St. Georgen Vordenkerin für zukunftsfähige Landwirtschaft spricht bei Forum Pro Schwarzwaldbauern

Autorin Christine Hubenthal plädiert in St. Georgen für neues Denken in Sachen Lebensmittelproduktion.

Das Forum Pro Schwarzwaldbauern hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Aschermittwochnd , ähnlich den politischen Parteien, landwirtschaftlich bezogen Klartext zu reden. Der Vorsitzende des Forums, Siegfried Jäckle, hat dazu Christine Hubenthal, eine engagierte Vordenkerin zu Perspektiven für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, gewonnen. Hubenthal studierte Landwirtschaft und arbeitete auf verschiedenen Höfen. In der Nähe von Stuttgart hat sie die gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft Gartenleben aufgebaut. Derzeit lebt Christine Hubenthal in Leipzig.

Blick in die Zukunft: Zu Beginn ihres Vortrags wurden die zahlreichen Besucher in die Zukunft geführt. Im Jahr 2099 bereitet sich St. Georgen vor, das Ende des Milleniums zu feiern. Die Wirtschaft ist nicht mehr auf den maximalen Profit Einzelner ausgerichtet, sondern auf eine bedarfsgerechte Versorgung von vielen. Die Sicherung der Lebensgrundlagen steht an oberster Stelle der politischen Agenda. Aufgrund klimatischer und weiterer politischen Ereignisse haben sich die Bewohner in kleinen Gemeinschaften organisiert und leben in Dörfern oder mittelgroßen Städten. In der neu gewonnenen Lebendigkeit kooperieren Bäuerinnen und Bauern mit den Stadtbewohnern. Es gibt Vollzeit-, Teilzeit- und Freizeitbauern, die sich gegenseitig in ihrer Arbeit austauschen. Ihre ökologischen Anbaumethoden entwickeln sich ständig weiter und die Verantwortung für die Produktion der Lebensmittel wird inzwischen kollektiv getragen.

Eine Frage der Perspektive: Cristine Hubenthal ist sich darüber im Klaren, dass es eine Frage der Perspektive ist, was jedem Einzelnen als möglich erscheint. Die Frage nach den persönlichen Erwartungen spiele eine Rolle. Die ultimative Lösung könne sie nicht bieten. Ihr Ziel sei: neue Perspektiven zu eröffnen, Mut zu geben auf der Suche nach Perspektiven, in Betracht zu ziehen, dass jeder etwas bewegen könne.

Nachhaltigkeitsdiskussion: Die Diskussion um Nachhaltigkeit werde derzeit von der Hoffnung geprägt, dass alles so bleiben könne, wie es ist, nur ein bisschen grüner, ein bisschen ökologischer, sagt Hubenthal. Egal welches Beispiel betrachtet werde, große politische Entscheidungen würden unter der Strategie der Erhaltung des Status quo getroffen. Die Reformen der gemeinsamen Agrarpolitik 2013 hätten nicht mehr als „etwas Greenwashing“ gebracht. Mit dem Slogan „Wir haben es satt“ demonstrierten Verbraucher gemeinsam mit Bauern gegen die industrielle Landwirtschaft in Deutschland und Europa. „Weil letztlich unsere Lebensmittelsicherheit davon abhängt“, so Christine Hubenthaler.

Selbstversorgung: Die Selbstversorgung habe man längst gegen die Bequemlichkeit globalisierter Lebensstile mit lückenloser Fremdversorgung eingetauscht. Dieser Lebensstil sei im Zeitalter von Klimawandel und Ölverbrauch nicht länger tragfähig. „Krisen sind kein Ausnahmezustand mehr, sondern ein Charakteristikum unserer Zeit, auf das es sich einzurichten gilt.“ Resilienz, der Fachbegriff für Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen, sei in keinem Bereich wichtiger als in der Landwirtschaft.


Abschirmung

Ein landwirtschaftlicher Betrieb mit weitgehend geschlossenem Betriebskreislauf ist äußerst widerstandsfähig gegenüber Krisen. Dieser Betrieb kann alles aus sich heraus produzieren. Das Ideal des Ökolandbaus sei die ständige Suche nach Wegen, diesen Kreislauf möglichst geschlossen zu halten, erklärt Christine Hubenthal. Ihr Buch „Einfach mal anfangen!“ beschreibt eben diese Widerstandsfähigkeit gegen aufkommende Krisen. (wm)

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