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Triberg Umstrittene Kampagne für den Schwarzwald: Das sagt die Werbedesignerin Selina Haas

"Feuchte Täler und jede Menge Wald": Die Werbung für das Ferienland Schwarzwald sorgt bundesweit für Furore. Entworfen hat die Kampagne die Triberger Werbedesignerin Selina Haas - die die Aufregung für übertrieben hält.

Frau Haas, „Große Berge, feuchte Täler und jede Menge Wald“, und darüber hinaus jede Menge Wirbel um die Ferienland-Werbung. Geht Ihr Konzept auf?

Ja auf jeden Fall. Es war natürlich die Idee dahinter, dass die Leute die Zweideutigkeit dieser Werbung erkennen und verstehen.

Mit dem Verstehen scheint nun aber manch einer Schwierigkeiten zu haben, nachdem dem Deutschen Werberat eine Beschwerde vorliegt.

Ja das stimmt. Ich finde es sehr schade, dass einige Leute nun so dagegen sind und finde es ehrlich gesagt auch etwas übertrieben. Die Werbung ist humorvoll und witzig und sicherlich nicht frauenfeindlich. Schließlich bin ich ja selbst eine Frau.

Wie geht es denn nun weiter? Haben Sie Angst, dass Ihre ganze Kampagne gestoppt wird?

Nein, ich habe schon mit Julian Schmitz, dem Geschäftsführer des Ferienlands, gesprochen. Er steht nach wie vor zu der Kampagne. Zwar will er das eine Plakat, um das es speziell geht, rausnehmen, aber die anderen wird es geben. Die sind auch nicht so zweideutig, sondern nur modern und witzig.

Wie kamen Sie auf diese Idee?

Ich hatte für diese Kampagne alle Freiheiten und konnte entwerfen, was mir in den Sinn kam. Mein Ziel war, etwas zu entwerfen, das ganz anders ist, als die typische Werbung für unsere Region. Ich überlegte mit meiner Familie und meinem Verlobten, was unsere Heimat denn auszeichnet. Und bei Bergen, Tälern und Wald musste ich dann an eine Frau denken.

Das heißt, Sie haben eine gewisse Affinität zur Zweideutigkeit?

Ja durchaus. Ich finde es lustig, bin ein humorvoller Mensch und liebe es, das Moderne und Freche in meinen Entwürfen rüber zu bringen.

Sie sind der kreative Kopf hinter der Kampagne. Manch einer würde Sie allerdings eher als den „sexistischen“ Kopf bezeichnen. Was entgegnen Sie Ihren Kritikern?

Ich finde die unterschiedlichen Reaktionen gut und ich freue mich, dass über meine Arbeit so viel und unterschiedlich gesprochen wird. Es darf jeder seine Meinung haben und auch vertreten. Allerdings möchte ich schon betonen, dass ich mit der Grafik des Schwarzwaldmädels keinesfalls jemanden angreifen will. Ich bin selber ein Schwarzwaldmädel und vor allem stolz darauf. Ich denke, es darf sich hier keiner persönlich angesprochen fühlen.

Es gibt wohl nichts Schlechteres, als wenn über Werbung nicht gesprochen wird. Muss sie im Umkehrschluss immer provokativ sein?

Nein, das muss sie natürlich nicht, aber es ist durchaus hilfreich. Allerdings mache ich auch andere Werbung, die ganz und gar nicht in diese Richtung geht. Aber in diesem Fall, wenn es jetzt auch sehr weit geht, ist die mediale Präsenz und die öffentliche Diskussion einfach die beste Werbung für das Ferienland und mich als Werbedesignerin.

Haben Ihre Kritiker die Werbebotschaft nicht verstanden?

Ich denke, sie kommen mit der Art der Werbung vielleicht nicht klar. Verstanden haben sie die Zweideutigkeit schon, sonst würden sie sich darüber ja nicht aufregen. Aber man sollte manches einfach auch mal mit einem Augenzwinkern betrachten.

Es gibt positive, wie negative Reaktionen. Was überwiegt denn Ihrem persönlichen Eindruck nach?

In meinem Umfeld gab es bislang nur positive Rückmeldungen. Selbst von Oma und Opa. Ich habe mir natürlich in den Medien und auf Facebook alle Kommentare durchgelesen. Die Anzahl ist auf beiden Seiten recht ausgeglichen. Allerdings entsteht durch die Sache mit dem Werberat und der Beschwerde ein negativer Eindruck.

Glauben Sie, die Reaktionen werden zukünftig anders sein, wenn die Leute wissen, dass hinter dieser Kampagne eine Frau steckt und diese auch noch aus der Region kommt?

Ich könnte mir schon vorstellen, dass das die Sichtweise mancher Menschen, zumindest hier in der Region, etwas beeinflussen und auch ändern könnte.

Was haben Sie aus dieser Kampagne gelernt?

Ich weiß jetzt, dass man ganz günstig Werbung machen kann, ohne tausende von Flyern zu drucken. Man muss es nur richtig anstellen.

 

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