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Baden-Württemberg IG Schwarzwaldbahn: Breiter Protest gegen Bahn-Kürzungen

Die IC-Verbindung Konstanz-Hamburg ist in Gefahr, die Bahn will die Verbindung im Dezember streichen. Die Interessengemeinschaft Schwarzwaldbahn hat eine Resolution verabschiedet. Der Kompromissvorschlag stößt jedoch nicht auf Gegenliebe.

Die Interessengemeinschaft (IG) Schwarzwaldbahn wehrt sich vehement gegen die Pläne der DB Fernverkehr AG. Diese möchte ab Mitte Dezember das Intercity-Zugpaar „Schwarzwald“ und „Bodensee“ streichen. Bislang können Reisende täglich ohne umzusteigen von Hamburg über Karlsruhe nach Konstanz fahren. In einer Resolution fordert die IG nun, den Intercity-Fahrplan in seiner bisherigen Form beizubehalten. Zu einer Sitzung am Montag waren sowohl die Mitglieder der IG als auch Ministerialrätin Beate Schuler vom Stuttgarter Verkehrsministerium und Vertreter der Bahn eingeladen.
 

Die Kommunikation zwischen der Bahn und der Interessengemeinschaft scheint in den vergangenen Wochen nicht die beste gewesen zu sein. Man sei sehr erstaunt gewesen, aus der Presse von den geplanten Kürzungen zu erfahren, sagten sowohl der St. Georgener Bürgermeister und Vorsitzender der Interessengemeinschaft, Michael Rieger, als auch Sven Hinterseh, Landrat des Schwarzwald-Baar-Kreises. „Sie wussten, dass es die Interessengemeinschaft gibt. Wir hätten erwartet, dass man mit der Raumschaft spricht. Das fand nicht statt und ist für uns nicht akzeptabel“, so Hinterseh.

Mittlerweile hat sich auch Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) eingeschaltet und in Gesprächen mit der Bahn einen Kompromiss erreicht. Demnach soll zumindest freitags und samstags ein IC von Emden über das Ruhrgebiet nach Konstanz fahren. Zudem soll geprüft werden, ob der Intercity wenigstens in den Sommermonaten von Juni bis September täglich verkehren kann.

Auch von diesem Kompromiss habe man erst aus der Presse erfahren, kritisierte Hinterseh gestern in St. Georgen, wo die Interessengemeinschaft die Resolution verabschiedete. Die Begründung der DB Fernverkehr AG, wonach sich das Intercitypaar nicht rechne, überzeuge ihn nicht, sagte der Landrat. Vielmehr solle der ländliche Raum nun dafür herhalten, dass es der Bahn an Wagenmaterial fehle.

Dass man damit sparsam umgehen müsse, bestätigte Robert Ohler, bei der DB Fernverkehr für die zentrale Angebotskommunikation zuständig. „Wir brauchen jedes Fahrzeug.“ Fahre der Intercity bis nach Konstanz, sei das komplette Fahrzeug für den Rest des Tages gebunden. Ende die Intercity-Verbindung hingegen in Karlsruhe, könne man das Fahrzeug noch einsetzen. Die Bahn werde zudem mit einem verschärften Wettbewerb mit Fernbusunternehmen konfrontiert.

Anfang 2013 endete mit der Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes das Monopol der Bahn auf den Fernverkehr. Seitdem drängen zahlreiche Fernbus-Anbieter auf den Markt. „Schwache Fahrten können wir uns nicht mehr leisten“, so Ohler. In den Intercity-Zügen auf der Schwarzwaldbahn seien jeweils etwa 100 Reisende an Bord. Eine Zahl, die seit Jahren stagniere, während die Personenkilometer im Gesamtnetz zugelegt hätten.

Die IG Schwarzwaldbahn hält in ihrer Resolution dagegen, dass die Zugpaare zum einen für die Wirtschaftsregion, zum anderen auch für den Fremdenverkehr unverzichtbar seien. Umsteigefreie Verbindungen seien sowohl für Senioren als auch für Familien mit Kindern wichtig, betonte Bürgermeister Michael Rieger. Sollte die tägliche Verbindung wegfallen, sehe man das Land in der Pflicht, die Lücke im Nahverkehr zu schließen. Schon jetzt gibt es Taktlücken – außer freitags beispielsweise um 18 Uhr zwischen Offenburg und Konstanz.

Eine Lösung ist noch nicht in Sicht. Zwar habe auch das Land großes Interesse am Fortbestand der Verbindung, sagte Ministerialrätin Beate Schuler. Die Forderungen aus der Region seien verständlich. Sollte Baden-Württemberg Taktlücken mit Nahverkehrsangeboten schließen, müsse das jedoch mit Geld vom Land geschehen. Die vom Bund zugewiesenen Mittel würden dafür nicht ausreichen. Eine definitive Zusage sei deshalb noch nicht möglich. Die verschiedenen Optionen sollen nun geprüft werden, kündigte Michael Rieger an. Dann soll es eine erneute Sitzung in St. Georgen geben.

Unterstützung erhält die IG auch vom Kreistag des Schwarzwald-Baar-Kreises. Dessen Ausschuss für Verwaltung und Wirtschaft hat dem Gremium gestern einstimmig die Verabschiedung einer weiteren Resolution mit denselben Forderungen empfohlen.

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