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19.02.2013  |  0 Kommentare

Tuttlingen Polizei warnt vor falschen Spendensammlern

Tuttlingen -  Gleich in mehreren Fällen ermittelt die Polizeidirektion Tuttlingen wegen Sammlungsbetrugs. In jüngster Zeit haben Betrüger in wechselnder Besetzung im Landkreis Tuttlingen für nicht existente karitative Zwecke gesammelt.


Wegen einer angeblich in Aussicht gestellten Geldspende suchten zwei derzeit noch unbekannte Männer am Montagvormittag eine 74-jährige Rentnerin an deren Wohnanschrift in Balgheim auf. Den jungen Männern zufolge habe sich die Rentnerin in der Woche zuvor mit ihren persönlichen Daten auf einer Spendenliste eingetragen. Da sie sich zu diesem Zeitpunkt noch unschlüssig war, ob sie tatsächlich für die vorgegebene Einrichtung spenden wolle, erbat sie sich Bedenkzeit – die sie auch bekam. Nun wurden die beiden Männer im Alter von etwa 25 Jahren tatsächlich nochmals persönlich vorstellig und baten um eine Spende in der Höhe von zehn Euro. Die Rentnerin verständigte die Polizei, weshalb die beiden unbekannten Spendensammler flüchteten.

In Denkingen klingelten ebenfalls am Montag zwei Männer scheinbar wahllos an Wohnhäusern und bettelten für Bargeld, um sich Zigaretten kaufen zu können. Die verständigten Beamten des Polizeireviers Spaichingen konnten die zwei 36 und 29 Jahre alten Personen aus Rumänien vor Ort feststellen. Ihnen wurde ein Platzverweis erteilt. Bereits an den Tagen zuvor verständigten Zeugen aus Wurmlingen die Polizei, weil Bettler von Haus zu Haus zogen und versuchten, Bargeld zu erbetteln. In Spaichingen hielt sich ein 58-Jähriger auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums auf und sprach Kunden auf Bargeld an. Weitere Personen – zwei Männer und zwei Frauen – sammelten zeitgleich auch in Aldingen Spenden für ein nicht existentes Gehörlosenzentrum. Zeugen verständigten die Polizei, welche die Personen feststellen und kontrollieren konnte. Alle Personen waren bereits einschlägig wegen Sammlungsbetrugs in Erscheinung getreten (wir berichteten.)

Die Masche der „Spendensammler“ – in der Regel mit rumänischer Staatsangehörigkeit – mit einem vorgeschobenen karitativen Hintergrund ist zumeist gleich: „Die Personen stellen sich in kleineren und wechselnden Gruppen im Bereich von Parkplätzen, Geschäften oder in Fußgängerzonen – also an stärker frequentierten Stellen – oft mit einem Schild oder einer Tafel auf und sammeln scheinbar für einen guten Zweck. In der Regel geben die Personen vor, für ein Kinderheim, eine Behinderten- oder Taubstummeneinrichtung in Rumänien zu sammeln“, informiert Tuttlingens Polizeisprecher Wolfgang Schoch. Um möglichst viele Spender zu erreichen, geben die Personen in einzelnen Fällen auch vor, selbst taubstumm oder körperlich behindert zu sein. In anderen Fällen täuschen sie eine Notlage vor. Einen seriösen Anschein versuchen die Personen dadurch zu erhalten, indem sie Spender in spe auffordern, sich mit ihren persönlichen Daten in einer Liste oder auf einer Tafel einzutragen. „Dabei haben die Spenden letztendlich nur einen Zweck: Nämlich unrechtmäßig die Taschen der Personen zu füllen, welche die Spenden sammeln oder Dritte zu bereichern, die oftmals im Hintergrund bleiben. Denn die vermeintlichen Spendensammler sind gut organisiert. Sie kommen in wechselnder Besetzung unter anderem aus Rumänien ins Bundesgebiet und halten sich vorzugsweise da auf, wo sie tatsächlich auch Geld sammeln können, beziehungsweise erhalten“, so Schoch weiter.

Mehrmals täglich wechseln die Personen den Ort der Sammlung, um nicht weiter aufzufallen. Sobald die kleineren Gruppen erkennen, dass sie in Auseinandersetzungen verwickelt werden könnten oder jemand die Polizei verständigt, flüchten sie. In vielen Fällen müssen die Personen, welche die Spenden vor Ort direkt einsammeln diese zum Tagesende zum größten Teil am gemeinsamen Treffpunkt an den im Hintergrund bleibenden Organisator abgeben. Hilfsbedürftige Personen sehen hiervon tatsächlich keinen Cent.

Die Polizei rät Spendenwilligen zu prüfen, wer als Gegenüber Geld sammelt. Oft lässt sich dies bereits im äußeren Erscheinungsbild erkennen. Denn die gängigen karitativen Organisationen tragen eine erkennbare Uniform oder entsprechende Erkennungsmerkmale an der Bekleidung und führen einen Stand oder entsprechende Hilfsmittel mit. Außerdem können sich diese rechtmäßig sammelnden Personen mittels eines Ausweises legitimieren und das Einverständnis – zum Beispiel eines Geschäftes soweit sie auf dessen Gelände Geldsammlungen durchführen – vorweisen. Sollten diese Voraussetzungen augenscheinlich nicht gegeben sein, geben Sie keine persönlichen Daten heraus und gehen Sie nicht auf Geldforderungen ein. Insbesondere in den Fällen, wo das Gegenüber einen gewünschten, höheren Bargeldbetrag bereits nennt oder vorgibt.

In den Fällen, bei denen die Personen dabei festgestellt werden können, wie sie unter vorgeschobenen Gründen für einen nicht existenten karitativen Zweck sammeln, leitet die Polizei Ermittlungen wegen Sammlungsbetrugs ein und stellt auch gespendete Bargeldbeträge sicher.

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