St. Georgen Grässlin entlässt Dutzende Mitarbeiter

Aus Kostengründen Verlagerung nach Mexiko: Drei von vier Stellen in der Produktion werden aufgelöst. Technik und Entwicklung werden gestärkt.

Schwarzer Tag für die Industriestadt: Grässlin entlässt Dutzende Mitarbeiter. Die Firma spricht von einer Neuausrichtung. Aufgelöst werden drei von vier Stellen in der Produktion und in produktionsnahen Bereichen. Am Freitagvormittag fanden zeitgleich an den Standorten St. Georgen und Peterzell Mitarbeiterversammlungen statt. Sie waren den 145 Beschäftigten der Grässlin GmbH in St. Georgen am Donnerstagnachmittag als Kommunikation zur Neuausrichtung angekündigt worden. Viele Mitarbeiter hätten die Nachricht zwar geahnt, so ein Mitglied der Belegschaft im Nachhinein. Dennoch seien Schock und Entsetzen in der Runde groß gewesen.

Die exakte Zahl betroffener Mitarbeiter konnte der Leiter von Marketing und Vertrieb, Julian de Cuesta, auf Anfrage nicht beziffern. Dies sei noch in Bearbeitung. Ein Mitglied der Belegschaft, das nicht genannt werden möchte, sprach von bis zu 100 Arbeitsplätzen in den genannten Bereichen. Betroffen sind Mitarbeiter der Abteilungen Fertigung, Spritzerei, Qualität, Werkzeugbau und Industrial Engieneering. Die Kündigungen treten Ende Juni 2018 in Kraft. Gegenwärtig plane Grässlin keine weiteren Auslagerungen.

In den vergangenen Jahren hat Grässlin Umsatzrückgänge in allen Sparten zu verzeichnen. Am deutschen Standort fehle die Wettbewerbsfähigkeit, so die Firma. Löhne und Gehälter konnten hier nur dank Unterstützung von Intermatic gezahlt werden, sagt die Firma. Die Neuausrichtung besteht aus zwei Komponeten. Die Produktion wird aus Kostengründen im konzerneigenen Werk in Juarez/Mexiko zentralisiert. Um die Traditionsfirma zu erhalten, soll Grässlin die Kernkompetenzen konzentrieren. „Hierzu zählen Technologie- und Entwicklungsaktivitäten“, heißt es in einer vierseitigen Frage-und-Antwort-Aussendung der Firma am Freitagnachmittag. Wie viele Jobs verloren gehen, wird mit einem Satz beantwortet: die oben genannten 75 Prozent der Zahl x. Beschäftigungzuwächse sieht de la Cuesta in den Bereichen Entwickung mit momentan fünf bis zehn Arbeitsplätzen und Vertrieb (zehn bis 15). Dabei werde Grässlin den Vertrieb wieder in die eigene Hand nehmen. Dass diese Neuausrichtung für viele Mitarbeiter zu spät komme, sei bedauerlich. Laut Paulina Kowalkowska, Europa-Direktorin bei Grässlin, sollen auch neue Stellen in Packerei, Lager und Versand entstehen.

Betroffen äußerte sich Bürgermeister Michael Rieger. Die Entwicklung sei mehr als bedauerlich, seine Gedanken seien bei den Mitarbeitern. Es sei sehr traurig, welche Entwicklung der frühere Marktführer genommen habe. Der Einfluss der Kommune ende am Fabriktor. Gleichwohl werde man innerhalb der Stadtverwaltung in der nächsten Woche Überlegungen anstellen, wie man den Grässlin-Mitarbeitern helfen kann. Vorstellbar wäre eine lokale Jobbörse als Internetplattform. In diese Richtung geht auch die angekündigte Hilfe der Grässlin-Geschäftsleitung. Man wolle die Mitarbeiter aktiv unterstützen bei der beruflichen Neuorientierung. Auf Nachfrage beschränkt es sich aber darauf, bezüglich der Übernahme von Mitarbeitern auf Firmen in der Region zuzugehen. Die Mitarbeiter sollen zudem in den nächsten Wochen umfangreiche Beratungen und individuelle Informationen erhalten.

Grässlin

Dieter Grässlin gründete die St. Georgener Traditionsfirma 1956. In starken Zeiten beschäftigte die Firma mehr als 500 Mitarbeiter. Nach dem Tod des Gründers erfolgte 2000 der Verkauf an General Electric, 2007 ging die Firma an den nächsten amerikanischen Konzern: Intermatic mit Sitz in Illinois gilt als weltweit führender Hersteller von Zeitschaltuhren. Grässlin produziert Haustechnikanlagen von Zeitschaltuhren über Bewegungsmelder und Temperaturreglern bis zum Energiezähler. Der Exportanteil beträgt rund 80 Prozent. In den vergangenen Jahren verzeichnete Grässlin in allen Teilbereichen deutliche Umsatzrückgänge. Einher gingen Entlassungen wie etwa 2009, als 45 Stellen gestrichen wurden. Die aktuelle Beschäftigtenzahl beträgt 145 Mitarbeiter. Die Firma hat keinen Betriebsrat, eine gewerkschaftliche Arbeit, wie etwa durch die IG Metall, ist dort nicht möglich. (wur)

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