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Schwarzwald-Baar-Kreis Viele Perspektiven auf die Zeit

14.08.2012
Schwarzwald-Baar-Kreis -  Die Ausstellung „Sichtbar im Fenster die Zeit“ im Stadtmuseum Hüfingen zeigt eine große Vielfalt künstlerischer Positionen

Diese raumgreifende Arbeit ist der Beitrag von Elisabeth Bereznicki zur aktuellen Ausstellung im Stadtmuseum Hüfingen.  Bild: Simon

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Das Stadtmuseum Hüfingen pflegt eine Verbindung zu der floralen Thematik der Fronleichnamsbräuche, bei denen traditionell Teppiche aus Blüten auf den Straßen arrangiert werden. Seit Jahren nun nimmt das Museum diese Gepflogenheit zum Anlass, in ihrer Sommerausstellung Künstler zu präsentieren, die in ihrem Werk dieses Ereignis aufgreifen.

Waren es am Anfang tatsächlich Malereien aus dem Museumsfundus, die ab Fronleichnam gezeigt wurden, so hat sich die Thematik in den vergangenen Jahren einen breiteren Raum geschaffen. Präsentiert werden Werke, die etwas mit Pflanzen oder der Natur im allgemeinen zu tun haben.

In diesem Jahr wurde mit der jurierten Gruppenausstellung ein ganz neues Kapitel zu dem Thema aufgeschlagen und das „Fenster“ weit geöffnet, um „die Zeit sichtbar“ werden zu lassen. Der Ausstellungstitel „Sichtbar im Fenster die Zeit“, der das Gedicht „Federn“ von Rose Ausländer zitiert, war das weit gefasste Motto.

Das Resultat, nach einigen korrigierenden Maßnahmen der Jury, deckt dementsprechend ein breites Spektrum von Gegenwartskunst ab. Eigentlich scheint es unbegreiflich, wie man als Künstler bei dieser präsentierten Vielfalt das Thema so derart verfehlen konnte, dass man nicht in die Ausstellung einjuriert wurde. Oder lag es an der fehlenden Qualität? Der Besucher kann es letztlich nicht mehr beurteilen, aber ihm bleibt die Auseinandersetzung mit den 28 Arbeiten, die mehr oder weniger etwas mit dem Faktor Zeit zu tun haben.

Beim flüchtigen, ersten Rundgang könnte man denken, dass auch bei den gezeigten 22 Künstlern rund die Hälfte das sehr offene Thema verfehlt hätten. Stellt man diese Kunstwerke auf den kritischen Prüfstand – was man bei Kunst ohnehin immer machen sollte – dann entpuppen sich diese scheinbar so beliebigen Werke als wahre Favoriten.

Da gibt es etwa im Innenhof eine dreiteilige Arbeit von Simone Fezer. Die vergänglichen Objekte aus Blüten, Staub, Erde, Glas und Stahl werden von den Wettereinflüssen allmählich verändert. Dass sich der Dauchinger Künstler Axel Heil gewissenhaft mit dem Thema beschäftigt hat, kann man voraussetzen. Für Hüfingen hat er eine Installation aus gewachsten Papierbahnen entworfen. Sie spürt der Gewalt und Ästhetik von Atomen nach.

Chris Popovic aus Staufen ist mit einer sehr sinnlichen Arbeit vertreten. In ihrer Serie von Fotos vermeintlich banaler Auto-Heckscheiben lässt sie die Zeit in poetischer Weise spürbar werden. Auch die Lyrik selbst wird zum künstlerischen Augangsstoff, wie bei Waltraut Brügels „Schattenschluchten“. Entschlüsselbare Wortfetzen begegnen uns auf den transparenten Papierflächen, tauchen auf, werden lesbar und entschwinden wieder.

Die gebürtige Hüfinger Künstlerin Eva Rosenstiel bezieht mit ihrer Wandinstallation „Portugiesischer Garten“. Sie präsentiert ein Sammelsurium an organischen, botanischen, aber auch zoologisch anmutenden Gebilden, als variables zeitlich abhängiges System. Der Blick auf den aktuellen Zustand weist auch immer auf Vergangenes und auf zukünftige Entwicklungen hin.

Dass diese durchaus sehr ernüchternd wie gleichsam bewegend ausfallen können führt uns Almut Quaas mit ihrer starken Video-Arbeit „Penelope“ vor Augen. Vor dem Hintergrund einer knisternden Plastikfolie setzt die Künstlerin ihre demente Mutter als Protagonistin ins Bild. Mit dem Verweis auf die griechische Mythologie, in der Penelope in der Nacht das bis dahin gewebte Totentuch immer wieder auftrennte, um von vorne zu beginnen, gibt es in dem Video keinen Höhenpunkt. Die Arbeit ist auch Metapher für die unermüdliche Hoffnung des Menschen.

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