rechtsanwalt Dr. Volker Grub bestellt. Zum Artikel
 

Gestern Mittag um 13 Uhr stellte sich der vorläufige Insolvenzverwalter im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung der Belegschaft vor. Dabei ging er vor allem auf die Fragen der Mitarbeiter ein und erläuterte die technischen Details des Insolvenzverfahrens und der Sicherung der Löhne und Gehälter für drei weitere Monate durch das Insolvenzausfallgeld. Substanziell neue Informationen sind offenbar nicht auf den Tisch genommen. Mucha soll bei den Mitarbeitern einen kompetenten Eindruck hinterlassen haben, berichten Teilnehmer der Versammlung.

Zu den Mitarbeitern gesprochen hat auch der bisherige Unternehmensvorstand Till Becker. Es soll vor allem die Verantwortung der gefeuerten Firmenvorstände Christoph Hess und Peter Ziegler für die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens hervorgehoben haben.

Die Stimmung bei den Mitarbeitern der Hess AG ist ziemlich gedrückt. Viele bangen um ihren Arbeitsplatz. Außerdem sind sich die Beschäftigten nicht sicher, ob ihnen die neue Geschäftsleitung, die vom holländischen Finanzinvestor HPE dominiert wird, reinen Wein einschenkt. „Die Leute sind hin- und hergerissen“, berichtet ein Insider. Viele fragten sich, ob Christoph Hess von den neuen Kapitalgegnern Straftatbestände „untergejubelt wurden“. Andere wiederum sind erschüttert über die täglich neuen Vorwürfe, die gegen die ehemalige Unternehmensvorstände Hess und Ziegler an die Öffentlichkeit dringen. „Viele sind verunsichert und verstört“, heißt es aus Mitarbeiterkreisen.

Keine neuen Informationen gibt es von Christoph Hess. Angesichts der Insolvenzanmeldung hat er seine für heute angekündigte Stellungnahme auf Anfang nächster Woche verschoben.

Die Firma Hess, ein Gießereibetrieb, wurde 1947 von Willi Hess gegründet und stellte zuerst Waffeleisen her. 1968 übernahm der Sohn Jürgen G. Hess die Firma mit acht Mitarbeitern. Er entwickelte das Unternehmen zum Hersteller modern gestalteter Außen- und Straßenleuchten aus Metallguss und Straßenmöblierungen. 2007 wurde die GmbH zur Familien-Aktiengesellschaft umfirmiert. Jürgen G. Hess wurde Aufsichtsratsvorsitzender, sein Sohn Christoph Geschäftsführer des Betriebs. Der Börsengang folgte im Oktober 2012. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Infos und Bilder rund um das Villinger Unternehmen.

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25 Kommentare
Wird nicht besser Herr Cuento
@ Oh jesse, Cuento

-Kurserlöse über Nennwert gehen bei der Emission einmalig in Kapitalrücklagen ein, fallende oder steigende Aktienkurse nach der Emission verändern die Kaptialrücklagen nicht!!!!
- Marktkapitalisierung ist Börsenwert, nicht EK!!!!
Ich versuchs mal anders: Selbst wenn Sie Herr Cuento jetzt zig Millionen in die Hand nehmen und Aktien kaufen und für einen Kursanstieg sorgen, wird sich an der Eigenkapitalsituation der AG nichts ändern. Es freuen sich lediglich die Aktionäre, von welchen Sie die Aktien zu höhren Kursen abkaufen.
Probleme mit Bilanzierung!?
A) "Die Marktkapitalisierung spiegelt den aktuellen Börsenwert einer börsennotierten Firma wieder. Sie ergibt sich aus der MULTIPLIKATION AUS AKTUELLEM AKTIENKURS und der GESAMTEN AKTIENANZAHL. Dadurch unterliegt die Marktkapitalisierung ständigen Veränderungen."

Das heißt, dass die Marktkapitalisierung der zirka 5,2 Mio. Hess AG-Aktien bei einem Kurs von 15.50 Euro pro Aktie in 10/12 zirka 80,6 Mio. Euro betragen hat. Beim jetzigen Kurs von unter 1 Euro pro Aktie beträgt die aktuelle Marktkapitalisierung/der Börsenwert nicht einmal mehr 5,2 Mio.Euro.
Genannte Quelle: "MARKTKAPITALISIERUNG UNTERLIEGT STÄNDIGER VERÄNDERUNG"

B) Marktkapitalisierung = Börsenwert.

Das jeweils aktuelle Eigenkapital jeder Aktiengesellschaft IM BILANZRECHTLICHEN SINNE ist IM WESENTLICHEN (nicht ausschließlich) - insbesondere in Sondersituationen wie drohende Insolvenz - die aktuelle "Multiplikation von aktuellem Aktienkurs und der gesamten Aktienanzahl".

Kann man m.E. gut begreifen.
Meinung revidiert, Herr Cuenot?
In Ihrer Kommentierung zum Artikel "Villingen steht Hess AG treu zur Seite" reden Sie ja nun selber nicht mehr von einem EK-Verlust von 75 Mio €. Ich gehe mal davon aus, dass mittlerweile eingesehen haben, dass Sie mit Ihren Aussagen diesbezüglicht falsch lagen. Fehler eingestehen ist allerdings wohl nicht so Ihr Ding - würde die Diskussion allerdings versachlichen und etwas erleichtern.
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