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Kultur Schwarzwald Sixpack-Mann verliebt sich in XXL-Frau

06.03.2010
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Mit der Tragikomödie „Fettes Schwein“ begeisterte das Eurostudio Landgraf im gut besuchten Theater am Ring in VS-Villingen

Am Ende gibt's keine Katharsis – leider, ist das Publikum versucht zu empfinden. Es wäre doch so schön gewesen, wenn die Liebe gesiegt hätte und nicht die Angst vor Prestigeverlust, obwohl letztere Variante vermutlich mehr der Wirklichkeit entspricht. Welcher attraktive, sportliche, dynamische junge Mann lässt sich schon auf eine junge Frau ein, die nicht nur mollig, sondern super-dick ist? Darum geht's in der Tragikomödie „Fettes Schwein“.,

Der äußerlich erfolgreiche, aber emotional verarmte Tom wird von Martin Lindow gespielt, der sonst gern als Kommissar in Fernsehkrimis ermittelt. Jetzt geht er leidenschaftlich in der Rolle des sympathischen Versagers auf und verleiht ihr mit seinem treuherzigem Ruhrpott-Slang zusätzlichen Witz und Authentizität. Im Ensemble ist der Promi-Akteur ein primus inter pares – alle Figuren sind glänzend besetzt.

Katrin Filzen hat selbst „zu schwere Knochen“ und verkörpert die dicke, selbstbewusste, sensible und verletzliche Helen mit bewundernswerter Intensität. Nicht minder glaubwürdig und hingebungsvoll agieren Prodromos Antoniadis als zynisch-intriganter Freund und Kollege und Ragna Guderian als Jeannie, Toms Ex, schön, blond, sexy und somit das krasse Gegenteil zu Helen. In scheinbar belanglosen Dialogen wird die Möglichkeit des Unmöglichen zielgerichtet und systematisch entwickelt – Sixpack-Mann verliebt sich in XXL-Frau. Wenn Tom die dicke Bibliothekarin Helen trifft, ist das Licht bunt und weich, ihre entwaffnende Offenheit bei der ersten Begegnung am Bistro-Tisch faszinieren ihn, ihr Humor und ihre Aufrichtigkeit.

Im Büro hingegen ist alles grau, Anzüge, Drehstühle und Atmosphäre. Als Carter herausgefunden hat, wer Toms Neue ist, verbreitet er ihr Bild in allen Computern und gibt sie der Lächerlichkeit preis, Jeannie tobt hysterisch – sie wird zugunsten einer „fetten Tonne“ verschmäht.

Der Jargon ist oft vulgär und wohl sehr wörtlich übersetzt („Rollmops-Stöpsler“), auch die Bilder sind derb – Tom und Helen beim Sex unter der der schweinchenrosa Decke, Jeannie im Minirock mit gespreizten Beinen auf dem Schreibtisch. Gleichwohl gelingt es der subtilen Inszenierung (Regie Volker Hesse, ehemals Intendant im Berliner Maxim Gorki Theater) Peinlichkeiten zu vermeiden, trotz karikierender Überzeichnung nicht ins Slapstickhafte abzudriften, sondern Tiefe und Ernsthaftigkeit zu entwickeln.

Die Spannung bleibt bis zur letzten Szene am Strand, noch da scheint möglich, dass sich Tom offen zu der Liebe bekennt, die ihm so gut tut. Doch er wird nicht geläutert, sondern bleibt angepasst und feige, die gesellschaftlichen Erwartungen wiegen schwerer als Gefühle und moralische Einsichten.

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