SPD nimmt Stellung zur Affäre um die Wohnungsbaugesellschaft
– In einer Stellungnahme befasst sich die SPD-Fraktion im Gemeinderat Villingen-Schwenningen mit dem Wechsel an der Spitze der Wohnungsbaugesellschaft: „Der zukünftige Geschäftsführer der WBG, Rainer Müldner, hat sich letzte Woche im Aufsichtsrat vorgestellt. Für die SPD-Fraktion ist dies ein erstes Zeichen der Hoffnung. Der Immobilienfachmann der Sparkasse könnte wieder Ruhe und Führung in die städtische Wohnungsbaugesellschaft bringen.
In den letzten Wochen, so sieht es die SPD-Fraktion, wurde an vielen Legenden gewoben: Da sollten Neckartower und Rückzug aus dem Bauvorhaben am Neckarpark der Kündigungsgrund des Geschäftsführers gewesen sein. Für Stadtrat Bernd Schenkel, seit vielen Jahren Aufsichtsrat der WBG, ist das Unsinn. Der Neckartower war, als der Geschäftsführer 2010 sein Amt antrat, im Rohbau fast fertig, und Sacher hatte die undankbare Aufgabe, die enormen Kostensteigerungen von über drei Millionen dem Aufsichtsrat und der Öffentlichkeit zu erläutern. Der Geschäftsführer – er war der Neue – und seine Prokuristin – sie war die in der Firma Erfahrene – haben das schwierige Jahr 2010 gut bewältigt und erhielten beim Jahresabschluss Lob aus allen Fraktionen.
Zweifel an der Kompetenz des Geschäftsführers kamen wegen ganz anderer Dinge auf: der Umgang mit dem Personal, die Abrechnung von Coaching-Kosten und schließlich der Bruch mit der Prokuristin, der sich trotz vieler Bemühungen des Aufsichtsrats und des Aufsichtsratsvorsitzenden Kubon nicht mehr kitten ließ.
Grund der fristlosen Kündigung war für die Aufsichtsräte Edgar Schurr und Bernd Schenkel der Brief, den der Geschäftsführer am 5. Januar an die Mitglieder des Aufsichtsrats schickte. Der Brief enthielt zahlreiche haltlose Anschuldigungen gegenüber dem Aufsichtsratsvorsitzenden Kubon und gipfelte in der Forderung, dieser möge die Konsequenz daraus ziehen. Dies konnte nur bedeuten, der Oberbürgermeister solle den Aufsichtsratsvorsitz niederlegen.
Für die SPD-Fraktion gibt es weiterhin offene Fragen. Dazu gehört die Tatsache, dass sich der Geschäftsführer der WBG 2011 mehrfach auf andere Stellen beworben hat. Obwohl sein Vertrag auf fünf Jahre lautete, war er schon nach weniger als zwei Jahren auf dem Absprung. Wollte der Geschäftsführer mit seinem ruppigen Brief vom 5. Januar seine Kündigung herbeiführen? Immerhin ist auch bei fristlosen Kündigungen ein „goldener Handschlag“ nicht unüblich, um lange Auseinandersetzungen vor Gericht zu vermeiden.
Undurchsichtig in dieser Affäre ist auch die Rolle des Stadt- und Aufsichtsrats Berweck. Er hatte wohl von allen Aufsichtsräten den intensivsten Kontakt mit Geschäftsführer Sacher. Es verwundert auch, dass in dem Brief vom 5. Januar die Forderung von Herrn Berweck, „Weg mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Kubon“ aufgegriffen wurde.
Die SPD-Fraktion geht davon aus, dass manche Beweggründe der handelnden Personen nie ganz offen gelegt werden. Umso wichtiger muss es sein, den Neuanfang mit unbelastetem Führungspersonal einzuleiten.“