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St. Georgen "Wir wollen beitragen, dass Volkslieder nicht aussterben": Auf einen Kaffee mit den Volksliedersängern Siegfried Schwab und Bertram Kienzler

Ein Gespräch mit Siegfried Schwab und Bertram Kienzler, die gemeinsam mit Joachim Hirt am Freitag wieder ein Volksliedersingen im Gasthaus Krone in St. Georgen veranstalten.

Herr Kienzler, Herr Schwab, am Freitag, 23. Juni ist wieder ein Volksliedersingen im Gasthaus Krone. Ich muss gestehen, dass ich nur bei sehr wenigen Volksliedern textsicher bin. Was entgeht mir?

Kienzler: Einfach der Spaß an der Freude, am gemeinsamen Singen. Das war ja auch ein Grund, warum wir das machen. Wir wollen altes Liedgut wieder fördern. Früher haben wir noch alle in der Schule die Lieder gelernt. Man hat dann auch in anderen Vereinen, etwa beim Fußball oder auf Busfahrten, einfach mal gemeinsam etwas gesungen. Das gibt es alles nicht mehr. Aber bei den Liederabenden merkt man dann wieder, wie viel Freude die Menschen am Singen haben.

Schwab: Man merkt auch am Publikum, wie wichtig das früher war: Es sind überwiegend ältere Menschen. Ein paar Jüngere schauen aber auch immer vorbei.

Wie kamen sie denn dazu, selbst Liederabende zu veranstalten?

Kienzler: Ich habe in meiner Jugend Cello gelernt und lange im Kirchenorchester gespielt, aber bald gemerkt, dass ich Richtung Volkslieder tendiere. Ich habe mir dann selbst das Gitarre spielen beigebracht. Bei meinem Hobby Bergsteigen habe ich auf Hütten immer wieder gesungen. 2004 habe ich mir im Winter dann das Bein gebrochen, Ski fahren konnte ich also nicht. Da habe ich das Liederbuch geschrieben. Das wurde die Grundlage der Liederabende, die ich ab 2005 mit Joachim Hirt in der Lilie in Triberg veranstaltet habe. Der Zulauf hat uns völlig überrascht, wir haben vielleicht mit zehn Leuten gerechnet – es kamen aber gleich rund hundert Menschen. Man hat gemerkt, dass so etwas gefehlt hat.

Schwab: Ich war auch von Anfang an ein Besucher. Rund ein Jahr später habe ich die beiden dann gefragt, ob ich bei ihnen mit meiner Steirischen Harmonika, die ich seit 1949 spiele, mitmachen kann. Wir wurden uns schnell einig. In diesem Jahr begannen dann auch die Liederabende in St. Georgen.

Wie haben sich die Besucherzahlen seither entwickelt?

Kienzler: Es wurde schon weniger, aber es kommen immer noch rund 50 Leute. Uns ist das aber auch egal – solange die Menschen Freude daran haben, spielen wir. Viele unsere Gäste sind Witwen, die sonst nicht mehr viel unternehmen. Man sieht dann richtig, wie sie beim Singen aufblühen. Wenn sie nach dem Abend zu einem kommen und sagen, wie viel Freude sie wieder hatten, ist das ein Antrieb.

Gesangsvereine haben größte Nachwuchssorgen, Kinder lernen kaum noch Lieder – drohen die Volkslieder auszusterben?

Kienzler: Die Gefahr besteht. Aber solange es gesundheitlich geht, werden wir spielen und wollen dazu beitragen, dass sie nicht aussterben. Aber Helmut Storz, der Vorsitzende des hiesigen Musik- und Gesangsvereins hofft etwa auch, dass unsere Liederabende wieder mehr Mitglieder in seinen Verein bringen. Das hat aber nicht funktioniert, auch die älteren Leute wollen sich einfach nicht mehr binden.

Würden Sie sich denn wünschen, dass Kinder wieder mehr altes Liedgut kennen lernen?

Kienzler: Auf jeden Fall. Dass man solche Lieder auch mal wieder in der Schule singt zum Beispiel. Aber die Lehrer haben da auch wenig Spielraum, das gibt das Schulamt vor. Ich finde aber, alle ein, zwei Monate mal ein Volkslied im Unterricht zu singen, das sollte drin sein.

Wie gut muss man denn Singen können und Texte beherrschen, um an einem Liederabend teilzunehmen?

Kienzler: Das ist alles kein Problem. Man muss überhaupt nicht singen können, in der Gesellschaft geht es immer. Selbst wenn man die Texte nur mitspricht, Hauptsache man hat Freude.

Schwab: Es liegen ja auch immer die Textbücher aus. Oft hat ohnehin jeder einen leicht anderen Text im Kopf, da helfen die Bücher jedem.

Sie spielen viele verschiedene Auftritte, regelmäßig auch in der Asklepios Klinik in Triberg oder bei Wirten. Wie hält man da denn seine Stimme fit?

Kienzler: Das ist kein Problem. Oft ist es eher umgekehrt, wer lange nicht mehr gesungen hat, ist nach einem Abend dann ein bisschen heiser. Regelmäßig zu singen ist da eher ein gutes Training für die Stimmbänder.

Welches der rund 250 Lieder in ihrem Liederbuch ist denn ihr Lieblingslied, Herr Kienzler?

Kienzler: "Wie ist die Welt so groß und weit", das ist ein Lied aus Südtirol. Es handelt vom Bergsteigen, was ja auch meine Leidenschaft ist. Aber auch "Über den Wolken" gefällt mir zum Beispiel sehr gut.

Und ihres, Herr Schwab?

Schwab: Diese Lied mag ich auch sehr gern. Ansonsten natürlich das Badnerlied. Das Publikum liebt übrigens "Bajazzo – Warum bist du gegangen". Es gibt keinen Liederabend, an dem dieses Lied, das vom Verliebt sein handelt, nicht gewünscht wird.

Fragen: Dominik Dose

Zur Person

Bertram Kienzler wohnt in Schonach und ist Renter. Vor kurzem feierte er Goldene Hochzeit mit seiner Frau Ingrid. Er hat drei Söhne, eine Tochter und fünf Enkel. Der gebürtige Triberger arbeitete früher als Industriekaufmann.

Siegfried Schwab ist ebenfalls gebürtiger Triberger, wohnt aber seit 45 Jahren in St. Georgen. Auch er ist verheiratet, hat zwei Töchter, fünf Enkel und sechs Urenkel. Auch er ist Rentner, zuvor arbeitete er als Konstrukteur bei Grässlin. (dod)

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