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Rottweil/Tuttlingen Reaktion auf Übergriffe auf Frauen: Rockergruppe Red Devils will "verstärkt unterwegs" sein

Die lokalen Gruppierungen Tuttlingen und Rottweil des bundesweit aktiven Rockerclubs Red Devils MC haben auf ihren Facebook-Präsenzen angekündigt "ab sofort verstärkt unterwegs" zu sein. Die fragwürdige Ankündigung bezieht sich auf die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht.

Die am Montag und Dienstag auf Facebook veröffentlichten Postings der Charter genannten Lokalableger des Rockerclubs, der als größter Unterstützerclub der Hells Angels gilt, sprechen unter der Überschrift "Solidarität für Deutschland" davon, dass Frauen und Kinder Angst hätten, das Haus zu verlassen, sobald es dunkel wird. Die Polizei, die sich mit den Rockerclubs desöfteren befassen muss, würde nichts gegen diese "Zustände" tun, so die kurze Mitteilung. Die Beiträge auf Facebook stoßen auf große Resonanz. Ein entsprechendes Posting wurde bislang knapp 1400 Mal geteilt.

Was genau die Rocker mit "Zuständen" meinen, sprechen sie nicht aus. Angesichts der Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in deutschen Großstädten, bezieht sich die Ankündigung, helfen zu wollen, "wo wir können" jedoch mutmaßlich auf diese Vorfälle. Am Kölner Hauptbahnhof sollen mehrheitlich Migranten Frauen sexuell bedrängt und bestohlen haben. Am vergangenen Wochenende haben sich laut Medienberichten in der Stadt am Rhein Rocker, Rechtsextreme und Türsteher verabredet, um gezielt Gewalt gegen Migranten auszuüben.

In einem weiteren Posting vom Montag auf der Tuttlinger Facebook-Seite der Red Devils wird betont, dass es "lediglich" um "Zivilcourage" gehe, weil die "Staatsmacht nicht in der Lage ist zu handeln". Von einer Bürgerwehr oder Gewalt wollen sie nichts wissen. Wieder in einem anderen Beitrag wird klargestellt, "Echte Rocker sind keine Rassisten!".

Polizei sieht Ankündigung kritisch

Die Polizei sieht die Facebook-Verlautbarungen der Red Devils kritisch. Das Polizeipräsidium habe den Rockerclub inzwischen auch schon vorsorglich kontaktiert. „Wir haben das Gewaltmonopol und werden keine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung hinnehmen“, betonte Polizeisprecher Michael Aschenbrenner am Dienstag.

Allerdings sei es Sache der jeweiligen Stadt oder Gemeinde, Platzverweise gegen Personen auszusprechen, falls durch diese die Sicherheit bedroht sei – die Polizei mache dies nur im Einzelfall je nach konkreter Lage.
Ansonsten sei die Darstellung, die Polizei könne die Sicherheit in Tuttlingen nicht mehr gewährleisten, „ganz fadenscheinig“ und „fernab der Realität“. Um beim Beispiel Tuttlingen zu bleiben: Es habe dort in den vergangenen fünf Monaten einen Fall gegeben, dass eine Schülerin „mit eventuell sexuellem Hintergrund“ belästigt worden sei, so der Polizeisprecher. „Das wollen wir nicht verharmlosen, jeder Übergriff ist einer zuviel“, betont Aschenbrenner. Aber mit einer Situation wie in Köln habe die Lage in der Region nichts zu tun.
 
 

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