Legionellen sind im Wasser lebende Stäbchen-Bakterien. Es gibt über 100 Arten und Gruppen. Für Erkrankungen wie die Legionellose oder Legionärskrankheit ist eine häufig vertretene Unterart verantwortlich.
Was bewirken Legionellen?
Die Gefahr entsteht, wenn Menschen mit angegriffenem Immunsystem bakterienhaltiges Wasser in einer Mischung von gasförmigen und festen Teilen (Aerosol) einatmen, wie etwa beim Duschen. Ein Legionellenbefall kann die Atemwege angreifen und zu einer tödlichen Lungenentzündung führen. . Schätzungen gehen im Bund von mehreren tausend Todesfällen aus. Im Kreis traten 2011 zwei Erkrankungsfälle auf, in ganz Baden-Württemberg 31. Im ersten Halbjahr 2012 wurden im Kreis fünf Legionellenerkrankungen ermittelt.
Wie kann man sich schützen?
Neben der Einhaltung der oben skizzierten Vorschriften empfiehlt es sich, die Warmwassertemperatur bei etwa 55Grad zu halten. Legionellen vermehren sich nämlich am besten in den lauen Bereichen zwischen 30 und 40 Grad Celsius. Auch im Temperaturbereich um 20 Grad können sich Legionellen nicht halten.
Welche Personengruppen sind besonders gefährdet?
Besonders immungeschwächte und ältere Menschen, Raucher, chronisch Kranke und durch akute Behandlungen geschwächte Personen sind einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt.
Weshalb soll man auf Duschen verzichten, aber Baden ist erlaubt?
Beim Duschen entsteht ein feiner Sprühnebel. Gelangt dieser durch Einatmen in die Lunge, kann eine Infektion stattfinden. Eine Legionelleninfektion kann sich dann als weniger schweres Pontiac-Fieber äußern. Mit grippeähnlichen Symptomen wie Abgeschlagenheit und Husten, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Die Symptome klingen nach einigen Tagen von selbst wieder ab. Bei der als Legionärskrankheit bezeichneten Legionella-Pneumonie reicht der Schweregrad von leichtem Fieber bis zum Multiorganversagen mit schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden, die unbehandelt zum Tod führen können.
In einem Wohnblock auf der Seebauernhöhe wurde eine erhöhte Konzentration von Legionellen im Warmwasserversorgungssystem festgestellt (wir berichteten). Laut Auskunft des Gesundheitsamtes ist dies kein Einzelfall. „Aufgrund der neuen Trinkwasserverordnung, die seit November vergangenen Jahres gilt, wurden vermehrt Legionellen in Versorgungssystemen festgestellt. Und die Tendenz wird weiter ansteigen“, ist Mandy Drayling, Hygienekontrolleurin beim Gesundheitsamt überzeugt.
Die novellierte Trinkwasserverordnung sieht eine jährliche Überprüfung des Trinkwassers unter anderem auf Legionellen vor. Dieser Vorgabe müssen Hauseigentümer oder Verwaltungen selbständig nachkommen und ein Labor beauftragen. Bei positivem Befund muss dann das Gesundheitsamt informiert werden.
„Wir stellen hier schon einen erhöhten Aufwand in Bezug auf Information fest“, sagt Mandy Drayling. Wird in einem Trinkwassersystem eine erhöhte Legionellenkonzentration von mehr als 110 Koloniebildenden Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter Wasser festgestellt, gibt das Gesundheitsamt Empfehlungen aus. Eine lautet, nicht zu duschen, bis die Leitungen desinfiziert oder mit heißem Wasser durchgespült wurden. Ab einer Wassertemperatur von über 70 Grad sterben die Legionellen ab.
„Durch die beim Duschen entstehenden Aerosole, also feinste Wassertröpfchen in der Luft, können die Legionellen eingeatmet werden und in der Lunge dann die Infektion auslösen.“ Dadurch komme es auch immer wieder vor, dass sich insbesondere ältere Menschen und solche mit einem schwachen Immunsystem, etwa durch Vorerkrankungen, infizieren.
„Wir haben im Landkreis immer wieder Fälle von Legionärskrankheit“, sagt die Hygienekontrolleurin. Drayling ist sicher, dass auch die Zahl der Fälle von Legionärskrankheit in Zukunft ansteigen wird. „Allein schon deshalb, weil auch in den Krankenhäusern bei entsprechenden Symptomen verstärkt auf Verdacht auf Legionellen untersucht wird.“
Das Trinken von Leitungswasser hält Mandy Drayling für unbedenklich. „Im Magen-Darm-Trakt können diese Keime nichts bewirken.“