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Villingen-Schwenningen Neues Asylbewerberheim in Alleenstraße füllt sich schnell

Die zunächst umstrittene Sammelunterkunft in der Alleenstraße in VS-Schwenningen beherbergt zwei Monate nach der Eröffnung bereits 102 Flüchtlinge. Die Platz-Kapazität reicht aber nur bis Oktober. Der Landkreis sucht dringend weitere Unterkünfte.

Kinder fahren auf gespendeten Fahrrädern, Erwachsene kochen und im Nebenraum wird Deutsch gelernt. Die neue Flüchtlingssammelunterkunft in der Alleenstraße in VS-Schwenningen ist nahezu voll. Nach zwei Monaten ziehen die Verantwortlichen von Landratsamt und Rotem Kreuz. Diese zeigen sich zufrieden: Die mit 102 Flüchtlingen gut gefüllte Unterkunft läuft.

„Dennoch ist die Brisanz der Unterbringung, die wir bisher hatten, noch lange nicht weg“, warnt Sozialdezernent Jürgen Stach. Die Zahl der neuankommenden Flüchtlinge in Baden-Württemberg ist weiter steigend. „Wenn sich in nächster Zeit kein weiteres Gebäude auftut, dann stehen wir wieder vor einem Problem“, blickt der Mann vom Landratsamt voraus.

Aktuell ist die Unterkunft in der Alleenstraße zu 80 Prozent belegt. Mehr wolle man laut den Verantwortlichen auch nicht aufnehmen. Zwei Familien haben bereits eine eigene Wohnung gefunden und sind schon wieder dabei auszuziehen. Doch neue Flüchtlinge und Asylbewerber sind bereits in Sicht. Stach nennt eine Zuweisungsquote von rund 40 Menschen pro Monat.

Im Juli kamen 50 und erst kürzlich wurden 62 Menschen neu aufgenommen. „Unsere vorhandenen Kapazitäten reichen noch bis Ende Oktober“, mahnt Stach. Bis dahin soll unter anderem ein Gebäude mit Einzelunterkünften im Bereich Erbsenlachen in Villingen bezugsfertig sein. „Aber wir sind auf weitere Unterkünfte im nächsten Jahr angewiesen“, blickt der Sozialdezernent voraus.

So läuft das Asylverfahren ab
  • Ablauf auf Landesebene: Wer in Deutschland Asyl beantragt, wird nach einem entsprechenden Verteilschlüssel zunächst einem Bundesland zugeteilt, das sich dann um die Unterbringung kümmern muss. In Baden-Württemberg kommen die Flüchtlinge zunächst in der Landeserstaufnahmestelle in Karlsruhe unter, werden dort befragt und durchlaufen einen Gesundheitscheck. Sie werden dann wiederum nach kurzer Zeit einem der Landkreise zur Unterbringung zugeteilt.
  • Ablauf im Schwarzwald-Baar-Kreis: Die Asylbewerber müssen laut Gesetzt zunächst in einer Sammelunterkunft wohnen, wobei der Landkreis inzwischen fünf Heime hat: VS-Villingen/Obereschacher Straße (159 Plätze), Unterkirnach/Maria Tann (96 Plätze), St.Georgen (70 Plätze), Donaueschingen/Sternensaal (100 Plätze) und neu VS-Schwenningen/Alleenstraße (130 Plätze). Die Asylbewerber werden möglichst in einem Zimmer mit Landsleuten untergebracht bei einem persönlichen gesetzlichen Platzanspruch von 4,5 Quadratmetern (ab 2016: sieben Quadratmeter). Die Menschen müssen sich bei der Ausländerbehörde melden und bekommen das Angebot, gemeinnützige Arbeit zu verrichten sowie einen Sprachkurs zu absolvieren.
  • Anschlussunterbringung: Je nach Abschluss des Asylverfahrens werden jene Flüchtlinge, die in Deutschland bleiben dürfen, zunächst einer Gemeinde im Landkreis zur Anschlussunterbringung zugewiesen. Die Zahl der Zugewiesenen hängt ab von Einwohnerzahl der Gemeinde.
  • Anzahl der Asylanträge: 2013 liefen im Schwarzwald-Baar-Kreis 325 Asylanträge. Im ersten Halbjahr 2014 sind bereits 192 hinzugekommen, allerdings werden Verfahren parallel auch wieder abgeschlossen. Für 2014 prognostiziert das Landratsamt 455 Asylanträge.
  • Herkunftsländer: Aus Syrien kommt momentan die größte Gruppe unter den Flüchtlingen im Schwarzwald-Baar-Kreis mit 127 Betroffenen. Es folgen Pakistan (97), Gambia (47), Eritrea (34), China (23), Indien (23), Sri Lanka (22), Irak (13). Dazu kommen noch 40 Flüchtlingen aus anderen Ländern. (jdr)

Laut Heimleiter Hellmuth Kohlermann haben in der Alleenstraße inzwischen 14 Familien ein Zuhause gefunden. Nachdem nun das komplette Haus fertiggestellt wurde, stehen auf drei Stockwerken zwei große Küchen und ausreichend Waschräume zur Verfügung. In einem Nebengebäude sollen noch Gemeinschaftsräume entstehen. Dort sind allerdings noch Fragen des Baurechts zu klären. Das Zusammenleben habe sich laut Kohlermann positiv entwickelt. Lediglich beim Rauchverbot gebe es hin und wieder noch einige Ermahnungen.

Die Sozialbetreuerin Sabine Mund und sich selbst als Heimleiter beschreibt Kohlermann als „Problemlöser für Menschen, die völlig hilflos in Schwenningen ankommen“. Gerade die jugendlichen Flüchtlinge werden derzeit von ehrenamtlichen Lehrern auf die beginnende Schule vorbereitet. Für die Erwachsenen ist der erste Deutschkurs an der Volkshochschule bereits gestartet. In den nächsten Monaten folgen weitere. Gerade für Behördengänge steht den Flüchtlingen ein Dolmetscher zur Verfügung. „Der macht das zu zehn Prozent auf Stundenbasis, 90 Prozent seiner Arbeit sind aber ehrenamtlich“, berichtet Mund.

Eine besondere Herausforderung sei auch ein fünfjähriger Junge mit Down-Syndrom. Hier habe sich ein Kindergarten bereit erklärt, das Kind im Rahmen der Inklusion aufzunehmen; gesucht wird allerdings noch ein Alltagsbegleiter für den Jungen. Eine große Hilfe für die Heimleitung stellen die zahlreichen Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Asyl dar. Laut Sozialdezernent Stach ein ganz wichtiger Bestandteil der Arbeit vor Ort. „Einen Plan B ohne Ehrenamtliche gibt es nicht“, so Stach.

Mit der zunehmenden Zahl an Flüchtlingen steige aber auch der finanzielle Spielraum. So werde beim Roten Kreuz eine Stelle eingerichtet, die unter anderem auch das ehrenamtliche Engagement koordinieren soll.

Nachdem es im Vorfeld aus Reihen der Anwohner einige kritische Stimmen zur Flüchtlingsunterkunft gab, habe sich die Stimmung laut Heimleiter Kohlermann deutlich beruhigt. „Wir hören fast nichts mehr. Hin und wieder bekommen wir noch Anrufe mit Hinweisen“, so Kohlermann.

Eberhard Weckenmann vom Sozialamt ergänzt: „Richtig großen Ärger hatten wir bisher nicht. Deshalb gilt unser Dank auch der Nachbarschaft.“ Laut Sozialbetreuerin Mund engagiere sich ein zuvor kritischer Nachbar inzwischen sogar als ehrenamtlicher Helfer in der Unterkunft. „Wir haben eingehalten, was wir einhalten konnten“, resümiert Weckenmann mit Blick auf die Bedenken der Anwohner.

Ob zukünftig weiter hauptsächlich Familien nach VS kommen, sei jedoch fraglich.

Besonders hervorheben wollten die Verantwortlichen unisono die gute Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Ob mit den Behörden, mit Ehrenamtlichen oder mit der Bevölkerung durch Spenden. „Ohne diese Zusammenarbeit hätten wir nicht so viel geschafft“, so Weckenmann abschließend.

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