Schonach – Anlass genug also für Ingenieur Rolf Binder vom Donaueschinger Fachplanungsbüro Greiner, sowohl den zahlreich gekommenen Zuschauern als auch den Gemeinderäten die Preisentwicklung zu erläutern. Sei doch im Januar Ausgangspunkt eine 92,5-Meter-Schanze gewesen. Damals habe die Firma aber lediglich einen ganz vagen Vorentwurf der Planung gemacht, unter anderem mussten die Bodenverhältnisse untersucht werden. In einem Gutachten, das die Schonacher Gemeinderäte für 42000 Euro in Auftrag gegeben hatten. Im Februar dann habe ein hoher Funktionär der Nordischen Kombinierer vorgeschlagen, die Schanze gleich auf W 95 auszubauen, damit größere Weiten möglich werden, die wiederum für die Fernsehzuschauer von Interesse sind. In der Folge sei man bei der Entwurfsplanung gleich von W 95 ausgegangen, um eine Sprunglänge (hill-size) von rund 106 Metern zu erreichen.
Fünf Varianten habe man geplant, berichtete Rolf Binder und herauskristallisiert habe sich die jetzt vorgestellte, wobei das Anlaufbauwerk bereits mit einem größeren Radius geplant werden musste.
Doch damit nicht genug. Im April diesen Jahres änderte die FIS ihre Schanzenbaunormen. Weitere technische und Sicherheitsuntersuchungen wurden erforderlich. Das drei Millionen teure Ergebnis allen Planens ist nun eine in ihrer Gesamtheit wesentlich länger gezogene Langenwaldschanze. So weit, dass die unten vor dem Auslaufbereich sich befindlichen beiden Weiher seitlich nach hinten verlegt werden müssten. Bürgermeister Jörg Frey ist auch mit deren Eigentümern intensiv am Verhandeln und lobte in der jüngsten Gemeinderatssitzung ihre positive Grundeinstellung zum Schanzenbauwerk.
Dass ein Eigenanteil von 600 000 Euro „absolute Voraussetzung ist, ohne die ich gar nicht erst nach Stuttgart zu fahren brauche“, hatte zuvor Bürgermeister Jörg Frey klar gemacht. Spätesten am 22. Dezember nächsten Jahres laufe das Zertifikat der FIS für die bestehende Langenwaldschanze ab. Würden die Gemeinderäte nicht zustimmen, bedeute dies „nicht mehr und nicht weniger, als dass der nächste Weltcup auch unser letzter war“, machte Jörg Frey klar. Gemeinderätin Erika Schuster (SPD) machte auf die Außenwirkung des anstehenden Gemeinderatsbeschlusses aufmerksam: „Es geht um Zuschüsse, und da wäre es wichtig, wenn die große Mehrheit des Gemeinderats zustimmen würde“. Gemeinderat und Landtagsabgeordneter Karl Rombach (CDU) hakte nach: „Ich kann diese Aussage nur unterstützen, Stuttgart und Berlin werden ohnehin sehr schwierig, wir brauchen die höchstmögliche Geschlossenheit.“
Helmut Kienzler (FDP/FWV) sprach für seine Freie-Wähler-Fraktion von „gigantischen Erdbewegungen“, die nötig seien und die ebenso gigantische Kosten im Gefolge hätten. Man müsse dagegen gefeit sein, dass „die nächsten zehn Jahre noch weitere Kosten auf uns zukommen.“ Er stellte auch die Frage, ob die „Kosten für den Schwarzwaldpokal so wie früher“ weiter flössen.
Gemeinderat Herbert Rombach (CDU) meinte ironisch, die anstehenden Tiefbauinvestitionen seien ein „Ohrenschmaus“ für entsprechende Firmen, betonte aber ebenso wie zuvor Helmut Kienzler, dass er den Verhandlungen des Bürgermeisters über die wichtigen Zuschüsse „keine Steine in den Weg legen“ wolle und deshalb zustimme.
CDU-Fraktionssprecher Wolfgang Förtsch betonte „einmal mehr“ die gewaltige Bedeutung des Schwarzwaldpokals für den Einzelhandel und die schon oft andiskutierte Bedeutung für die heimische Gastronomie: „Wir sprechen hier von der Zukunft Schonachs“, meinte er und seine SPD-Sprecherkollegin Karin Binkert-Hörmann legte dar, dass nach der nunmehrigen fünfjährigen Zusage für den Schwarzwaldpokal durch die FIS auch sie ihre anfängliche Skepsis in einem anderen Licht sehe.
