St. Georgen -
Gar nicht so einfach, sich die St. Georgener Festtagstracht anzuziehen – ohne Hilfe klappt es nicht. SÜDKURIER-Redakteurin Nathalie Göbel hat es ausprobiert. Bilder Bildern zum Durchklicken.
Zur Jeans passt das „Hippenhemd“ noch nicht ganz so optimal.
Bild: SK
Karin Quitt (rechts) befestigt den Vorstecker an der Tracht.
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Redakteurin Nathalie Göbel bekommt die schwarze Kappe angezogen.
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Nun noch der Rosenhut, der die Festtagstracht ergänzt...
Bild: SK
…und schon können Renate Bauknecht (links) vom Förderverein Schwarzes Tor und Nathalie Göbel für ein Foto posieren.
Bild: Marion Borho
Mit geübtem Griff schließt Karin Quitt die Häkchen des Mieders. Schick sieht es aus, mit Samt abgesetzt und mit Blüten bestickt. Kein Wunder – was ich im Heimatmuseum „Schwarzes Tor“ gerade anprobiere, ist die Festtagstracht aus St. Georgen, die Karin Quitts Tochter Marion Borho gehört. Die beiden Frauen sind nicht nur selbst Mitglied im Trachtenverein St. Georgen, sondern pflegen zusammen mit Tanja Schlegel, Heidi Merkle und Maria Wintermantel das „Hippenaije“, das Nähen der Tracht.
Für das 25-jährige Bestehen des Fördervereins „Schwarzes Tor“, das am 6. Oktober gefeiert wird, haben sich der Förder- und der Trachtenverein etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Die Besucher dürfen sich selbst in St. Georgener Tracht kleiden und können sich von Fotograf Harald Weisser im Heimatmuseum vor historischer Kulisse ablichten lassen.
„Die Tracht war früher nie gleich“, erklärt Marion Borho. Von Hof zu Hof unterschied sich die traditionelle Kleidung, je nachdem, wie viel Geld ihren Trägern zur Verfügung stand und welches Material gerade erhältlich war. Eines haben die Festtagstrachten jedoch gemeinsam: Sie sind nicht einfach anzuziehen, dafür braucht es Hilfe. Das geht schon beim Binden der Schleifchen an den Ärmeln des Hippenhemdes los und endet mit dem Festzurren des „Nestels“, einem Samtband, mit dem das Mieder geschnürt wird. Der „Vorstecker“, eine Art Latz aus Samt und das mit Glitzerborte besetzte „Halsmäntele“ machen die Tracht fast komplett.
Über den Wollrock kommt jetzt noch die Schürze – farblich passend zum Halsmäntele – und meine Haare verschwinden unter einer schwarzen Kappe, die mit Samtbändern befestigt wird. Hermann Bauknecht vom Förderverein Schwarzes Tor hat in der Zwischenzeit einen Rosenhut geholt, der von jungen Frauen nach der Konfirmation bis zur Hochzeit getragen wurde – fertig ist die Festtagstracht. Ich bin froh, dass es ziemlich kühl ist. Der ausladende Wollrock, der einen um locker fünfzehn Kilo schwerer aussehen lässt, gibt im Winter sicher schön warm, lässt einen im Sommer aber gehörig schwitzen. „Früher war der Stoff sogar noch dicker“, sagt Karin Quitt. Aber schließlich wurde die Festtagskleidung auch nicht zur Arbeit auf Feld und Hof getragen – dafür gab es die Arbeitstracht aus leichteren Stoffen.
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