Den Freundeskreis für Behinderte plagen Existenzsorgen. Das Spendenaufkommen ist stark zurückgegangen. Nun fürchtet die Initiative, dass sie in Zukunft keine Freizeiten mehr für Menschen mit Behinderung anbieten kann.
St. Georgen – Seit mehr als 35 Jahren stellt der Freundeskreis für Behinderte in St. Georgen eine feste Größe dar. Was mit Kaffeenachmittagen im privaten Rahmen begann, ist längst zu einer festen Anlaufstelle für Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung geworden. Neben Ausflügen, die zweimal jährlich angeboten werden, bilden die Weihnachtsfeier mit Krippenspiel und die jährliche Freizeit Schwerpunkte im Veranstaltungsprogramm. „Manche unserer Teilnehmer hätten ohne die Freizeit nie die Möglichkeit, Urlaub zu machen“, sagt Jürgen Lehmann, der von Anfang an beim Freundeskreis engagiert ist.
Genau jenen Freizeiten droht nun das Aus. Zwar bezahlen die Behinderten, ihre mitreisenden Angehörigen und die Helfer des Freundeskreises einen Eigenanteil, der erst in diesem Jahr erhöht wurde; um die Freizeiten veranstalten zu können, ist die Initiative jedoch auf Spenden angewiesen. „Die Spenden zur Weihnachtszeit haben sich 2010 im Vergleich zum Jahr 2009 halbiert“, sagt Jürgen Lehmann. Die Rücklagen der Initiative haben derzeit einen Tiefstand erreicht, auch wenn es treue Spender gibt, die den Freundeskreis seit vielen Jahren unterstützen.
Frühe Buchung ist wichtig
Daraus ergibt sich das nächste Problem: „Wir müssen die Häuser relativ früh buchen“, erklärt Jürgen Lehmann. Der Freundeskreis sucht für die Freizeiten stets Einrichtungen aus, die behindertengerecht oder behindertenfreundlich gestaltet sind – etwa mit breiten Türen, die für Rollstuhlfahrer geeignet sind oder höhenverstellbaren Betten. Diese Einrichtungen sind begehrt, deshalb ist eine frühe Buchung wichtig, und damit geht dann auch eine Anzahlung einher.
Um die Freizeit im kommenden Jahr im Allgäu anbieten zu können, fehlen derzeit rund 10 000 Euro. Bis Dezember könnte der Freundeskreis die Fahrt noch absagen, danach würden Stornierungsgebühren fällig. An ein Aus für die Fahrten möchten Jürgen Lehmann und seine Mitstreiter gar nicht denken: „Das wäre für einige eine Katastrophe.“ Die Reisen bieten stets Gelegenheit, sich in aller Ruhe auszutauschen und offen über Probleme zu sprechen, weiß der ehemalige Sonderschullehrer aus Erfahrung. Bürgermeister Michael Rieger unterstützt den Spendenaufruf des Freundeskreises ausdrücklich und möchte prüfen, ob die Stadt über ihren jährlichen Zuschuss hinaus helfen kann, jedoch hat St. Georgen selbst mit leeren Kassen zu kämpfen. „Ich sehe, welche Arbeit hier geleistet wird“, lobt Rieger den Einsatz der Initiative.
Auch über helfende Hände würde sich der Freundeskreis sehr freuen. „Viele von uns sind zwischen 65 und 70 Jahre alt, und jüngere Helfer kommen nicht nach“, schildert Jürgen Lehmann. Er und seine rund 15 Mitstreiter wollen den Freundeskreis für Behinderte keinesfalls aufgeben. „So lange es geht, machen wir weiter.“
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