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St. Georgen Dialekt bleibt halt einzigartig

14.06.2012
St. Georgen -  „Säll hemmer scho!” sagt Doris Meder, als ihr Schwager Willi Meder das Wort „schneigig” in die Runde wirft.

Sie schwädsè Sandèrgèrisch und bringen zu den Stammtischen immer wieder neue Worte mit: Doris Meder, Herbert Maier, Willi Meder, Walter Sauter und Helmut Summ (von links).  Bild: Nack

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„Stimmt“, bestätigt Helmut Summ, nachdem er im ersten Band des Wörterbuchs nachgeschaut hat, das der Verein für Heimatgeschichte 2004 herausgegeben hat. Es heißt „So schwädsè mèr in Sandèrgè“ und wurde vom Dialektstammtisch zusammengetragen, der sich um den Erhalt jener Variante des Alemannischen bemüht, wie sie nur in St. Georgen beheimatet ist.

„Wählerisch“ wird als Übersetzung für „schneigig“ vorgeschlagen, genauer wäre gewesen „wählerisch im Essen“, merkt Doris Meder kritisch an. An diesem Montagabend sind nur eine Handvoll Dialektfreunde ins „Schwarze Tor“ gekommen, etliche Mitglieder sind verreist oder verhindert. Die gute Stube des historischen Bauernhauses bietet ein ideales Ambiente für die Suche nach alten Worten, Ausdrücken, Metaphern. Der Kachelofen, die Holzbänke, die heimelige Holzvertäfelung wecken Erinnerungen und bringen Assoziationen.

Nach bereits zwei Mundart-Wörterbüchern wird es zunehmend schwerer, neue Worte zu finden, deren Bedeutungen ausgiebig diskutiert werden, bevor Willi Meder die neuen Fundstücke aufschreibt und verwahrt. Ein Thema für sich ist die Schreibweise, für die es keine festen Regeln gibt – Hauptsache, sie entspricht der Aussprache.

Die Mundart klingt wärmer als das Hochdeutsche, Vokale haben mehr und auch nasale Nuancen, harte Konsonanten werden durch weiche ersetzt – aus „Knopf“ wird „Gnobf“, aus „Tag“ das breite „Daag“, „sp“ und „st“ wandeln sich bekanntlich meist zu „schb“ und „schd“. Neubürger können zwar versuchen, das „Sandgèrgèrische“ zu lernen wie eine Fremdsprache – in Band 1 finden sich sogar grammatikalische Exkursionen („ich hon, du häsch, èr, sii, es hädd“) – doch ihr Dialekt wird meist fremd klingen.

Früher wurden Kinder in der Schule ausgeschimpft und verlacht, wenn sie mit dem Hochdeutschen nicht auf Anhieb perfekt zurechtkamen, „man hat sich fast geschämt“, bekennt Helmut Summ. Das ist zum Glück anders geworden, Ausdrucksreichtum und Klangästhetik von Mundart werden geschätzt und wieder bewusst kultiviert, nicht nur an der Fasnacht. „Sellwiil“ als Synonym für „in der Zeit“, „sich alegge“ für „Streit herausfordern“, „uus jjedem Furz èn Donderschlag mache“ sind weitere Wortgemälde des Abends, die es verdienen, zu Papier gebracht zu werden. Ihr Sinn erschließt sich mehr und minder auf Anhieb, während andere Mundartworte wie Vokabeln erscheinen, kaum von etwas ableitbar sind und annähernd unübersetzbar. „Wellèwèg“ ist solch eine wundervolle Kreation, ein Adverb mit vielfältigem Einsatzspektrum, das sich Uneingeweihten ebenso wenig erschließt wie das beliebte Adjektiv „kääb“.

So erscheint der St. Georgener Dialekt ein wenig eine Geheimsprache zu sein, die die Menschen verbindet, in der sich auch charmanter fluchen lässt als im Hochdeutschen – zumal die Bedeutung von „Nèschdbfluddè“ oder „Schèèrèdenglèr“ anderswo kaum verstanden werden dürfte. „Wir wollen die Zeit nicht anhalten, Sprache wandelt sich zwangsläufig“, stellt Doris Meder fest. „Aber wir wollen sensibel bleiben für die Schönheit unserer Mundart.“ Walter Sauter hält die Vermischung von Sprachen und Dialekten für unvermeidlich, plädiert gleichwohl für bewussten Umgang damit: „Es ist schade, wenn die Jugend über keine anderen Lobworte verfügt als ‚geil' und ‚cool'“.

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