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Schwarzwald-Baar-Kreis Und plötzlich patscht er ihr an den Po…

Mittlerweile hat es die in Deutschland ausgelöste Sexismus-Debatte bis an das andere Ende der Welt, nach Australien, geschafft. Es ist ein Thema, das überall die Menschen bewegt und heiß diskutiert wird.Zieht man die Blende enger, bemerkt man plötzlich: Das Problem des Sexismus besteht auch hier.

In Villingen, in St. Georgen, in Bräunlingen, in Brigachtal – überall. Gerade in der Zeit, in der die Debatte schwelt, vertraut sich der SÜDKURIER-Redaktion eine Mitarbeiterin an. Sie hat vor wenigen Tagen – bereits als die „Brüderle-Debatte“ in höchstem Gang war – ein erschreckendes und zugleich beispielhaftes Erlebnis gehabt. Aus Sorge vor negativen Reaktionen hat sich die Redaktion entschlossen, die Identität der Mitarbeiterin zu schützen und das Erlebnis anonym zu behandeln. So wurden auch Ort und Anlass entfremdet, die Tatsache selbst bleibt jedoch unverändert.

Sie, Ende 30, ist eine langjährige, freiberufliche Mitarbeiterin. „Ab und zu bekommt man schon mal einen derben Spruch zu hören. Darüber kann ich lachen, das ist völlig in Ordnung. Meistens.“ Sie lächelt. „Aber was mir passiert ist, war wirklich eine Spur zu heftig.“ Zunächst redet sie ruhig und gelassen, die Hände im Schoß gefaltet. Aber es ist immer deutlicher zu spüren, wie sehr sie von dem Geschehen aufgewühlt ist. „Es war eigentlich ein ganz normaler Termin“, berichtet sie. „Ich war am Nachmittag dort. Ein wenig stand ich unter Zeitdruck, weil die Redaktion dringend einen Aufmachertext von mir brauchte. Das ursprünglich geplante Thema war am Vormittag geplatzt.“

Bevor sie Block und Stift zückte, stand man gesellig in einer Runde beieinander, vier, fünf Männer und Frauen. „Wir haben miteinander gelacht und uns über das Projekt unterhalten.“

Plötzlich passiert es: Ein Mann aus der Runde gibt ihr einen Klaps auf den Po. Die Gedanken überschlagen sich, einer schießt nach dem anderen durch ihren Kopf: Oh, du meine Güte, was ist gerade passiert? „Es war ein Moment ein leeres Gefühl in der Magen-Gegend.“ Dann der Gedanke: „Das hat er jetzt nicht wirklich gemacht? War das Absicht? Wie reagiere ich denn nur?“ Seltsam peinlich berührt sei sie gewesen: „Meine Sorge war, ob es die anderen mitbekommen haben. Irgendwie unglaublich. Da nimmt sich irgendein Fremder heraus, mich so zu demütigen, und ich bekomme ein schlechtes Gewissen.“ Er scheint es völlig in Ordnung zu finden und verhält sich noch immer wie zuvor. Er bleibt einfach cool. Und sie: Sie versucht, das Geschehene mit einer Übersprungshandlung zu retten, sie lächelt und nimmt weiter am Gespräch teil. „Muss ich mir das bieten lassen?“ Die SÜDKURIER-Autorin ist nicht bekannt für aufreizende Kleidung. Auch am besagten Nachmittag bot sich ihrer Schilderung nach kein Anlass durch tiefen Ausschnitt oder ähnliches: „Ich hatte einen normalen Pullover mit V-Ausschnitt an, einen klassischen, das Dekollete ganz bestimmt nicht zu tief, die Bluse verwehrte jeden neugierigen Blick.“ Die Hose, eine normal sitzende Jeans, dürfte den Mann nicht allzu sehr gereizt haben.

„Es war verdammt schwierig, wieder ins normale Geschehen einzusteigen“, sagt sie. Mittlerweile hat sich unsere Mitarbeiterin wieder sichtbar beruhigt, lehnt sich im Sessel zurück. „Vor allem war es problematisch, als er mir dann gegenüber saß und ich mich normal mit ihm unterhalten sollte.“ Dabei habe sie Probleme gehabt, ihm in die Augen zu schauen. „Er war völlig normal.“ Das ist es, was die SÜDKURIER-Mitarbeiterin am meisten beschäftigt: Dass der Gesprächspartner nach solch einer „Tat“ zur normalen Tagesordnung übergeht und sich keiner Schuld bewusst ist. „Ich habe den Vorfall zunächst verdrängt, habe das Gespräch zu Ende geführt und habe mich dann an den Rechner gesetzt und geschrieben.“ Aber als sie dann abends zur Ruhe kam, erschienen ihr die Bilder des Nachmittags wieder vor Augen. „Plötzlich war ich wieder ganz aufgeregt.“ Sie berichtete ihrem Partner von dem Übergriff. „Er war auch ganz aus dem Häuschen und fassungslos ob der Dreistigkeit. Aber wirklich helfen kann er mir auch nicht – außer zuhören.“

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