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Schwarzwald-Baar-Kreis Rückläufige Konjunktur der Metall- und Elektroindustrie

Der regionalen Metall- und Elektroindustrie geht es nach wie vor gut. Aber in den bisher verbreiteten Optimismus, den immer noch viele Firmen teilen, mischt sich nun an mancher Stelle auch Skepsis mit Blick auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

Der regionalen Metall- und Elektroindustrie geht es nach wie vor gut. Aber in den bisher verbreiteten Optimismus, den immer noch viele Firmen teilen, mischt sich nun an mancher Stelle auch Skepsis mit Blick auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Bezirksgruppe Schwarzwald-Hegau des Arbeitgeberverbands Südwestmetall hervor, die 36 regionale Mitgliedsbetriebe mit zusammen etwa 16 500 Beschäftigten umfasst hat. Der Bezirksgruppenvorsitzende Joachim Schulz nahm die Präsentation der Umfrageergebnisse bei der Südwestmetall-Mitgliederversammlung in VS-Villingen zum Anlass, eine Warnung an die Politik zu richten: Sie dürfe die Standortbedingungen für Industrie und Produktion in Deutschland mit weiteren gesetzlichen Regelungen „nicht weiter verschlechtern“.

Arbeitsplätze: Rund fünf Jahre lang hat die Branche kontinuierlich neue Arbeitsplätze geschaffen und Mitarbeiter eingestellt – doch nun scheint dieser Schwung nachzulassen. Aktuell rechnen laut Südwestmetall mehr regionale Unternehmen (32 Prozent) mit einem Rückgang der Beschäftigung als mit einem weiteren Zuwachs (23 Prozent). Auch planen in diesem Jahr mehr Firmen mit Kündigungen (16 Prozent). Gesucht seien weiterhin Fachkräfte, vor allem bei Hochschulabsolventen stellten die Firmen noch zusätzlich ein.

Geschäftserwartungen: Bei den Auftragseingängen, laut Südwestmetall wichtigster Indikator für die nahe Zukunft, rechne „gut die Hälfte der Unternehmen (52 Prozent) in den nächsten Monaten kaum mit Änderungen, ein knappes Drittel (29 Prozent) mit einer Verbesserung, immerhin fast jedes fünfte (19 Prozent) aber auch mit einem Rückgang“. „Etwas optimistischer bewerten die Betriebe die Umsatzaussichten“, heißt es weiter in der Analyse: „Hier erwartet knapp die Hälfte (48 Prozent) ein Plus, allerdings auch ein gutes Viertel (26 Prozent) ein Minus. Wachstumsimpulse kommen vor allem aus Nordamerika und China, während insbesondere das Russlandgeschäft deutlich nachlassen dürfte.“

Investitionen: Ein „erfreuliches Plus“ lässt die Umfrage bei den Investitionen erwarten. Gut die Hälfte (52 Prozent) der Betriebe rechnet mit einer Steigerung, nur jedes zehnte mit einem Rückgang. „Allerdings ist zu berücksichtigen, dass diese Investitionen nicht alle im Inland getätigt werden, also auch nicht ausschließlich den Beschäftigten hier in der Region zugute kommen werden“, so Schulz in der Auswertung.

Schulz betonte gestern beim Pressegespräch anlässlich der Mitgliederversammlung, dass die anhaltend positive Wirtschaftsentwicklung in Baden-Württemberg und Deutschland „kein Selbstläufer“ sei. In den vergangenen eineinhalb Jahren habe es aber etliche neue gesetzliche Regelungen gegeben, die für die Betriebe zur Belastung geworden seien.

Dabei spiele zwar der neue gesetzliche Mindestlohn speziell im Metall- und Elektrobereich eine im Vergleich zu anderen Branchen geringe Rolle. Doch weil der Mindestlohn für manche Praktika gelte, hätten nun 29 Prozent der Betriebe angegeben, weniger Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen.Zu den Neuregelungen, die die Betriebe „massiv belasten“, so Südwestmetall, gehöre auch die neue abschlagsfreie Rente mit 63 für langjährig Versicherte aus: „Knapp drei Viertel der Betriebe beklagen einen vorzeitigen Verlust qualifizierter Fachkräfte, zehn Prozent der Befragten sogar sehr große Verluste“, heißt es in der Analyse der Südwestmetall-Umfrage. Weitere Probleme machten Einschränkungen bei Zeitarbeit und Werkverträgen – zumal diese Instrumente ja dringend nötig seien, damit die Betriebe flexibel seien für neue Anforderungen wie befristete Teilzeit und erweiterte Elternzeit.

Dass manche regionale Firmen nach einem konjunkturellen Hoch nun unter Druck geraten, zeigt beispielsweise der Automobilzulieferer Marquardt in Rietheim-Weilheim im Kreis Tuttlingen: Dort droht bis Ende 2018 ein massiver Arbeitsplatzabbau, von dem 600 Mitarbeiter betroffen sein könnten. Firmenchef Harald Marquardt, der gestern in seiner Funktion als Vorstandsmitglieder der Südwestmetall-Bezirksgruppe am Pressegespräch teilnahm, verwies auf Anfrage auf die vergleichsweise hohen Produktionskosten am hiesigen Standort. Die Firma habe den im Vergleich zum Flächentarifvertrag günstigeren Haustarifvertrag Ende 2012 nicht verlängert bekommen. Danach habe die gute Konjunktur für etwa zwei Jahre die schwierige Kostensituation ausgeglichen, die sich aber nun wieder bemerkbar mache.

Daher müsse der Stammsitz „so gestaltet werden, dass er wieder wettbewerbsfähig wird“. Weltweit zählt die Marquardt-Gruppe mehr als 8000 Mitarbeiter an vierzehn Standorten in zehn Ländern und erzielte 2014 einen Umsatz von 838 Millionen Euro.

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