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Kultur Schwarzwald Künstlerische Vielfalt vertrauter Favoriten

Der Kunstverein Villingen-Schwenningen bezieht derzeit mit seiner 57. Jahresausstellung im Villinger Franziskaner-Museum Position

Hendrick und Miri betrachten die Arbeit „Gartenschaunachlese“ von Reinhold Sigle.
Hendrick und Miri betrachten die Arbeit „Gartenschaunachlese“ von Reinhold Sigle.

Durch keine thematische Vorgaben beschränkt, handelt es sich bei der diesjährigen Ausstellung des Kunstvereins Villingen-Schwenningen im Villinger Franziskaner wieder um die traditionelle Form der Jahresausstellung. Damit aber die Eigengewächse nicht zu sehr wuchern und die Ausstellung zu einer reinen Nabelschau ausartet, hat der Kunstverein noch einige Gastteilnehmer eingeladen, die mehr oder weniger frischen Wind in das wohlbekannte ästhetische Sortiment bringen.

26 Künstlermitglieder und sieben Gäste, das heißt auch ebenso viele unterschiedliche individuelle Handschriften und künstlerische Ansätze. Und die kann sich als reine Farbmalerei ohne erkennbares Naturvorbild wie bei Andreas Wiertz äußern oder sich überaus gegenständlich am Geschehen der Zeit orientieren wie bei dem kritischen Künstler Axel Heil. Zwischen diesen beiden Polen des Kunstschaffens sind sämtliche Spielarten, die der regionale Kunstbetrieb bereit hält, zu finden. Das bedeutet aber auch, dass man bis auf die Gastpositionen nichts außerordentlich Neues in der Ausstellung entdecken wird.

Und das ist für manche Besucher auch gut so. Sie finden – respektive sie suchen – wie beim Eröffnungstag zu erleben war in der Vielfalt ihre vertrauten Favoriten. Ob der nun Paul Revellio, Gotthard Glitsch, Lore Will, Ulrich Schanz, Josef Bücheler, Reinhard Sigle oder wie auch immer heißen mag: die Qual der Wahl hat der Betrachter. Zuvor hatte aber die Hängekommission diese Wahl und man kann den Juroren eigentlich gute Arbeit attestieren.

Sehr großzügig gehängt und gestellt bieten die 104 Bilder, Skulpturen und Objekte für den Betrachter wiederum eine Inspirationsquelle. Ohne Kojenbildung wurden zwar die unterschiedlichsten Ausdrucksformen gegenübergestellt, aber je nach Sichtweise lassen sich trotz verschiedenster Intentionen Gemeinsamkeiten im formalen Bereich und Schwerpunkte ausmachen.

Ein Schwerpunkt könnte mit „organisch“ überschrieben sein. Da stehen die runden Farbholzschnitte von Marion Moritz im Dialog mit Sigles stacheliger „Gartenschaunachlese“. Gegenüber reihen sich die bekannten, aber immer wieder überzeugenden „Magnifikationen“ von Horst Willi Kurschat neben den „Gehirnreliefs“ des Bildhauers Hans-Jürgen Kossack, gefolgt von den fragilen Papierobjekten Wilhelm Morats.

Frank Renner, eigentlich Fachmann für Farbfeldmalerei, benennt mit den Titeln seiner dreidimensionalen Bildtafeln diese Abteilung innerhalb der Ausstellung. Die Exponate heißen schlicht und einfach „Organische Arbeiten“. Dazu gehören selbstverständlich auch die „Spiegelungen“ von Remy Trevisan und die wesentlich kleineren Tuschzeichnungen zum Thema „Leben“ von Ulrich Schanz. Und natürlich auch die floralen Erweiterungen. Angela Flaig verwandelt die Natur mit ihren „Distelsamen“ eins zu eins zu Kunst. Mittels des malerischen Mediums bringt Dietlinde Stengelin ihre abstrahierten Blumendarstellungen auf die Leinwand und Elfi Schmidt ist mit „Stiefmütterchen“ und „Wiesensalbei“ aus Pappmache, Pigment und Binder markant in der Ausstellung vertreten. Jörg Bach rundet dieses Kapitel mit seinen schwergewichtigen „Bodenfrüchten“ aus lackiertem Cortenstahl ab.

Auffällig ist bei dieser Jahresausstellung die Hinwendung zur Gegenständlichkeit, nicht nur in der Titelgebung, sondern ganz sichtbar in den Erscheinungsformen, die aber wiederum ein überaus breites Spektrum auf dem weiten Feld der Kunst abdecken. Da gibt es die vermeintlich abstrakten Umsetzungen von Naturphänomenen von Lisa Keller-Nikola genauso zu entdecken wie die nachvollziehbaren realen „Landschaften“ von Helfried Günther Glitsch. Marja Scholten-Reniers stellt sich dem Betrachter mit ihren gestickten „Schutzräumen“, Paul Revellio mit seinen „Spaghettiesserinnen“ und Lore Will mit ihren fragmentierten marrokanischen Basar-Szenen. Sogar Emil Kiess, der „Altmeister“ der abstrakten Malerei, überrascht mit einer ganz aktuellen figürlichen Malerei, dem Bildnis „Peppino Portiere“. Am Menschen orientiert ist auch der Gastteilnehmer Wolfgang Faller mit seinen „Kopflandschaften“, wie auch der Bildhauer Wolfgang Kleiser mit seiner prägnanten, aufs Wesentliche reduzierten Skulptur „Was bringt die Zukunft?“.

Was könnte sie nun bringen? In Bezug auf die Kunst kann man sich bei dieser Ausstellung nicht wirklich orientieren. Da helfen auch die süßen Stückchen von Thomas Finkbeiner nicht unbedingt weiter.

Die Ausstellung dauert bis 28. November. dienstags bis samstags 13 bis 17 Uhr,

sonntags 11 bis 17 Uhr

Helle Linien und Punkte flirren in einem blauschwarzen Raum: Was wie ein abstraktes Gemälde aussieht, ist eine Foto-Arbeit des Berliner Künstlers Christoph Hillmann. Er hat dem großformatigen Werk im Format 170 mal 100 Zentimeter den Titel „Kallimotio-Contemporanea“ gegeben. Bilder: Hahne
Helle Linien und Punkte flirren in einem blauschwarzen Raum: Was wie ein abstraktes Gemälde aussieht, ist eine Foto-Arbeit des Berliner Künstlers Christoph Hillmann. Er hat dem großformatigen Werk im Format 170 mal 100 Zentimeter den Titel „Kallimotio-Contemporanea“ gegeben. Bilder: Hahne
„Figur-Raum“ hat Wolfgang Faller aus Müllheim seine Arbeit genannt.
„Figur-Raum“ hat Wolfgang Faller aus Müllheim seine Arbeit genannt.
Diese Skulptur aus Gips und Eisenmehl hat Wolfgang Eckert aus Furtwangen geschaffen.
Diese Skulptur aus Gips und Eisenmehl hat Wolfgang Eckert aus Furtwangen geschaffen.
Unverkennbar ein Werk von Paul Revellio: Die „Spaghettiesserin“ - ein Ölgemälde, zu dem es in der Ausstellung auch zwei Lithographien in Schwarz-Weiß zu sehen gibt.
Unverkennbar ein Werk von Paul Revellio: Die „Spaghettiesserin“ - ein Ölgemälde, zu dem es in der Ausstellung auch zwei Lithographien in Schwarz-Weiß zu sehen gibt.
Die Kunstvereins-Mitglieder Axel Heil (links) und Emil Kiess in Gespräch.
Die Kunstvereins-Mitglieder Axel Heil (links) und Emil Kiess in Gespräch.
„La Dolce Vita“ heißt das 14-teilige Werk von Thomas Finkbeiner aus Denkingen.
„La Dolce Vita“ heißt das 14-teilige Werk von Thomas Finkbeiner aus Denkingen.
Dieses farbintensive Werk stammt von dem Königsfelder Künstler Andreas Wiertz.
Dieses farbintensive Werk stammt von dem Königsfelder Künstler Andreas Wiertz.
Ausstellungsbesucher studieren die Preislisten, denn alle Werke sind käuflich.
Ausstellungsbesucher studieren die Preislisten, denn alle Werke sind käuflich.
Josef Bücheler aus Rottweil-Hausen hat diese Arbeit in Mischtechnik beigesteuert.
Josef Bücheler aus Rottweil-Hausen hat diese Arbeit in Mischtechnik beigesteuert.

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