St. Georgen -
Seit Mai wird die St. Georgener Bahnhofstraße saniert und grundlegend neu gestaltet, nachdem lange Zeit Schlaglöcher und notdürftig geflickte Abschnitte das Bild prägten. Bald sind die Zeiten vorbei, in denen die Straße den Beinamen „Buckelpiste“ trug. Doch wie hat sich die Straße eigentlich in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt?
Ein schwer beladenes Fuhrwerk macht sich auf der Bahnhofstraße mit sechs PS auf den Weg in die Stadt. Bis in die 70er Jahre hinein war der Verkehr auf der Bahnhofstraße noch relativ gering: Sie konnte im Winter noch mit Skiern und Rodel befahren werden.
Bild: Archiv Gramlich
Die heutige Bahnhofstraße hat ihren Namen erst nach der Fertigstellung des Bahnhofes der Schwarzwaldbahn im Jahre 1873 erhalten. Vorher hieß die wichtigste Erschließungsstraße St. Georgens „Peterzeller Straße“ oder einfach „d'Säggass“. Der Name „Säggass“ kam von der unten am Berg seit Jahrhunderten bestandenen Klostersäge auf dem Platz der späteren Firma Perpetuum-Ebner.
Von dem 1873 erbauten St. Georgener Bahnhofsgebäude am Fuße des Seilerberges an der südlichen Talseite der Brigach musste zuerst ein Damm mit Brücke erbaut werden, um direkt vom Bahnhofsgebäude zur anderen Talseite, dem Kreuzungsbereich der heutigen Bundesstraße zu gelangen. Damit war der Name Bahnhofsstraße „geboren“. Bis etwa 1850 war diese Straße bis zum „Schwarzen Tor“ unbebaut. Dort befand sich zu Zeiten des Klosters eine Schanze zu Verteidigungszwecken, um das Kloster und das Dorf St. Georgen zu schützen.
Die Gerwigstraße wurde erst kurz vor 1900 angelegt. Der Verkehr war bis vor 70 Jahren nur sehr gering, sodass man im Winter mit Skiern oder dem Rodel die ganze Bahnhofstraße ohne Gefahr benutzen konnte. Mit der Zunahme des Verkehrs gab es auch immer wieder Unfälle in der Straße, so zum Beispiel, als Mitte Dezember 1951 ein großer Lastzug mit Anhänger gegen die Einfahrt des Posthalterhofes fuhr und dort im Heu stecken blieb. Der damals spektakuläre Unfall bewirkte, dass das Hofgebäude im hinteren Teil an der Bahnhofstraße gekürzt wurde.
Am 13. April 1969 erregte ein schlimmer Unfall ebenfalls großes Aufsehen. Damals rutschte bei starkem Schneefall nachts kurz vor Mitternacht ein vollbesetzter Bus aus Stuttgart die glatte Bahnhofstraße herunter und prallte gegen die Shell-Tankstelle, die ebenso wie der Bus schwer beschädigt wurde. Acht Menschen wurden leicht verletzt, der Sachschaden war hoch.