Schwarzwald-Baar-Kreis: Arbeitsstellen – aber nur für Mütter
Wie eine große Familie: Von rechts Askim Cil, Irmtraud Friedrich mit Susi, Elvira Probst, Patrizia Barone und Sevgi Erdogan. Bild: S. Przewolka
Hier geht es wieder um das wunderbare Gefühl der Liebe. Es durchwebt die Lebensgeschichte von Askim Cil. Vor vier Jahren berichtete „typisch frau“ über diese ungewöhnliche Türkin, die in Hüfingen aufwuchs und als Mutter von vier Kindern vom Arbeitsamt finanziell unterstützt eine Ausbildung zur Friseurin erfolgreich abschloss. Ihr Beispiel sollte anderen Frauen Mut machen, ihre Babypause zu nutzen und die wahren Talente quasi auf Staatskosten in einem Beruf zu verwirklichen. Heute erfüllt der starke Wille, aber auch ihr ausgeprägter Familiensinn von Askim Cil eine Vorbild-Funktion. Sie übernahm in Hüfingen vor rund einem Jahr das alteingesessene Friseurgeschäft von Irmtraud Friedrich und verwirklichte bei ihrem Personal das, was sie selbst gerne in der Arbeitswelt vorgefunden hätte. Bei ihr arbeiten nur Mütter mit Kindern!
Die blütenweiße Malteser-Hündin Susi kommt als Empfangs-Chefin immer wieder in den Laden, um die ehemalige Kundschaft zu begrüßen. Das Hundchen gehört Irmtraud Friedrich, die ihr Geschäft Askim Cil übergab. „Wir sind wie eine große Familie“, lachen die beiden und es ist spürbar, dass nicht nur ein Friseurgeschäft, sondern auch eine Freundschaft die beiden verbindet. Und auch Irmtraud Friedrich erzählt, dass sie immer mal wieder durch ihren ehemaligen Laden schauen muss, die ehemaligen Kunden begrüßen und einen kleinen Plausch halten. Immerhin führte sie das Geschäft zusammen mit ihrem bereits verstorbenen Mann fast 45 Jahre lang. Sie folgte der Stimme ihres Herzens und übergab Askim Cil ihren Friseursalon zu einem Zeitpunkt, als auch ihre Kräfte immer mehr nachließen. „Sie ist wie eine Mama zu mir“, schmunzelt Askim.
Wo andere Geschäftsleute über fehlende Nachfolger klagen, funktionierte es hier völlig reibungslos – weil sich die Menschen gleich welcher Nationalität einfach auf Anhieb sympathisch fanden. Und genauso verhielt sich die Kundschaft. Wie würde die auf eine Türkin reagieren, die ein Traditionsgeschäft übernimmt? Diese bange Frage stellte sich auch Askim. Doch ihre Bedenken waren völlig fehl am Platze. Heute kommen in ihren „Salon Askim“ Kunden im Alter zwischen 1 und 99 Jahren. Der Friseursalon Askim in der Hauptstraße 21 in Hüfingen ist telefonisch unter 0771/6 16 56 zu erreichen. Sogar die beliebten Fasnets-Utensilien der Vorgänger-Familie wird es hier in den nächsten Wochen auch wieder geben.
Es weht ein besonderer Wind hier durch, der sich auch im Umgang mit dem Personal widerspiegelt. „Hier erkennt niemand, wer die Chefin ist“, freut sich Askim „…nur der Kunde ist hier König“. Abends räumen alle zusammen auf und erledigen die Putzarbeiten. Die fröhliche Stimmung unter den Mitarbeitern und der ungewöhnliche Teamgeist wirkt wie eine Oase mit viel Sonneschein. Auch hier verwirklicht Askim Cil ihre eigenen Erlebnisse. Nach ihrer Lehre im Salon „Hair-Life“ in Donaueschingen, über die wir berichteten, suchte sie ab 2008 verzweifelt eine Gesellen-Stelle. Aber als Mutter von vier Kindern bekam sie nur Absagen oder Angebote, die sie nicht annehmen konnte. Nur feste und trotzdem flexible Arbeitszeiten lassen sich bei einer Familie organisieren. Eher notgedrungen startete Askim deshalb zur Meisterschule durch. Eine harte Zeit, auch für ihren Ehemann Cevher. Er fing die Zeiten zum Teil auch mit Urlaubstagen auf, in denen seine Frau als Mutter zu Hause ausfiel. Die beiden „meisterten“ dies mit Bravour. Die Kinder lernten mit ihrer Mutter zusammen nachmittags nach der Schule oder Askim lernte nachts, wenn alle schliefen.
Nur wer seinen Beruf wirklich liebt, bringt so einen Eifer mit. Wiederum unterstützte das Arbeitsamt die Ausbildung zur Friseurmeisterin, die sie 2010 erfolgreich abschloss – und wieder praktisch auf der Straße stand. Wie durch einen Zufall führte sie der Weg ins Friseurgeschäft Friedrich, in dem gerade der Personalnotstand durch Krankschreibungen ausgebrochen war. Und sofort startete Askim durch, erst stundenweise. Und dann arbeitete sie dort fast in Vollzeit. Weil sie sich mit Irmtraud Friedrich so gut verstand, keimte denn auch nach und nach der Gedanke einer Geschäfts-Übergabe. Gesagt, getan.
Heute achtet Friseursalon-Eigentümerin Askim Cil darauf, dass nur Mütter mit Kindern bei ihr arbeiten! Elvira Probst mit drei Kindern hatte eigentlich schon aufgegeben, in ihrem Alter noch eine Stelle als Friseurin zu bekommen. Askim gab ihr eine Chance, weil sie vor rund 20 Jahren in ihrem Geschäft auch schon Ferienjobs machen durfte. Sevgi Erdogan hat zwei Kinder und Patrizia Barone eins. Natürlich ist die Kinderspiel-Ecke dementsprechend vielseitig.
Der menschliche Umgang ist Askim Cil wichtig, weil sie selbst zwar begeisterte Mutter von ihren vier Kindern Sümeyra, Aleyna, Sara und Ömer im Alter von sieben bis 15 Jahren ist – aber eben auch diese andere Liebe zum Beruf der Friseurin in sich spürte. Klar fiel es ihr anfangs schwer, die Kinder tagsüber in eine Betreuung zu geben. Aber hier spricht sie dem Luise-Scheppler-Kindergarten und der Luzian-Reich-Schule in Hüfingen durch die flexiblen Öffnungszeiten größtes Lob aus. Ohne diese Alternative hätte sie ihre Berufslaufbahn nie machen können. So ein Familienmensch tut auch in einer Geschäftswelt gut. „Ich bin keine Chefin, sondern ein Mensch“, beschreibt sich Askim selbst.
