TypischFrau Mütter ein Zugewinn für Unternehmen
Michaela Morath, Unternehmerin, Familienfrau, sozial engagiert und den Kopf voller guter Ideen für berufstätige Mütter. Bild: Bild: B. Dickmann
Sie hat Angst, eine Familie zu gründen – Angst vor dem Kinderkriegen, vor dem sozialen Abstieg, vor weniger Anerkennung und Wertschätzung und vor einer Entscheidung, bei der es heute oft nur Verlierer gibt. Bleiben Sie bei den Kindern und werden „gute“ Mütter? Oder lassen Sie erziehen, starten beruflich voll durch und leben mit dem schlechten Gewissen?
Michaela Morath, 37 Jahre, kann das nur zu gut nachvollziehen. Hineingeboren in eine Unternehmerfamilie, sitzt der Betrieb immer mit am Tisch und ist wichtigstes Thema in der Familie. Sie absolviert eine Ausbildung zur Industriekauffrau, studiert im Anschluss und wird dann auch noch Diplom-Informatikerin. In 2004 steigt sie in den elterlichen Betrieb in Schwenningen ein, dessen Leitung sie in 2006 übernimmt. Klingt nach steiler Karriere und nach einer Frau, die sich ganz klar für die berufliche Schiene entschieden hat. Doch Michaela Morath ist zu diesem Zeitpunkt nicht nur Unternehmerin, sondern auch Ehefrau und Mutter. Ihr Ältester ist damals zehn Jahre alt, die Kleine ein Jahr und die Jüngste wird erst im Jahr 2007 geboren.
Doch Michaelas Mann nimmt die Elternzeit und arbeitet danach in Teilzeit. Beide Großeltern leben in der Nähe und teilen sich die Kinderbetreuung. Michaela Morath ist um 8 Uhr im Betrieb, geht zum Mittagessen nach Hause und hat das Glück, auch noch von Mutter oder Schwiegermutter bekocht zu werden. Danach arbeitet sie wieder im Betrieb, solange es nötig ist. „Das ist in den letzten Jahren deutlich mehr geworden, die Wirtschaftskrise hat uns nicht gut getan“, sagt sie. „Doch ich habe eine intakte Familie und großes Glück bei der Kinderbetreuung.“ Michaela Morath braucht keine Tagesmutter, keine Krippe, keinen Hort und hat auch noch einen Mann, der männlich und emanzipiert genug ist, um seine Kinder zu versorgen. Das ist die eine Seite einer Frau, die Karriere, Kinder und Familie gut durchorganisiert unter einen Hut bekommt.
Die zweite Seite ist eine ausgesprochen positiv gestimmte Unternehmerin und sozial engagierte Frau im Gewerbeverein Oberzentrum, die gerne lacht und Visionen und Werte besitzt, die sie umzusetzen und zu schützen versucht. „Wir haben keine Unternehmerkultur“, sagt sie, „denn unglaublich viele junge Menschen haben innovative Ideen und trauen sich nicht, sie umzusetzen.“ Warum? Weil sie Angst vor dem Scheitern haben, denn eine Insolvenz ist oft das Ende, jeder zeigt mit dem Finger auf sie und tritt noch einmal nach. Michaela Morath weiter: „Dabei brauchen wir doch genau diese Menschen mit Tatkraft und wir sollten sie dazu ermuntern, etwas zu bewegen, etwas aufzubauen.“ Jugendliche, die im Beruf nur Sicherheit suchen, viel Geld verdienen wollen und das Risiko scheuen, bringen eine Gesellschaft nicht weiter.
Doch Michaelas Lieblingswort heißt „Familie“ und in ihrem Kopf schwirren Modelle herum, die Beruf und Kindererziehung möglich machen und für Unternehmer auch noch tragbar sind. Denn es muss einfach für beide gut sein. Morath Systems e. K. in VS-Schwenningen ist ein Unternehmen, das Konzeptionen im Bereich der Baugruppenmontage erstellt, für deren Umsetzung sorgt und auch ein eigenes Arbeitsplatzsystem entwickelt hat. Und Morath Systems versucht, andere Wege zu gehen.
Ein Ausbildungsplatz zur Industriekauffrau wird im Augenblick in Teilzeit zusätzlich von einer Alleinerziehenden Anfang zwanzig belegt (siehe Info). Das ist nicht so einfach, wie es sich anhört, denn „um eine vernünftige Arbeitsplatzauslastung hinzubekommen, muss man schon jonglieren und mit den Müttern sprechen. Unsere Teilzeitkräfte können nicht einfach alle von 8 bis 12 Uhr arbeiten und dafür müssen Kompromisslösungen gefunden werden“, sagt die Unternehmerin, die es für absolut wichtig hält, dass Mütter eine Ausbildung haben. Und Unternehmer müssen andere Wege gehen. Was kann eine Familienfrau zum Beispiel von zu Hause aus erledigen? „Wenn man Müttern die nötigen Freiheiten einräumt, sind sie sehr engagiert und machen ihre Arbeit! Frauen und Mütter im Unternehmen zu integrieren, ist ein großer Zugewinn!“ Und irgendwann sind die Kinder ja auch größer, die Frauen können dann ihre Stundenzahl erhöhen und werden engagierte Vollzeitkräfte, die nicht vergessen, dass auf ihre besondere Situation Rücksicht genommen wurde. „Für diese Möglichkeit, die Mitarbeiter an sich zu binden, müssen viele Unternehmer ihre Köpfe öffnen!“
Michaela Moraths Erfahrungen mit berufstätigen Müttern sind nur positiv: „Frauen mit Kindern sind es gewohnt, Aufgaben zu übergeben. Wer macht den Zahnarzttermin am Nachmittag? Wer besorgt die Windeln? Sie sind Organisationstalente und ausgesprochen pflichtbewusst!“ Und die Väter? Die entwickeln sich immer mehr und lassen sich willig in die Kinderbetreuung mit einbeziehen. Doch Teilzeit ist nur ein Aspekt – wie man Familienfreundlichkeit unterstützen kann und welche Ideen Michaela Morath dazu hat, erfahren Sie in der kommenden Seite „typisch frau“.
