Mein

St. Georgen Ortschaftsräte kritisieren Kreistagsentscheidung

Die Entscheidung des Rottweiler Kreistags, die Gesundheitszentren im Landkreis an den Berliner Helios-Konzern zu verkaufen, stößt bei den Fraktionsvorsitzenden des Tennenbronner Ortschaftsrates auf scharfe Kritik. Helios möchte das Schramberger Krankenhaus schließen; 350 Arbeitsplätze sind bedroht.

Dem Schramberger Krankenhaus droht zum Jahresende das Aus, nachdem der Rottweiler Kreistag den Zuschlag für die Gesundheitszentren dem Helios-Konzern erteilt hat.
Dem Schramberger Krankenhaus droht zum Jahresende das Aus, nachdem der Rottweiler Kreistag den Zuschlag für die Gesundheitszentren dem Helios-Konzern erteilt hat.

Tennenbronn/Schramberg – Am Montagabend fiel die Entscheidung: Der Rottweiler Kreistag hat nach einer mehr als sechsstündigen Sitzung dafür gestimmt, das Klinikum Rottweil an den Berliner Helios-Konzern zu verkaufen, der das Schramberger Haus schließen will. Insgesamt 350 Arbeitsplätze sind an den beiden Standorten bedroht. Auch in Tennenbronn wurde die Debatte gespannt verfolgt – und die Enttäuschung bei den Kommunalpolitikern angesichts der Kreistagsentscheidung ist groß.

Hoffen bis zuletzt

„Eine herbe Enttäuschung“, nennt der stellvertretende Tennenbronner Ortsvorsteher und Fraktionsvorsitzende der Freien Liste, Volker Maier-Juranek die Entscheidung. „Die größte Enttäuschung ist, dass 350 Leute entlassen werden sollen.“ Er habe eigentlich bis zuletzt gehofft, dass die Entscheidung anders ausfallen würde. „Aber wir wurden leider eines Besseren belehrt.“ Maier-Juranek hat die Debatte in der Rottweiler Stadthalle mit verfolgt. Er sei erschreckt gewesen, wie tief die Gräben zwischen Schramberg und Rottweil seien. „Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Ich habe das Gefühl, diese beiden Lager gehen deutlich auseinander.“ Er vermutet, dass viele Tennenbronner künftig bei Krankenhausaufenthalten eher in Richtung Villingen-Schwenningen abwandern, als dass sie nach Rottweil fahren werden. Wie wichtig ein nahegelegenes Krankenhaus ist, hat Maier-Juranek erst vor wenigen Tagen selbst erfahren: Bei einem Einsatz in Schramberg wurde der Polizeibeamte von zwei Randalierern verletzt. Er beobachtet die aktuelle Entwicklung skeptisch. „Überall bröckelt es weg und die Lebensqualität wird eingeschränkt.“

„Schlecht für die Region, schlecht für die medizinische Versorgung der Raumschaft Schramberg“, kommentiert Susanne Eiermann, Fraktionsvorsitzende der BDU im Tennenbronner Ortschaftsrat. Letztlich hätten sich die Rottweiler Kreisräte größtenteils zum Vorteil ihrer Stadt entschieden. Der geplante Abbau von rund 350 Arbeitsplätze hätte unbedingt vermieden werden müssen. Ein Arbeitsplatzabbau in dieser Größe ist für Schramberg sehr bitter und für die Betroffenen sehr schmerzhaft. Im Übrigen stelle die Schließung des Schramberger Krankenhauses einen wesentlichen Standortnachteil für die Raumschaft dar. „Das ‚flache' Land wird immer unattraktiver für qualifizierte Arbeitnehmer, die vermehrt in die infrastrukturell besser versorgten Städte ziehen werden“, sagt sie. „Auch unter dem Gesichtspunkt der demographischen Entwicklung ist das für die Raumschaft sehr negativ. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob dieser Beschluss der richtige war. “ Für Robert Hermann, den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Ortschaftsrat, ist das Kreistags-Votum gegen Ameos „völlig unverständlich“. „Ameos hat eine absolut tragbare Lösung vorgeschlagen und hätte 350 Arbeitsplätze erhalten.“ Ameos habe durch die vorgelegten Referenzen einen durchaus seriösen Eindruck hinterlassen und hätte einen verlässlichen Partner dargestellt. Die Region Schramberg werde durch die angekündigte Schließung des Krankenhauses massiv geschwächt, zumal auch bereits mehrere Schramberger Ämter – darunter auch das Vermessungsamt – nach Rottweil verlegt wurden. „Der Landkreis Rottweil sollte durch die Entscheidungen des Kreistags gleichmäßig gestärkt werden“, sagt Robert Hermann. Diese Handlungsmaxime spreche er einigen Kreistagsmitgliedern jedoch ab. Eine Chance vertan hat die Kreistagsmehrheit nach Worten von Schrambergs Oberbürgermeister Herbert Zinell. „Natürlich habe ich als Demokrat diese Entscheidung zu akzeptieren. Billigen muss ich sie noch lange nicht“, heißt es in einer Stellungnahme, die der OB am Dienstag verschickte. Der Kreistag, so Zinell, hätte ein strukturpolitisches Zeichen setzen und den auch für den Landkreis wirtschaftspolitisch wichtigen Mittelbereich Schramberg mit seinen spezifischen Problemen stärken können. Einmal mehr zeige sich, dass Schramberg auf sich allein gestellt sei, während „Kreisstädten Dienstleistungsarbeitsplätze auf dem silbernen Tablett serviert“ würden.

Kreis und Region, Seite 33

Die Stellungnahme des Oberbürgermeisters im Internet:

www.suedkurier.de/schramberg

Sichern Sie sich jetzt SÜDKURIER Digital und erhalten Sie dazu das iPad Air 2. Sie erhalten damit die Digitale Zeitung und Zugang zu allen Inhalten bei SÜDKURIER Online. Nur bis zum 30.4.2017.
Frühling bei SÜDKURIER Inspirationen!
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
St.Georgen
St. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
St. Georgen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren
    Jetzt Newsletter anfordern:
    © SÜDKURIER GmbH 2017