Tuttlingen – Das Medizintechnik-Unternehmen Aesculap AG (Tuttlingen), ein Unternehmen der B.Braun-Gruppe (Melsungen), hat das Krisenjahr 2009 gut bewältigt und blickt zuversichtlich ins laufende Jahr. Der Umsatz stieg 2009 um 5 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro.
Wie der Vorstandsvorsitzende Hanns-Peter Knaebel vor Journalisten berichtete, stieg das Ergebnis trotz des schwierigen Umfelds sogar überproportional zum Umsatz. Eine Zahl nannte er nicht. Knaebel sagte lediglich: „Es geht uns gut.“
Der Medizintechnik-Branche erging es 2009 zwar nicht mit so schlecht wie dem Maschinenbau oder der Automobilindustrie, doch in vielen Ländern sei eine starke Zurückhaltung der Auftraggeber bei Investitionsprojekten spürbar gewesen. Krankenhäuser hätten Investitionen zurückgestellt. Häufig seien Investitionen mangels Finanzierung zurückgestellt worden, sagte Knaebel. „Wir waren sehr stark auf das Tagesgeschäft angewiesen“, sagte Knaebel. Zum „Tagesgeschäft“ gehören Produkte wie Nahtmaterial oder Hüftprothesen. Sie wurden 2009 in normalem Umfang nachgefragt, weil die Patienten, anders als die Krankenhäuser, in unverändertem Ausmaß medizinische Dienstleistungen konsumierten. Die Wachstumsimpulse seien im vergangenen Jahr aus Asien, den USA und Lateinamerika gekommen, so der Vorstandsvorsitzende.
Das Jahr 2009 habe mit einem starken Auftragseinbruch begonnen, worauf Aesculap alles getan habe, die Arbeitsplätze zu erhalten, so der Vorstandvorsitzende. Am Jahresende beschäftigte das Unternehmen weltweit 9000 Mitarbeiter, davon 2800 in Tuttlingen. Inzwischen stockt Aesculap bereits wieder auf und zählt derzeit 2950 Mitarbeiter in Tuttlingen.
Das laufende Geschäftsjahr habe mit einem Umsatzwachstum von 5 Prozent im ersten Quartal und überproportionaler Ergebnisverbesserung gut begonnen. „Für den Rest des Jahres sind wir zuversichtlich, denn Aesculap ist gut für die Zukunft gerüstet“, sagte Knaebel. Dennoch betrachtet er die Folgen der Finanz- und der Euro-Krise mit Sorge. In wichtigen Märkten wie Spanien, Frankreich oder Großbritannien würden die Geschäfte wegen Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand bereits schwieriger. In Großbritannien würden die Wartelisten für bestimmte Operationen länger. „In unseren angestammten Kernmärkten rechnen wir mit Problemen. Wie werden ungewohnt stark von Asien, den USA und Lateinamerika abhängig sein“, erläuterte der Aesculap-Chef.
Aesculaps Muttergesellschaft, der B.Braun-Konzern, will in den kommenden fünf Jahren 2 Milliarden Euro investieren. In Tuttlingen seien Investitionen in Höhe von 50 bis 75 Millionen Euro geplant, sagte Knaebel. Für mögliche Erweiterungen der Produktion müssten jedoch „die Umfeldbedingungen stimmen“, so der Vorstandsvorsitzende. Die Arbeitskosten seien in Tuttlingen hoch, allerdings verfüge der Standort auch über die höchste Flexibilität. Knaebel: „Wir wissen, was wir an unseren Mitarbeitern haben.“