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Villingen-Schwenningen Ausschuss lehnt Aktion Stolpersteine knapp ab

Abstimmung mit sieben gegen sechs Stimmen. Am Mittwoch entscheidet der Gemeinderat.

Das war knapp: Mit sieben gegen sechs Stimmen lehnte der Verwaltungsausschuss des Gemeinderates gestern Abend die Beteiligung der Stadt an der Aktion „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig ab. Vertreter von CDU und Freien Wähler sagten, an ihrer Haltung habe sich seit 2004 nichts geändert. Schon damals hatte es Ratsmehrheit abgelehnt, mit dem Kunstprojekt „Stolpersteine“ an die von Nazis ermordeten Juden der Stadt zu erinnern.

Eine Initiative von fünf Kirchenvertretern hat, wie bereits berichtet, anlässlich des bevorstehenden 75. Gedenktages an die Reichspogromnacht an den Gemeinderat appelliert, die Ablehnung von 2004 zu überdenken und sich dieser europaweiten Aktion doch noch anzuschließen.

Allerdings scheinen die Fronten im Gemeinderat nach wie vor verhärtet. „Wir wollen auch ein würdiges Gedenken an die NS-Opfer“, betonte Renate Breuning für die CDU-Fraktion. Allerdings sieht sie in einer Erinnerungsstele für die ermordeten Juden ein würdigeres Gedenken als durch Gedenksteine, die vor den Häusern verlegt werden, wo einst später ermordeten Juden lebten. Zuvor hatte Oberbürgermeister Rupert Kubon (SPD) in kurzen Worten für die Aktion das Wort ergriffen. Es entstünden der Stadt keine Kosten, weil die Stolpersteine von Paten finanziert werden. Außerdem sei dies eine „dynamische Angelegenheit“, die es erlaube, verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes zu gedenken.

„Es gibt keine neuen Argumente. Wir halten am Beschluss von 2004 fest“, bekräftigte dagegen Ulrike Heggen die Ablehnung der Freien Wähler. „Ich kann Ihren Argumenten in keiner Weise folgen“, entgegnete dagegen Cornelia Kunkis-Becker. Die Grünen begrüßten die Aktion. Alle Oberzentren im Umland hätten sich bereits daran beteiligt. Wenn Villingen-Schwenningen hier ausschere, werfe dies ein schlechtes Licht auf die Stadt, mahnte sie.

Heinz Lörcher (SPD) erklärte, es sei kein Widerspruch, eine Erinnerungsstele zu setzen und auch die Stolperstein-Aktion umzusetzen. Die Stadt Konstanz habe beides gemacht. Die Verlegung von Stolpersteinen habe den Vorteil, dass damit Geschichte „konkret erlebbar gemacht“ werde. Außerdem sei die Aktion keine abgeschlossene Sache. Auch andere Opfergruppen wie Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Euthansasie-Opfer und andere verfolgte Gruppen könnten zu einem späteren Zeitpunkt, wenn ihr Schicksal erforscht sei, ebenfalls in den Gedenkaktion einbezogen werden. Dass Hausbesitzer noch heutzutage unter Verdacht geraten könnten, sie hätten sich unrechtmäßig an jüdischem Besitz bereichert, hält Lörcher für abwegig. Dass die Steine „eine Zumutung“ für Hausbesitzer seien, wie Stadträtin Renate Breuning in einem Fernsehbeitrag geäußert hatte, wurde von Lörcher differenziert. Die Steine seien eine „Zumutung“ für alle Passanten, die man sich aber in historischer Verantwortung zumuten lassen müsse.

FDP-Mann Hans-Dieter Kauffmann schloss sich Lörchers Meinung voll inhaltlich an. Am Schluss stimmten sieben Stadträte gegen die Aktion, sechs waren dafür, zwei enthielten sich.

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