Schwarzwald-Baar-Kreis Hagelflieger-Einsätze bis Herbst sicher

Regionaler Hagelabwehr-Verein kann Piloten bis Mitte September bezahlen – trotz Defizit von 4500 Euro und schwindender Mitgliederzahlen. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Furtwangen soll die umstrittene Silberjodid-Methode genauer untersucht werden

Trotz schwindender Mitgliederzahlen auf nunmehr knapp über 3000 Privatpersonen (von zuvor 3200) und einem Minus in der Bilanz von 4500 Euro in der Kasse hat der regionale Verein zur Hagelabwehr in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Tuttlingen das Jahr 2016 finanziell gemeistert. Und für das laufende Jahr ist der Einsatz von Spezialflugzeugen, die Hagelunwetter in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Tuttlingen verhindern sollen, bis zur zweiten Septemberwoche bereits gesichert. Das gab der Verein bei seiner jüngsten Mitgliederversammlung bekannt.

Die Finanzen sind offenbar stabil genug, dass die Aufhebung eines Beschlusses vom Vorjahr möglich wurde. Diesem Beschluss zufolge hätten die Jahresbeiträge für Einzelmitglieder von 20 auf 25 Euro steigen sollen. Die Mitgliederversammlung entschied jetzt aber, diesen Beschluss zurückzunehmen, womit Einzelmitglieder weiterhin 20 Euro Jahresbeitrag zahlen.

Freilich bleibt Geld weiterhin ein Thema, denn die Fliegereinsätze sind nicht billig. An 22 Bereitschaftstagen mit elf Einsätzen war der Hagelflieger von Mai bis Ende September 2016 parat, um die Sachwerte der zwölf Mitgliedskommunen des Vereins vor Hagelschäden zu bewahren. Dem standen insgesamt 127 000 Euro gegenüber, die der Verein 2016 einnehmen konnte.

„Jedes Jahr ist das Thema Geld eine Gratwanderung“, sagte der erste Vorsitzende Heinz Messner. Er beklagte eine mangelnde finanzielle Unterstützung durch Landkreise und Versicherungsgesellschaften. Die Ablehnung werde mit der umstrittenen Wirksamkeit der Hagelfliegermethode begründet. Parallel unterstützen aber mehrere hundert Unternehmen den Verein.

Die Mitglieder des Vereins schenkten bei den anstehenden Neuwahlen Heinz Messner und den weiteren Vorstandsmitglieder erneut das Vertrauen.

Um die Hagelflieger-Methode wissenschaftlich besser abzustützen, geht der Verein unterdessen gemeinsame Wege mit der Hochschule Furtwangen University (HFU). „Die Wirksamkeit von Silberjodid nachzuweisen ist langfristig unser primäres Ziel“, so Messner.

Jüngst legte der Student Sayit Yazar eine Studienarbeit zur Hagelabwehr und Umweltverträglichkeit beim Einsatz von Silberjodid vor. „Das Wichtigste hierbei ist vor allem die Sammlung von 230 Dokumenten aus wissenschaftlichen Abhandlungen ab 1947. Diese können uns als wissenschaftliche Grundlage für weitere Forschung dienen“, sagte Thomas Oppenländer, Professor für Chemie und Umwelttechnik an der HFU.

Die ökologischen Auswirkungen sind eine zentrale Frage beim Einsatz des Materials. In der Medizin wird Silberjodid beispielsweise bei der Sterilisation oder Wasseraufbereitung verwendet. Etwa 305 Gramm der Lösung werden aus zwei Generatoren in einer Höhe von etwa 2500 Metern in einem Gebiet mit potenzieller Hagelentwicklung versprüht. „Neue Studien legen nahe, dass der Eingriff in die Umwelt marginal ist“, sagt Oppenländer.

Der nächste Forschungsschritt der HFU ist bereits gestartet. Mit zwei Partnerunternehmen ist ein Entwicklungsprojekt zur Optimierung der Silberjodid-Generatoren des Hagelfliegers angelaufen.

Umstrittene Methode

Wenn sich eine Gewitterfront mit Hagelrisiko aufbaut, startet ein Flugzeug mit Spezialausrüstung vom Flugplatz Donaueschingen und sprüht ein Gemisch von Silberjodid und Aceton in die Aufwinde der Gewitterwolken. Diese Impfung mit den winzigen Silberjodidteilchen soll der feuchten Gewitterluft zusätzliche Kondensationskeime liefern. So sollen sich deutlich mehr, aber dafür kleinere Hagelkörner bilden – oder die Feuchtigkeit soll gleich nur als Regen niedergehen. Das funktioniert im Labor, die Methode wird weltweit in verschiedenen Regionen eingesetzt. Aber in der Praxis ist ein Wirksamkeitsnachweis kaum möglich. Zudem kritisieren Fachleute die mögliche Silberjodid-Dosis als viel zu gering und eine ausreichend präzise Einsatzplanung als viel zu schwierig. „Den Hagel werden wir nicht verhindern können, aber den Schaden um bis zu 50 Prozent reduzieren“, ist aber Vereinsvorstand Heinz Messner sicher. (jdr/häm)

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Hagelflieger: Ab Mitte der 1950er Jahre begann man Silberjodid mit Hagelraketen in Gewitterwolken zu schießen. Heute erledigen das Hagelabwehrpiloten mit ihren Flugzeugen. Die Effektivität der Hagelbekämpfung mit Silberjodid ist wissenschaftlich nicht belegt und umstritten. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Nachrichten rund um die Hagelflieger und den Verein zur Hagelabwehr in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Tuttlingen.
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