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Schwarzwald-Baar-Kreis Schulen kommen auf den Prüfstand

Auftakt für die Regionale Schulentwicklung. Ziel: Gutes Angebot trotz sinkender Schülerzahlen. Schließen oder Fusion von Schulen wahrscheinlich.

Viele Schulen in der Region verzeichnen bereits deutlich rückläufige Schülerzahlen. Was wird dann aus der Schule und den Schulangeboten vor Ort? Diese Frage bewegt derzeit Eltern und Kommunalpolitiker. Die Fachleute schlagen die Entwicklung von Bildungsraumschaften vor, in den benachbarte Gemeinden ihre Schullandschaft gemeinsam gestalten – was auch bedeuten kann, dass so mancher Schulstandort geschlossen werden muss, um das Bildungsangebot dann andernorts zu bündlen.

Veränderte gesellschaftliche Bedingungen, vor allem aber der demographische Wandel mit den sinkenden Bevölkerungszahlen machen Reformen nötig. In Baden-Württemberg wird diese Aufgabe systematisch angegangen. Das Regierungspräsidium Freiburg (RP) lud jetzt mit dem Schulamt zur regionalen Auftaktveranstaltung für die Landkreise Schwarzwald-Baar und Rottweil nach Donaueschingen ein.

Vor über 150 Besucherinnen und Besuchern, Schulleiterinnen und Schulleitern, Bürgermeistern, Oberbürgermeister Rupert Kubon aus Villingen-Schwenningen und den Landräten Sven Hinterseh und Wolf-Rüdiger Michel erläuterten Vertreter des Regierungspräsidiums und des Schulamtes das Prozedere der Regionalen Schulentwicklungsplanung (RSEP) im Regierungsbezirk Freiburg. An diesem jetzt anlaufenden Prozess sollen alle Verantwortungsträger beteiligt werden, die jeweiligen Schulämter, die Städte und Kommunen als Schulträger und Vertreter aller Schularten.


Dabei ist das Verfahren „Weg und Ziel zugleich“, machte Günter Herz, Leitender Schulamtsdirektor in Donaueschingen, in der Begrüßung deutlich. Zudem sei die RSEP „kein Platzhalter für ideologische Ideen“, sondern „absolut notwendig“ und ein Prozess, „um die Entwicklung gemeinsam zu steuern“. Die Grundschulen sind dabei nicht explizit Gegenstand des regionalen Schulentwicklungsprozesses. Für sie gilt nach Herz weiterhin: „Kurze Beine, kurze Wege“ – es soll also weiter wohnortnahe Grundschulen geben.

Haupt- und Werkrealschulen verzeichnen starken Rückgang

Ansonsten aber gefährden rückläufige Schülerzahlen den Bestand von Schulen. Bei den Haupt- und Werkrealschulen gibt es bereits seit über einem Jahrzehnt einen starken Rückgang bei den Übergangszahlen. Darauf müssen Kultusbehörden und Kommunen reagieren. Abteilungspräsident Rudolf Bosch vom Regierungspräsidium Freiburg machte in einem Impulsreferat deutlich, es gehe mit der RSEP nicht um weitere Einrichtung von Gemeinschaftsschulen, sondern um eine zielgerichtete Schulentwicklungsplanung unter den Perspektiven von Bildungsgerechtigkeit, Inklusion und Anpassung der Schulstruktur.

Zu den Zielen der angestrebten „prozessuralen dialogischen Entwicklung“ zählen nach Lesart der Verantwortlichen eine Verbesserung des Bildungsangebotes, langfristige Standortsicherung, effizienter Personaleinsatz. Vor allem aber solle allen Schülerinnen und Schülern in zumutbarer Erreichbarkeit von ihrem Wohnort einen ihrer Begabung entsprechenden Bildungsabschluss mögliche bleiben.

Keine weißen Flecken im Bildungsangebot

Die RSEP sei „keine Restschul-Debatte“. Vielmehr sollen alle Schulen, auch berufliche Schulen und Sonderschulen in den Blick genommen werden, so Bosch. Dabei könne es in diesem – auf Jahre angelegten – Prozess sicher zu unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen in einzelnen Raumschaften kommen. Weiße Flecken im Bildungsangebot im ländlichen Raum solle es indes nicht geben.

Mit der Entwicklung von Schul-Raumschaften geht eine grundlegende Umorientierung vom Denken in Schularten zu angestrebten Schulabschlüssen einher – was bedeuten könnte, dass Schüler an ein- und derselben Schule zu individuell unterschiedlichen Abschlüssen geführt werden können.

Wie geht's nun weiter? Bis Mitte November werden nun Vorschläge an das Regierungspräsidium zur Entwicklung möglicher Raumschaften in den einzelnen Schulamtsbereichen erbeten. Ein regionaler Beratungsprozess kann dann auf Antrag beispielsweise im Zuge der Einrichtung einer neuen weiterführenden Schule beginnen. Oder wenn es um die Umwandlung oder Aufhebung einer bestehenden weiterführenden Schule geht, wenn eine Gemeinde eine entsprechende Initiative ergreift, ode wenn eine öffentliche weiterführende Schule keine Eingangsklasse mehr bilden kann, also dafür weniger als 16 Schüler aufweist. Die Schulaufsichtsbehörde begleitet das Verfahren. Für die Entscheidungsfindung bieten die Schulämter per Internet Daten mit regionalem Bezug an. Im Konfliktfall entscheiden die Schulaufsichtsbehörden.

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