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09.08.2012  |  0 Kommentare

Tuttlingen Vermisste setzt sich ins Ausland ab

Tuttlingen -  Suchaktion mit glücklich-abenteuerlichem Ende: Das seit Dienstagabend vermisste äthiopische Kindermädchen Hanna Kassegn hat sich von ihrer Familie bei einem Besuch in Tuttlingen-Möhringen illegal ins Ausland abgesetzt.
Eingeschaltetes Blaulicht

Symbolbild  Bild: dpa

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Polizei, Rettungsdienste suchten in Möhringen und den umliegenden Wäldern mit insgesamt 150 Einsatzkräften, Polizeihubschrauber und 22 Suchhunden vergebens nach der vermeintlich vermissten Aupair- Angestellten der Familie

Die aus Addis Abeba in Äthiopien stammende und bei einer arabischen Familie in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) als Aupair-Mädchen beschäftigte Hanna Kassegne (42) gilt nach den Ermittlungen der Polizeidirektion Tuttlingen als nicht mehr vermisst. „Nach den Erkenntnissen der Kriminalpolizei hat sie sich vor der Rückreise in die Arabischen Emirate zum illegalen Aufenthalt in Europa entschlossen von ihrer Gastgeberfamilie abgesetzt“, informierte Tuttlingens Polizeisprecher Wolfgang Schoch.

Wie bereits berichtet, wurde die Frau am Dienstagabend von ihrer Gastfamilie, bei der sie bis zuletzt als Aupair-Mädchen angestellt war, bei der Polizei als vermisst gemeldet. Die Familie reiste vor wenigen Wochen mit einem Touristen-Visum zusammen mit der Aupair-Angestellten zum Besuch von Verwandten aus Abu Dhabi kommend nach Möhringen. Dort wohnten sie alle in einer Ferienwohnung. Nach der erstatteten Vermisstenanzeige leitete die Polizei noch am Dienstagabend eine umfangreiche Suche und Fahndung nach der Frau ein, ohne jedoch ein Lebenszeichen von ihr erlangt zu haben.

Weil zu dem Zeitpunkt weder ein Vermisstenfall, noch ein Gewaltverbrechen, dem die Frau zu Opfer gefallen sein könnte, ausgeschlossen werden konnte, weitete die Polizei am Mittwoch ihre Maßnahmen weiter aus. Über 150 Einsatzkräfte der Polizei, des Roten Kreuzes, der Freiwilligen Feuerwehr Tuttlingen-Möhringen, suchten das gesamte Gebiet ab. Mit im Einsatz war auch die Polizeihubschrauberstaffel, die aus der Luft mit einer Wärmebildkamera ebenfalls das Gelände absuchte, ohne den erhofften Erfolg gehabt zu haben.

Ferner wurden aus dem ganzen Bundesland über 20 Rettungshunde angefordert und zur Suche eingesetzt. Parallel dazu leitete die Polizei eine Öffentlichkeitsfahndung ein, informierte die Bewohner im Wohngebiet mit Lautsprecherdurchsagen aus den Streifenfahrzeugen heraus und verteilte in der Stadt hunderte Fahndungszettel und Plakate mit dem Bild und der Beschreibung der Vermissten.

Den ganzen Tag über befragten zahlreiche Polizisten die Anwohner, Passanten, Busfahrer und Taxifahrer, sowie Fahrgäste des öffentlichen Nahverkehrs, um Hinweise zu der vermissten Frau zu erlangen.

Am Nachmittag erhielt die Polizei dann eine erste heiße Spur. Zwei ebenfalls eingesetzte Personenspürhunde (Mantrailer-Hunde) schlugen deutlich an und zeigten den Ermittlern den Weg, den die Frau nach dem Verlassen des Hauses zurückgelegt hatte. Dieser führte vom Ferienhaus direkt zu einer Bushaltestelle. Der in Frage kommende Busfahrer jedoch war sich sicher, zu der in Frage kommenden Zeit an der Haltestelle keinen Fahrgast aufgenommen zu haben. Auch die Abfragen bei den Taxiunternehmen verliefen zunächst im Sande.

Stunden später, es war bereits Abend, meldete sich schließlich ein Taxifahrer, der zuvor frei hatte und zwischenzeitlich von der Fahndung hörte, bei der Polizei und teilte mit, dass er die gesuchte Frau zu der in Frage kommenden Zeit an der Haltestelle in Tuttlingen-Möhringen als Fahrgast aufgenommen und direkt nach Stuttgart in die Innenstadt (Nähe Hauptbahnhof) gefahren habe. Den Auftrag hierzu erhielt er per Telefon aus dem Ausland. Mit dem Auftraggeber sei auch der Fahrpreis ausgehandelt worden, den die Vermiste ihm in Stuttgart in bar entrichtete.

„Schon bevor der Taxifahrer sich bei der Polizei meldete, hatte die Kriminalpolizei Tuttlingen bereits eine Spur, die nach Abu Dhabi führte und den dringenden Verdacht aufkommen ließ, dass die Frau den Deutschlandbesuch ihrer Gastfamilie zum Absetzen in ein europäisches Land ausgenutzt haben dürfte“, informierte Schoch. Weil bei der Visa-Erteilung zur Ausreise aus dem Emirat ihre Gastfamilie für sie bürgen musste, konnte sie nur heimlich wegfahren.

Am Abend ließ die vermeintliche Vermisste über ihre Angehörige aus dem Ausland ihrer Gastfamilie mitteilen, dass es ihr gut gehe. Aus dem weiteren Inhalt des Gesprächs konnte entnommen werden, dass sie sich entschlossen habe, sich in Europa weiter aufzuhalten und das Absetzmanöver von ihr seit längerem geplant war. „Allerdings kann es sich hierbei nur um einen illegalen Aufenthalt handeln, denn sie verfügt nur über ein demnächst ablaufendes Touristenvisum, wobei hierzu ihr äthiopischer Pass sich nun bei der Polizeidirektion in Tuttlingen befindet, wo er verwahrt wird“, so Schoch weiter.

Auf Grund der gewonnen und abgesicherten Erkenntnissen, hat die Polizeidirektion Tuttlingen am späten Mittwochabend die Suche sowie die Öffentlichkeitsfahndung nach der Frau eingestellt.

Blaulicht der Polizei

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