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Tuttlingen Nach Ankündigung der Red Devils: Behörden stellen sich gegen Rocker-Patrouillen

Stadt, Landkreis und Polizeipräsidium Tuttlingen warnen nach einer Ankündigung des Rockerclubs Red Devils für mehr Sicherheit zu sorgen vor einer "Gefahr von Willkür und Selbstjustiz". Die Polizei nehme die Sorgen der Bevölkerung ernst.

Mit „großer Sorge” haben die Stadt Tuttlingen, das dortige Landratsamt sowie das Polizeipräsidium Tuttlingen auf die Ankündigung des Tuttlinger Rockerclubs Red Devils reagiert, für die Sicherheit von Frauen und Kindern in der Stadt sorgen zu wollen. Die Sicherheitslage in Tuttlingen gebe keinerlei Anlass, „auf selbsternannte Wächter der Ordnung zu setzen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Für die Behörden ist klar, dass die Tuttlinger Rocker einem Trend folgten, der bundesweit zu beobachten sei: „In vielen Städten versuchen derzeit Gruppierungen, die in der Vergangenheit weder durch Gesetzestreue noch als Hüter von Frauenrechten aufgefallen sind, aus der Kölner Silvesternacht Kapital zu schlagen.“ Die Gruppierung in Tuttlingen nutzte die Situation aus, „um sich in ein positives Licht zu rücken“.

Auch der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall (SPD) meldete sich zu der Sache zu Wort. Ausgerechnet Rocker sollten Bürgern Sicherheit gewährleisten?, fragte er rhetorisch. Es sei doch genau umgekehrt: Hilfe könne "von solchen Herrschaften" als Allerletztes geleistet werden, die durch schwere Straftaten andauernd Gerichte und Polizei beschäftigten. "Solchen Menschen sollten wir die Sicherheit unseres Landes nicht mal ansatzweise zutrauen", so Gall.
 

Recht und Ordnung ist Sache der Polizei

Noch mehr Besorgnis erregend ist aus der Sicht der Behörden aber, dass es für die Ankündigung der Rocker in sozialen Netzwerken im Internet große Zustimmung gegeben habe. Mehr als 1500 Facebook-Nutzer haben die Ankündigung im Internet geteilt, mehr als 2000 haben sie mit „Gefällt mir“ markiert. Stadt, Landkreis und Polizei betonen nun: „In einem Rechtsstaat ist und bleibt es ausschließlich Sache der Polizei, für Recht und Ordnung zu sorgen. Jeder Versuch, dies zu ändern, birgt die Gefahr von Willkür und Selbstjustiz in sich.“

Aus den vielen zustimmenden Reaktionen auf die Ankündigung der Red Devils sei aber eine „Verunsicherung in Teilen der Bevölkerung“ herauszulesen, die nach den „schlimmen Ereignissen von Köln“ nachvollziehbar sei und auch ernst genommen werden müsse. Als Antwort verweisen die Behörden auf die Sicherheitslage in der Stadt und im Landkreis Tuttlingen: „Sowohl was die Fallzahlen als auch die Aufklärungsquote betrifft, steht Tuttlingen im Landesvergleich weiterhin gut da. Trotz des starken Anstiegs der Flüchtlingszahlen ist bisher kein nennenswerter Anstieg der Kriminalität festzustellen.“

Weil aber zwischen der „objekten Sicherheitslage und dem subjektiven Sicherheitsgefühl“ der Bevölkerung eine deutliche Kluft existiere, wollen die Verantwortlichen in Tuttlingen mit geeigneten Maßnahmen dafür sorgen, das Sicherheitsgefühl der Menschen in Stadt und Landkreis Tuttlingen wieder schnell zu verbessern. Was das für Maßnahmen sein sollen, wird aber noch nicht genannt. Man wolle sich hierüber „zeitnah verständigen“.

Immer wieder Ärger mit Rockern

Erst im Juni vergangenen Jahres gab es in Konstanz einen Prozess, bei dem in drei Fällen Geldstrafen gegen mutmaßliche Mitglieder der Rockergruppe Red Devils aus dem Raum Singen und Tuttlingen verhängt wurden. Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten vorgeworfen, sie hätten die Gäste einer Kneipe in Engen in einer Januarnacht des Jahres 2012 durch bedrohliches Auftreten, durch das Umwerfen von Stühlen und Zerschmettern von Gläsern sowie in Einzelfällen durch rohe Gewalt gezwungen, das Lokal zu verlassen. Wie sich vor Gericht herausstellte, kam es zu der Randale, nachdem einer der Männer sich von einem Gast nicht respektvoll genug behandelt fühlte. Das Gericht stellte zudem vier Verfahren gegen Geldbußen von je 1200 Euro ein. Ein fünfter Mann wurde freigesprochen.
Ein weiterer Prozess vor dem Landgericht Konstanz endete im März 2015 mit Bewährungsstrafen zwischen 12 und 22 Monaten und mit zwei Geldstrafen, womit ein schon länger zurückliegender, gewalttätiger Übergriff von fünf damaligen Red-Devils-Mitgliedern und einer Mittäterin auf vier Jugendliche in Gottmadingen geahndet wurde.

 

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