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Kultur Schwarzwald Henriette Gärtner präsentiert neue CD

Die Pianistin Henriette Gärtner aus Spaichingen hat ihre fünfte CD eingespielt. Die Scheibe mit dem Namen „Baba Yaga“ wurde im durch Hans-Georg Brunner-Schwer zur Legende gewordenen HGBS-Studio in Villingen aufgenommen und nun dort durch den Sohn Mathias Brunner-Schwer und die Künstlerin präsentiert.Zu dem Hauskonzert im Aufnahmeraum sind 60 Interessenten gekommen, die Henriette Gärtner Werke spielen hören wollen, die nun auch als CD der HGBS-Musikproduktion in den Handel kommen: Kompositionen von Johann Sebastian Bach in einer Bearbeitung durch den aus Polen stammenden Liszt-Schüler Carl Tausig, von Modest Mussorgski und von dem Letten Peteris Vasks.Die Toccata und Fuge in d-Moll von Bach (BWV 565) ist vermutlich die derzeit populärste Orgelkomposition überhaupt, auch Ferruccio Busoni hat sie zu einem virtuosen Werk für Klavier umgearbeitet.

Geschlossene Augen, volle Konzentration: Pianistin Henriette Gärtner beim Spiel am Flügel im HGBS-Studio anlässlich ihrer CD-Präsentation.
Geschlossene Augen, volle Konzentration: Pianistin Henriette Gärtner beim Spiel am Flügel im HGBS-Studio anlässlich ihrer CD-Präsentation. | Bild: Bild: Faigle

Henriette Gärtner hat sich für die ein paar Jahrzehnte ältere Transkription von Tausig entschieden, weil sie diese als klangadäquater einschätzt. Und das heißt bei ihr: Sie setzt die mächtige Klangfülle des zum Studio gehörenden 2,90 Meter langen Bösendorfer-Imperial-Flügels ein und stellt die tosende Kraft ihres Anschlags wie auch die gelegentlich übergroße Liebe zum rechten Pedal unter Beweis. Einen schönen Kontrast hierzu bildet die ruhig, leicht und gleichmäßig angegangene Exposition der Fuge.

Die kompositorische Struktur des Zyklus „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgski erläutert Gärtner dem Publikum vorab. Das macht sie in lockerer und sympathischer Form und ist obendrein hilfreich. Den mit „Promenade“ und damit als Beginn des Ganges durch die gemeinte Ausstellung bezeichneten Satz spielt Gärtner wieder markant – so, dass er für die spätere, gleich vierfache thematische Wiederaufnahme in den Zwischenspielen im Hörgedächtnis bleibt.

Die einzelnen in Musik gesetzten „Bilder“, der Gnom, das alte Schloss, die Kinder in den Tuilerien, der polnische Ochsenkarren, das Ballett der Küken, die Begegnung eines reichen mit einem armen Juden, der Markt in Limoges mit seinen lebhaften und lauten Marktfrauen, ein Blick in die Pariser Katakomben, der Ritt der Hexe Baba Yaga aus der russischen Volkssage und schließlich das nie gebaute große Tor von Kiew – sie alle stellen erhebliche Anforderungen an die pianistische Technik, Konzentration und Fantasie. Gärtner bleibt ihrem Prinzip treu: voller Einsatz bei Bedrohlichem, Polterndem und Lebendigem, aber auch bei Erhabenem, und satter Wohlklang bei rhythmisch Ruhigem und Gemessenem.

Dass sie auch für Klarheit und Stille empfindsam sein kann, zeigt Henriette Gärtner zum Schluss mit der „Balta ainava“, der 1980 entstandenen Weißen Landschaft von Peteris Vasks: Musik, die ungekünstelt, schön und versonnen klingt. Schön ist übrigens auch, eine Klavierkünstlerin aus solch direkter Nähe wie im Studio erleben zu können.

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