St. Georgen Cowboy-Jagd bei Schneetreiben
Eigentlich, so möchte man meinen, kann es doch gar nicht so schwer sein, am „Schmotzigen“ das Rathaus zu stürmen. Gilt doch die Obrigkeit zur Fastnachtszeit als nicht gerade widerstandskämpferisch – und das närrische Volk als umso hartnäckiger. Doch leicht hatten es Fohrebobbele, Hohwalddeufel, Nesthexen, Bergstadtfetzer und Närrische Bürgerwehr nicht, als sie am Donnerstag versuchten, den begehrten Rathausschlüssel in ihren Besitz zu bringen. Begehrt vor allem auch deshalb, weil pünktlich zur besten Rathaussturmzeit wildes Schneetreiben herrschte und die meisten es wohl kaum erwarten konnten, sich aufzuwärmen.
Eigentlich könne man niemanden hereinlassen, meinte Bürgermeister-Sekretärin Andrea Lauble eingangs. Alle seien schwer beschäftigt, in erster Linie natürlich ihr Chef, und könnten unmöglich ihren Schreibtischen entrissen werden. Darauf wollte sich Ehrenzunftmeister Ludwig Schuler als Verhandlungsführer nicht einlassen – ebenso wenig wie der Rest des närrischen Volks, das mit lauten Rufen, begleitet durch schräge Töne der Bergstadtfetzer, Einlass forderte.
Bei so viel Hartnäckigkeit musste schließlich auch die städtische Verhandlungsführerin einlenken: Wenn die Narren schon die Macht ergreifen wollen, so mögen sie doch bitte je Zunft einen Vertreter ins Rathaus schicken. Dann werde man prüfen, wer würdig sei, in den nächsten Tagen die Amtsgeschäfte zu führen. Eine Handvoll Fohrebobbele, Nesthexen, Bürgerwehrle, Hohwalddeufel und Bergstadtfetzer waren es schließlich, die sich zum Vorstellungsgespräch bereiterklärten. Was vor der Tür niemand mitbekam: Anstatt dem Bürgermeister ihre Qualitäten als potenzielle Stellvertreter schmackhaft machen zu können, mussten sie das Stadtoberhaupt erst einmal suchen.
Da das Rathaus bekanntermaßen fünf Stockwerke hat, keine leichte Aufgabe, auch wenn Michael Rieger dem Narrenvolk in bester Schnitzeljagd-Manier einige Hinweise auf Zetteln hinterlassen hatte. Nach Probesitzen auf dem Chefsessel und einer kleinen Odyssee treppauf, treppab, konnte der Rathauschef schließlich dingfest gemacht werden.
Bilder vom Kinderumzugin St. Georgen