– „Da kann man doch Manches in die Erde mit absinken lassen“, philosophiert die 84-jährige Hinterzartenerin Berta Feser im Gartenfilm „Der Sommer im Winter“. Den „leisen Film“ über vier Frauen und ihre Höhengärten holte Margarete Retzbach nach Triberg in die Kronenlichtspiele. Mehrfach war Marlies Schneider vom ökumenischen Bildungswerk Schonach darauf angesprochen worden und stieß bei Anton und Margarete Retzbach auf Interesse.Mit dieser Kooperation gelang es schließlich, den bemerkenswerten Film samt seinen Machern Ulla Haschen und Karl-Heinz Heilig in der Raumschaft zu präsentieren.
Ein wenig Bedenken hatte Marlies Schneider schon, denn die Temperaturen regten nun nicht zum Teilen der Gartenleidenschaft an. Über die enorm große Resonanz, die der Film erlebte, freute sie sich mit Familie Retzbach umso mehr. Mit einer halben Stunde Verspätung bis alle Zuschauer im Kinosaal waren, startete der knapp zweistündige Film.
Von 2006 bis 2010 begleitete das Filmteam die Frauen bei der Gartenarbeit, trug faszinierende Landschaftsimpressionen zusammen und fasste das zu einem ehrlichen, eindrücklichen Filmerlebnis zusammen. Vertrauen und Respekt nannte Karl-Heinz Heilig die Grundlage für die Zusammenarbeit mit den Frauen.
Es dauerte, bis ihnen deutlich war, dass sie nicht vorgeführt werden sollen. Und das Filmteam bewies bei der Materialauswahl sehr viel Fingerspitzengefühl. Gertrud Zapf aus Furtwangen, Rosmarie Schmidt aus Raich, Maria Schuler aus Breitnau und Berta Feser aus Hinterzarten gewährten Einblicke in ihre Gärten, ihre Garten- und Lebensphilosophie sowie in die augenblickliche Situation.
Da gab es keine erhobenen Zeigefinger, sondern Lebensweisheiten und den Dialog zwischen Gärtnerin und ihrem Refugium. „Diese Frauen beherrschen Krisenmanagement weit besser als manche, die in der Öffentlichkeit stehen“, fasste Karl-Heinz Heilig seine Eindrücke zusammen. Die kurze Vegetationszeit der Bauerngärten in knapp tausend Meter Höhe stellt besondere Anforderungen an die Gärtnerinnen und an ihre Fähigkeit, mit Unwägbarkeiten zurecht zu kommen.
Und unverhofft Frost gibt es eben nicht nur im Gärtnerleben. Eingebunden in die Naturkreisläufe schaffen sich die Frauen durch das Gartenjahr, dabei beherzigen sie altes Wissen und probieren Neues aus. Gartenarbeit empfinden sie als Meditation, als Medizin und kreativen Freiraum, den sie mit Liebe und Leidenschaft beackern. Sie freuen sich über das Wachsen und Blühen. Genauso können sie mit Nackenschlägen umgehen, in gärtnerischer wie auch in Lebenssituationen.
Denn gerade sie wissen genau, nach jedem noch so strengen Winter gibt es ein Frühlingserwachen. „Ich weiß gar nicht, was meine Frau zu erzählen hätte“, zitierte Karl-Heinz Heilig einen der Ehemänner, der anfangs dem Projekt skeptisch gegenüber stand. Mittlerweile hat sich ein vertrautes und persönliches Verhältnis zwischen Filmemacher und den Bauernfamilien entwickelt. „Wir haben dich schon vermisst“, so wurde Heilig neulich von einer seiner Gartenfrauen begrüßt.