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Kultur Schwarzwald Hinreißende Vitalität und Frische

Jugendsinfonieorchester St. Georgen-Furtwangen und Pianistin Henriette Gärtner begeistern in VS-Villingen

Sie begeistern mit jungem Schwung, ausgeprägter Musikalität und einem tollen Programm: Das Jugendsinfonieorchester St. Georgen-Furtwangen mit seinem Dirigenten Michael Berner und Pianistin Henriette Gärtner als Solistin.
Sie begeistern mit jungem Schwung, ausgeprägter Musikalität und einem tollen Programm: Das Jugendsinfonieorchester St. Georgen-Furtwangen mit seinem Dirigenten Michael Berner und Pianistin Henriette Gärtner als Solistin. | Bild: Bild: Nack

Es blieb einmal mehr ein Rätsel, welch geheimer Zauber dem Jugendsinfonieorchester St. Georgen-Furtwangen innewohnt, das sich wegen schulischer Fluktuation ständig erneuern muss und sein künstlerisches Format gleichwohl bravourös zu halten vermag. Jetzt am Donnerstag begeisterten die rund 70 Akteure im Alter zwischen gut zehn und gerade mal zwanzig Jahren im ausverkauften Franziskaner Konzerthaus mit einem „amerikanischen“ Programm.

Strahlender Höhepunkt im ersten Teil war George Gershwins Rhapsody in Blue, bei der mit Henriette Gärtner eine international gefeierte Pianistin brillierte, die ihre Karriere in den 80er Jahren als „Wunderkind“ begann und die die dynamische Interaktion mit Nachwuchstalenten von heute sichtlich genoss. Das Publikum war hingerissen.

Mit Gershwins Cuban Ouverture stellt sich das Orchester in ganzer Üppigkeit seiner instrumentalen Farbenpracht vor und versprüht mit wirbelnden Rumba-Rhythmen karibisches Flair. Percussives Stimmengewirr aus verschiedenen Richtungen setzt archaische Akzente, die jungen Schlagwerker haben viel zu tun und kommen mit traditionellen Rassel-, Schnalz- und Klopfeinsturmenten ebenso mühelos klar wie mit dem modernen Becken.

Die einfallsreiche, feinsinnige, spannungsgeladene Komposition bringt die Instrumentegruppen einzeln zur Geltung, bevor das gesamte Orchester mit Volldampf dem furiosen Finale entgegenbraust.

Staunenswert souverän und biegsam gleitet es in kontrastreiche Tempi und Rhythmen, entwickelt enormen Drive, sprüht vor Vitalität und Frische.

Dirigent Michael Berner nutzt die jugendliche Unbekümmertheit im Ausdruck, spornt die Spielenden bald an, bald bremst er sie mit sicherer Gestik. Er kann sich auf beeindruckendes technisches Können und auf konzentrierte Gefolgschaft verlassen, die hingebungsvolle Ernsthaftigkeit des Ensembles ist ebenso hör- und sichtbar wie die individuelle Freude in gemeinschaftlicher Musikalität. Sie setzt sich bei der Rhapsody in Blue strahlend fort, die mit lustvoll-trägem Klarinetten-Glissando beginnt, bevor sich Henriette Gärtner am Flügel leichtfüßig und mit spielerischem Esprit in den sinfonisch-jazzigen Sound hineinschmiegt. Solistische Passagen wechseln sich mit orchestralem Schwelgen ab; auch schwierige Einsätze und Übergänge gelingen glänzend dank des präzisen Dirigats und unmerklichen Augenkontakten zwischen Berner und der Lokalmatadorin aus dem Schwarzwald.

Nach der Pause erklingt die berühmte Sinfonie Nr. 9 von Antonin Dvorák „Aus der neuen Welt“ als Hauptwerk des Abends. Auch das ausschweifende Pendeln zwischen vertrauter „europäischer“ Melodik und fremder, „amerikanischer“ Exotik bewältigen die Musizierenden mit eleganter Leichtigkeit und mitreißender Intensität. Widerstreitende Dialoge zwischen Blech- und Holzbläsern, Streichern, Celli und Bässen werden in filigraner Transparenz ausgefochten, bevor das Allegro zu triumphaler Hochstimmung und befreiender Vereinigung führt. Der Beifall will kein Ende nehmen; das Orchester bedankt sich mit Toe Down von Aaron Copland als Zugabe.

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