St. Georgen FV/DJK-Chef Udo Jung über Kunstrasen-Debatte: "Hätten mehr Offenheit erwartet"

Udo Jung, der Vorsitzende des FV/DJK St. Georgen, macht im SÜDKURIER-Interview klar, warum sein Verein einen Kunstrasenplatz benötigt – und wieso er von der Verwaltung enttäuscht ist.

Herr Jung, die Mitgliederversammlung ihres Vereins geriet zuletzt unerwartet emotional. Am Ende drohten sie mit Amtsverzicht bei der nächsten Wahl. Grund waren die Aussagen von Bürgermeister-Stellvertreter Joachim Kleiner, der dem Verein die Hoffnung auf den baldigen Bau eines Kunstrasen-Platzes zerschlug. Warum kam es zu dieser Aufregung?

Udo Jung: Die Aussagen von Herrn Kleiner haben uns total überrascht. Wir waren davor in guten Gesprächen mit der Stadt, haben unsere Sponsoring-Aktion starten wollen. Und dann das. Wir hätten uns mehr Offenheit der Stadt erwartet. So waren alle extrem enttäuscht. Einige meiner Amtskollegen wären kaum zur Wahl angetreten, wenn sie das schon vorher gewusst hätten. Die Stimmung war total im Keller.

Die Stadt verweist auf Sparzwänge wegen anderen, viele Millionen Euro teure Großprojekte, die anstehen, etwa die Umgestaltung der Innenstadt.

Das verstehe ich auch absolut. Aber deswegen darf alles andere nicht brachliegen. Am Ende muss das Geld ja den Bürgern zu Gute kommen. Das ist beim Marktplatz ja so, aber halt gerade auch bei unserem Platz. Wir haben hier 160 Jugendliche in unseren Mannschaften, bieten denen was – und so viel anderes gibt es sonst in St. Georgen ja nicht. Auch das Schulzentrum könnte einen neuen Platz benutzen. Und günstiger wird der Platz ja sicher nicht, wenn man noch wartet.

Wenn man sich hier auf dem Vereinsgelände des FV/DJK St. Georgen umschaut, sieht man drei Plätze. Zahlenmäßig ist das recht viel – warum benötigen sie überhaupt so dringend einen Kunstrasenplatz?

Fangen wir beim Rasenplatz im Stadion an: Der wurde vor Jahrzehnten mal als Sportplatz angelegt, nicht als Fußballfeld. Das heißt, es gibt keine richtige Drainage, der Platz hat überall andere Festigkeiten, man kann die Grasbüschel teils einfach so rausreißen. Das hat vor Jahren auch ein Gutachten bestätigt. Der Platz ist dadurch nur bedingt bespielbar. Und wir befinden uns hier auf fast 1000 Metern Höhe: Von Ende Oktober bis Anfang Mai kann man auf dem Feld nicht spielen.

Für einen Großteil der Saison bleiben also nur die Hartplätze.

Genau. Und da ist der untere nicht mehr spielfähig, da kann man mal drauf trainieren, mehr nicht. Der obere ist 30 Jahre alt. Da wurde die Oberfläche neu gemacht, das ist gut, aber ein Gutachten hat jetzt wohl ergeben, dass die Drainage auch nicht mehr so in Ordnung ist. Außerdem ist der Platz im April bei guten Wetter gleich richtig hart. Ihn mit der Sprinkleranlage bewässern können wir aber nicht, dann haben wir Wasser in der Leitung, das bei Frost nochmal gefriert. Und dann platzen die Leitungen.

Seit wann bemühen sie sich deswegen bei der Stadt um einen Kunstrasen?

Wir sind seit etwa vier Jahren in einem guten Austausch. Für 2016 stand eigentlich die Sanierung unserer Flutlichtanlage an, das hätte rund 45 000 Euro gekostet. Das hat sich dann aber verschoben und wir haben gefragt, ob die Stadt diese Hilfe nicht auch gut verdoppeln könnte, damit wir davon einen Kunstrasen bauen würden.

Es geht also nur um einen städtischen Zuschuss von gut 100 000 Euro?

Ja. Der Badische Sportbund gibt 84 000 Euro dazu. Wir würden durch eine Bausteinaktion etwa 105 000 Euro einnehmen und verfügen über 20 000 Euro Bargeld. Dazu kommt die Eigenleistung die der Verein zusätzlich aufbringt. Auch wäre der FV/DJK bereit einen Kredit aufzunehmen.

Wann haben sie die Pläne der Stadt vorgestellt?

Im Januar im Gemeinderat mit einer Präsentation. Da war die Resonanz eigentlich gut – nur hatten wir schon da das Gefühl, man traut uns nicht zu, 100 000 Euro zu sammlen.

Wie würden Sie die Summe denn auftreiben?

Durch eine Bausteinaktion, dass man sozusagen Parzellen des Platzes sponsern kann. So machen das viele Vereine. Da kann man dann für weniger Geld kleine Flächen des Felds bezahlen und für mehr größere. Wir hatten schon einige Gespräche mit Privatpersonen vor der Vereinsversammlung. Die Flyer für Private und die für Firmen sind fertig, sozusagen druckreif. Umso enttäuschender war dann das Bremsen der Stadt.

Könnte Sie den Platz auch ohne die Hilfe der Stadt finanzieren?

Nein, das kriegen wir nicht hin.

Ein Argument, das Kritiker ihrer Aktion nennen: Wozu benötigt ein Verein, der vergangene Saison in der untersten Fußball-Liga wenig erfolgreich war, einen teuren Kunstrasen-Platz?

Das mit dem fehlenden sportlichen Erfolg sehe ich natürlich ein. Aber: Wir knabbern immer noch an den vermeintlich sportlich erfolgreichen Zeiten, bezahlen diese Zeit immer noch mit den Schulden, die der Verein hat. Wir versuchen jetzt, mit eigenen Talenten, mit jungen Spielern aus der Stadt, wieder etwas aufzubauen. Aber es verabschieden sich dann jedes Jahr halt auch zwei, drei, vier der besten – etwa zum Verein aus dem Ortsteil, weil der halt einen Kunstrasen und bessere Bedingungen hat.

Sie sprechen den FC Viktoria Peterzell und dessen Platz an. Fühlen Sie sich gegenüber dem Nachbar benachteiligt?

Nein, dass wir keinen Kunstrasen haben, liegt daran, dass unser Verein diese Entwicklung in der Vergangenheit verschlafen hat. Hätte man da früher Wert darauf gelegt, würden wir heute schon auf Kunstrasen spielen, da bin ich mir sicher.

Wie verbreitet sind Kunstrasen in der Region insgesamt?

Es gibt eigentlich kaum noch Vereine ohne, das sind einzelne Ausnahmen. Etwa weiter draußen auf der Baar, aber da gibt es die Schneeproblematik auch nicht so. Nußbach und Obereschach sind de nächsten Vereine in der Umgebung die einen Kunstrasen bekommen.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir streben ein Gespräch mit Bürgermeister Michael Rieger an. Da klären wir alles ab. Einfach so unsere Sponsoring-Aktion starten werden wir nicht, da wollen wir die Stadt nicht vor den Kopf stoßen. Und Leute überzeugen zu spenden ist auch eher schwer, wenn sie nicht mal wissen, ob die Stadt mitzieht.

Fragen: Dominik Dose

Zur Person

Udo Jung, 58, ist seit drei Jahren Vereinsvorsitzender des FV/DJK St. Georgen. Bereits seit fünf Jahren ist der Pensionär Jugendleiter des Vereins, als Nachwuchs-Trainer ist er dort seit sieben Jahren tätig. Zuvor war der B-Lizenz-Inhaber Jugendtrainer beim FC Pfaffenweiler sowie Aktiventrainer beim FC Schönwald, SV Niedereschach, der SG Kirchen-Hausen und dem SV Mariazell. Als Aktiver spielte er nach seiner Jugendzeit beim FC 08 Villingen bei der DJK Villingen und dem FC Pfaffenweiler. Nach eigenen Angaben investiert er jeden Tag "vier, fünf Stunden" in seine Ehrenämter beim FV/DJK. (dod)

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