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St. Georgen Integration beginnt an der Ladentheke

27.05.2010


Petra Misselwitz hat das Down-Syndrom und arbeitet seit knapp einem Jahr im „Anderen Laden“ in St. Georgen

An diesem Vormittag ist im „Anderen Laden“ viel los. Gerade noch hat Petra Misselwitz die Second-Hand-Bekleidung wieder ordentlich ins Regal sortiert, da kommt bereits die nächste Kundin. Monika Storz sucht Tassen und Kerzenleuchter für eine größere Familienfeier. So viele, wie sie benötigt, hat sie gar nicht zu Hause vorrätig. Dafür wird sie in der Flohmarktabteilung des Ladens fündig. „Ich finde eigentlich fast immer etwas“, lacht sie.

Petra Misselwitz sorgt derweil dafür, dass die Einkäufe sicher verpackt werden. Sorgfältig packt sie Tassen und Kerzenleuchter in Zeitungspapier ein und rechnet aus, was die Kundin bezahlen muss. „Kassieren, das ist Übungssache“, sagt sie selbstbewusst. Für Petra Misselwitz ist die Arbeit im Laden nicht einfach nur ein Job. Die 40-Jährige hat das Down-Syndrom. Längst nicht alle Menschen, die von dieser Chromosomenstörung betroffen sind, können arbeiten gehen. Viele sind in Werkstätten beschäftigt – für Petra Misselwitz nicht das Richtige.

„Die Werkstattarbeit war für Petra zu monoton“, sagt Bettina Knieß, die gemeinsam mit ihrem Mann Bernhard Anfang 2009 den Verein „Gemeinsam anders leben“ gegründet hat. Die Arbeit mit Menschen ist Petra Misselwitz gewöhnt: Sie arbeitete 14 Jahre lang als Hilfskraft im Kindergarten Schatzinsel. Kleine hauswirtschaftliche Arbeiten gehörten ebenso zu ihren Aufgaben wie das Spielen mit den Kindern.

Ähnlich abwechslungsreich sind ihre Arbeitstage im „Anderen Laden“. „Ich zeichne Waren aus, mache Kaffee, spüle, wische die Tische sauber und lege die Wäsche wieder zusammen, wenn die Leute sie durcheinander gebracht haben“, schildert sie ihren Alltag. „Das ist einiges.“ Unterstützt wird die 40-Jährige von jeweils einem ehrenamtlichen Helfer, damit sie nicht alleine im Laden steht. „Ich brauche jemanden, der mich ein bisschen betreut“, sagt sie.

Manchmal braucht es etwas Hilfe beim Kassieren, gerade wenn krumme Beträge ins Spiel kommen, doch ihren Kollegen ist es wichtig, die junge Frau so viel wie möglich selbstständig arbeiten zu lassen. Die Kunden kennen Petra Misselwitz längst und warten geduldig, auch wenn das Kassieren und Einpacken mal einen Moment länger dauert. Noch nie habe sie erlebt, dass ein Kunde ungeduldig wurde, sagt Bettina Knieß. „Neulich kam ein Mann, der uns Waren spenden wollte und hat direkt Petra gefragt, ob wir die Sachen nehmen“, erinnert sie sich. „Das fand ich ganz toll, er hat sie ganz normal behandelt, so wie es ja auch sein soll.“ Auch Petra Misselwitz schätzt die Offenheit der Kunden. „Ich muss mich auch wohlfühlen“, sagt sie.

Auch Monika Storz ist gerne im „Anderen Laden“. „Man fühlt sich wohl und willkommen geheißen“, sagt sie. Auch das Warenangebot, der klassische Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft, gefällt ihr. Deshalb deckt sie sich auch mit den Tassen für die Geburtstagsfeier ein. „Und wenn ich sie nicht mehr brauche, bringe ich sie einfach als Spende zurück“, lacht sie.

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