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16.04.2012  |  von  |  0 Kommentare

Schwarzwald-Baar-Kreis Mit Intensität und Temperament

Schwarzwald-Baar-Kreis -  Der Jazzchor Freiburg hat unter der Leitung von Bertrand Gröger zu den „Heimattagen Baden-Württemberg“ im ausverkauften Donaueschinger Strawinsky-Saal eine souveräne Veranstaltung voll sprudelnden Temperaments geboten. Die Altistin Birgit Rapp hat in einer ironisch klugen Definition auf den Punkt gebracht, was der Chor jeweils auf die Bühne bringen will: „Grögerianischen Gesang“ in Reinkultur.Das ist bestens gelungen.

Der Jazzchor Freiburg begeistert bei seinem Konzert in Donaueschingen.  Bild: Sigwart



Vom Programm her bedeutet der kuriose Begriff, dass originelle, von Gröger selbst geschriebene Titel wie auch geniale Arrangements von Stücken zu hören sind, die der Geschichte und Gegenwart des Jazz entstammen. Für die rund 25 Sängerinnen und Sänger heißt der Anspruch, der auch federnd umgesetzt wird: Chorgesang voller Leben und voll rhythmischer wie intonatorischer Exaktheit und nicht zuletzt eine stilsichere Interpretation. Und das Format der zugehörigen Drei-Mann-Band? Gröger will und kann sich auf einen Pianisten, einen Bassisten und einen Schlagzeuger verlassen, die den diskret begleitenden Beat ebenso gut beherrschen wie solistischen Einlagen.

Rein in das abendliche Vergnügen geht's mit Grögers Lied „Here we are“: Da sind sie also, die sympathischen, in Schwarz und Rot gekleideten Gesangskünstler, von denen im Laufe des Konzerts die Hälfte auch immer wieder solistisch hervortreten wird. Nach zwei Nummern der „New York Voices“ wird es spannend. Die Fantasie wird angeregt bei einem witzigen und leicht irritierenden Stück, bei dem nicht so ganz klar ist, wo die Grenzen zwischen Vocalese und Scat liegen. Anders ausgedrückt und gefragt: Wo imitieren die Sänger das Spiel von Instrumenten, zum Beispiel mit gezischten und gesummten Lauten oder leichten Faustschlägen auf die Brust, und wo verwenden sie schon sinnfreie Lautsilben wie AA-UU oder Häm-Du-Dab? Das hat großen Reiz.

Der Jazzchor nimmt sich eine ganze Reihe großer Namen vor: den argentinischen Tangomeister Astor Piazzolla, John Coltrane und Nat King Cole aus dem amerikanischen Jazz und etliche andere. Das ist alles von inspirierter Intensität und vermittelt mit großer Klasse je nachdem den ruhigen oder den tempogeladenen Swing.

Nach der Pause präsentiert sich der Chor in Schwarz und Weiß – Abwechslung macht Freude. Bertrand Gröger erweist nicht nur der norwegischen Jazzsängerin Torun Eriksen oder Duke Ellington seine Reverenz, sondern er hat auch noch zwei besondere Überraschungen parat. Fünf seiner Sängerinnen unternehmen einen faszinierenden Ausflug in die Klangwelt der „Bulgarischen Stimmen“, eine Welt, die durch eine uns fremde, seltsam hohle Vokalfärbung etwas Archaisches und zugleich Berührendes an sich hat. Eine andere Dame des Chores verlässt gleich anschließend den Boden des Gesangs und glänzt als verblüffend virtuose Stimmakrobatin.

Das mehr als angetane Publikum mag den Jazzchor nicht ohne Zugabe ziehen lassen – er war einfach zu gut. Als Dreingabe gibt es zunächst den Bluessong „Route 66“, einen Hit, von dem nicht weniger als 116 Umarbeitungen existieren. Bertrand Gröger gibt persönlich eine mitreißende 117. Variante.

Er lässt den wunderbaren Abend bewusst ruhig und gar etwas melancholisch ausklingen – mit „Not like this“, „Geh nicht so“. Der Jazzchor Freiburg darf sehr gerne wieder kommen.

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