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St. Georgen Postsenioren erinnern sich

17.05.2010


Ehemalige Mitarbeiter treffen sich regelmäßig zum Austausch

St. Georgen – Für viele Firmenmitarbeiter reißt der Kontakt mit dem Eintritt in den Ruhestand nicht ab: Es gibt die Post-Rentner, die Heinemann-Rentner oder die Lorenzhaus-Ruheständler. Alles Gruppen, die sich in St. Georgen regelmäßig treffen und Erfahrungen austauschen. Doch was sind die Themen der ehemaligen Kollegen?

„Wir treffen uns jeden zweiten Dienstag im Monat“, erklärt Erika Ewald, Sprecherin der Post-Senioren St. Georgen. Etwa 60 ehemalige Mitarbeiter oder Angehörige von Post, Postbank oder Telekom zählt die Gruppe. „Der harte Kern derer, die regelmäßig kommen, sind aber nur 14“; erklärt Ewald, die 1983 in den Ruhestand ging. Eine lange Zeit, „in der sich die Welt sehr verändert hat“, findet sie. Die Deutsche Post, die die Rentner damals verließen gibt es so nicht mehr. Das Unternehmen wurde privatisiert und umstrukturiert. „Früher waren wir Post-Renter Teil des Unternehmens, jetzt sind wir übergegangen in eine Stiftung“, erklärt die Sprecherin. Doch gefühlt hängen die meisten noch an der vergangenen Zeit. „Wir gehören noch zur alten Post, wir sind die Postsenioren“, so Ewald.

Der Sinn für Tradition und Stil wird auch beim Treffen der Rentner im Gasthaus zur Stadt Frankfurt deutlich. Mit einer Glocke eröffnet die Sprecherin die Runde offiziell und stimmt die Anwesenden mit einem Gedicht ein. Zeilen über die Natur, die ganz zu den ersten spontanen Gesprächsthemen bei Kaffee und Kuchen passen. Wetter, Garten und natürlich auch größere oder kleinere Wehwehchen. „Mir schwätze hält ewäng“, lacht die 87-jährige Ewald. Früher oder später kommt aber auch immer wieder das damalige Arbeitsleben bei der Post hoch. „Ich denke gerne zurück“, erklärt zum Beispiel Hans Grenwelge, „aber manchmal war es schon abenteuerlich“. Mit Schlitten habe man die Brief-Pakete 1950 durch die Bergstadt ziehen müssen, „ein Auto besaßen wir nicht“, erinnert er sich. In den Gebäuden sei es teilweise so kalt gewesen, dass die Briefmarken mit Handschuhen abtrennt werden mussten. Nach dem Krieg seien die Zeiten eben rau gewesen.

„Die Umstände waren manchmal übel, aber die Kameradschaft war gut“, erzählt Walter Sauter, der 46 Jahre bei der Post beschäftigt war. Dabei war die Post als Arbeitgeber nicht sehr beliebt. „Zu Zeiten des Wirtschaftswunders wollten alle in die Industrie“, erinnert er sich, dort habe es mehr Geld und Freizeit gegeben. Dass die Kameradschaft aber bis heute anhält, dafür ist das monatliche Treffen ein deutliches Zeichen.

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