Timm: „Es ist gleichzeitig die größte Menge Heroin in der Geschichte der Polizeidirektion Tuttlingen.“ Das Heroin soll einen Schwarzmarktwert von rund zwei Millionen Euro haben.
Aus den sechs Kilogramm hätten je nach Reinheitsgrad des Heroins rund 30 000 Einzeldosen gewonnen werden können. Für die Polizei und den Leiter der Staatsanwaltschaft Rottweil, Joachim Dittrich, ist deswegen klar, dass das Rauschgift nicht ausschließlich für Drogenkonsumenten in der Region bestimmt war. Sowohl Timm als auch Dittrich gehen davon aus, dass mit der Beschlagnahme der Rauschgiftszene ein spürbarer Schlag verabreicht werden konnte. Der Reínheitsgrad des Heroins wurde nach ersten Untersuchungen als hoch eingestuft.
Die Durchsuchungsaktion am Donnerstagmorgen begann für die Fahnder zunächst als Routinehandlung. Im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens einer anderen Polizeidienststelle hatten die Beamten den Auftrag, die Wohnung im Stadtbereich Gölten zu durchsuchen. Der Leiter der Kriminalpolizei, Martin Landgraf: „Der Mann war uns als Randfigur der Rauschgiftszene bekannt.“ Er sei aber nicht vorbestraft. In der Wohnung änderte sich der Routinecharakter der morgendlichen Aktion schlagartig, als der mitgeführte Rauschgiftspürhund sofort anschlug. Die Beamten fanden dann sehr schnell das Heroin. Es sei überhaupt nicht gesondert versteckt gewesen. Dittrich: „Offenbar hatte der 22-Jährige eine Durchsuchungsaktion seiner Wohnung überhaupt nicht erwartet.
“ Die Polizei habe keinerlei Hinweis darauf gehabt, dass sich in der Wohnung Heroin in der Menge befindet. Sowohl der Staatsanwalt als auch der Polizeichef sprachen von „Zufall“.
Nach dem Fund durchsuchten die Beamten das gesamte Anwesen, fanden aber kein weiteres Heroin. In der Wohnung stießen die Polizisten allerdings noch auf 400 Gramm Marihuana. Außerdem beschlagnahmten sie noch zwei Würgehölzer. Zum Zeitpunkt der Durchsuchung war der Wohnungsinhaber bei der Arbeit. Ralf Timm teilte lediglich mit, der 22-Jährige sei für eine Zeitarbeitsfirma tätig gewesen. Er konnte am Nachmittag des gleichen Tages in Villingen-Schwenningen festgenommen werden und befindet sich in Untersuchungshaft. Dittrich: „Wir gehen vom Rauschgifthandel in nicht unerheblichem Umfang aus.“
Dafür sieht das Gesetz einen Strafrahmen zwischen mindestens einem und höchstens 15 Jahren vor.
Möglicherweise steht der Rauschgiftfund im Zusammenhang mit einem Fall, der im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt hatte. Vor wenigen Wochen sind fünf Männer aus Trossingen wegen Rauschgifthandels vom Landgericht Rottweil zu Freiheitsstrafen, teilweise ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt worden. Die Männer waren im Rahmen eines der größten Polizeieinsätze in der Region am 19. November 2009 festgenommen worden, an dem 200 Beamte beteiligt waren. Wie Ralf Timm am Freitag sagte, waren im Zusammenhang mit diesem Verfahren keine größeren Rauschgiftmengen gefunden worden. Ob die jetzt beschlagnahmten sechs Kilogramm tatsächlich mit diesem Fall in Verbindung stehen, wird derzeit untersucht. Die Polizei wollte nach dem spektakulären Heroinfund vorerst keine weiteren Angaben machen.
