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Tuttlingen Dokumentarfilm so spannend wie ein Krimi

24.01.2009


Kann es ein Dokumentarfilm 90 Minuten lang an Spannung mit einem Thriller aufnehmen? Zumindest dann, wenn er aus der Filmwerkstatt der „fechner-Media GmbH“ in Immendingen stammt und die Akteure in diesem Film Tuttlinger Handwerker und Industriemanager sind. Am Mittwoch war in der voll besetzten Tuttlinger Stadthalle die Premiere für den Dokumentarfilm „Auf Messers Schneide“ von Sören Lauinger und Ephraim Broschkowski (der SÜDKURIER berichtete).

Kann es ein Dokumentarfilm 90 Minuten lang an Spannung mit einem Thriller aufnehmen? Zumindest dann, wenn er aus der Filmwerkstatt der „fechner-Media GmbH“ in Immendingen stammt und die Akteure in diesem Film Tuttlinger Handwerker und Industriemanager sind. Am Mittwoch war in der voll besetzten Tuttlinger Stadthalle die Premiere für den Dokumentarfilm „Auf Messers Schneide“ von Sören Lauinger und Ephraim Broschkowski (der SÜDKURIER berichtete).

Mancher Einwohner in Stadt und Kreis Tuttlingen ist sich nicht bewusst, in welchem weltweit bedeutenden Wirtschaftsbereich er zu Hause ist. Die Medizintechnik ist bislang nirgendwo in der Welt in all ihren Facetten so gut aufgestellt wie in Tuttlingen. Dabei spielen nicht nur die großen Namen wie Aesculap oder Karl Storz eine Rolle. In vielen kleinen und kleinsten Produktionseinheiten werden spezielle Geräte für den chirurgischen Bedarf hergestellt.

Der Film beschreibt eindrücklich, wie beispielsweise für den regelmäßigen Export in die USA der Einkäufer bei bis zu 100 Firmen Waren aufkauft, um sie als Gesamtlieferung nach Übersee zu schicken. Handwerkliche Tradition und modernste Forschung sind in Tuttlingen eine Symbiose eingegangen, der die Stadt ihren weltweiten Ruf zu verdanken hat. Das Ganze geschah aber nicht in wenigen Jahren oder Jahrzehnten. Der Film beschreibt die Anfänge vor 140 Jahren, als sich aus der Stadt der Messerschmiede die Stadt der „heilenden Instrumente“ zu entwickeln begann.

Doch begnügt sich der Film nicht mit der Darstellung der Sonnenseite des Tuttlinger Wirtschaftslebens. Es kommen Vertreter verschiedener Firmen aller Größen zu Wort, die ein gemeinsames Problem haben. Es fehlt sowohl an Fachkräften wie auch an jungen Leuten, die sich im Chirurgiemechanikerhandwerk ausbilden lassen. Ein Geschäftsführer berichtet von einem Lehrling, der zwar ein gutes Hauptschulzeugnis hatte, aber bei der Frage, wie viel sechs Mal vier ist, in Verlegenheit gekommen sei. Abwerbeprämien für Fachkräfte gehörten, so die Brancheninsider im Film, zur Tuttlinger Szene. In dem Film wird eine junge Auszubildende vorgestellt, die sich auf die Gesellenprüfung als Chirurgiemechanikerin vorbereitet. Sie zeigt kein Verständnis für junge Leute, die die Mühen einer anspruchsvollen Ausbildung scheuten.

Das zweite Problemfeld ist die Globalisierung. Die Filmemacher waren in Pakistan. Die Tuttlinger Konkurrenz ist ebenfalls in einer Stadt zusammen gefasst. Noch wird dort unter teilweise primitiven Bedingungen gearbeitet. Trotzdem haben die dabei hergestellten Instrumente die im Operationssaal gebrauchte Präzision. Der Lehrling, der hier zu Wort kommt, ist ein 17-Jähriger, der täglich stundenlang Bus fahren muss, um zu seinem Ausbildungsplatz zu kommen.

Die Filmemacher produzieren allerdings keine Angst vor der Globalisierung. Fachleute kommen zu Wort, die erklären, dass Tuttlingen den weltweiten Bedarf an chirurgischen Instrumenten gar nicht decken könnte. Deswegen sei es sogar von Vorteil, wenn gewisse Standardinstrumente in großen Stückzahlen in Pakistan hergestellt werden. Tuttlingen habe so die Kapazitäten für den Bereich der hoch entwickelten Instrumente frei.

Hermann-Peter Steinmüller

Der Film „Auf Messers Schneide“ läuft im Tuttlinger Scala-Kino. Beginn ist um 18.15 Uhr.

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