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Schwarzwald-Baar-Kreis Gute Aussichten für den regionalen Arbeitsmarkt im neuen Jahr

Gutes Zeugnis für den Arbeitsmarkt der Region: Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter setzen für den Schwarzwald-Baar-Kreis auf eine anhaltend positive Entwicklung.

Niedrige Arbeitslosenzahlen, eine wachsende Zahl von offenen Stellen sowie vor allem eine insgesamt weiter steigende Beschäftigung: Die Statistiken der Agentur für Arbeit Rottweil-Villingen-Schwenningen stellen dem regionalen Arbeitsmarkt erneut ein sehr gutes Zeugnis aus. Und man darf optimistisch sein, dass sich daran auch im neuen Jahr nichts wesentlich ändern wird, so die Chefin der regionalen Arbeitsagentur, Erika Faust, und der Leiter des Jobcenters Schwarzwald-Baar, Thomas Dautel.

Allerdings nimmt der Arbeitsmarkt nicht nur mehr Arbeitnehmer auf: Es kommen zusätzlich weitere Arbeitssuchende hinzu. Fachleute gehen deshalb davon aus, dass die Arbeitslosenzahl in der Region im Jahresdurchschnitt 2016 etwas ansteigen wird. Hier dürfte sich die Zuwanderung von Flüchtlingen bemerkbar machen, deren Integration in den Arbeitsmarkt noch einiges an Zeit und Engagement fordern wird.

 

Beschäftigung: Bundesweit hat die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen neuen Höchststand seit der Wiedervereinigung erreicht – es sind so viele Menschen erwerbstätig wie noch nie seit 1990. Und bei diesem Trend macht die Region keine Ausnahme: Die Zahl der Beschäftigten in den drei Landkreisen Schwarzwald-Baar, Rottweil und Tuttlingen hat weiter zugenommen. Das meldet die Agentur in ihrer Arbeitsmarktbilanz für Dezember 2015.Die regionalen Beschäftigtenzahlen können stets erst mit einigen Monaten Zeitverzögerung ermittelt werden. „Nach den jetzt vorliegenden Ergebnissen vom 30. Juni 2015 waren in der Region 197 430 Männer und Frauen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 1310 oder 0,7 Prozent mehr als im März. Im Vergleich zum Juni 2014 betrug das Plus sogar 4245 oder 2,2 Prozent“, heißt es in der Pressemitteilung. Zum Vergleich: Vor knapp fünf Jahren wurden zum Stichtag 31. März 2011 rund 181 000 Beschäftigte gezählt – 16 000 weniger als jetzt. Die Beschäftigung im Schwarzwald-Baar-Kreis wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 1535 Menschen oder 1,9 Prozent auf 82 855. Im Kreis Rottweil legte die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gegenüber Juni 2014 um 975 Personen oder 1,9 Prozent auf 53 180 zu. Im Kreis Tuttlingen betrug der Anstieg gegenüber dem Vorjahresquartal sogar rund 1740 Menschen oder 2,9 Prozent auf 61 400.

 

Arbeitslosigkeit: Die Entwicklung läuft seit Jahren stabil und in eine positive Richtung. 2010 lag die Arbeitslosenquote im Schwarzwald-Baar-Kreis noch bei fünf Prozent im Jahresdurchschnitt, 2015 dann bei 3,6 Prozent (Januar bis November). Doch ein genauerer Blick zeigt, dass vor allem die Zahl von kurzzeitig Arbeitslosen weiter sinkt, während die Zahl der Betroffenen im Bereich Hartz IV beziehungsweise Arbeitslosengeld II (ALG II) wieder ansteigt. Zu diesen zählen nicht nur Langzeitarbeitslose, darunter vielfach auch Alleinerziehende, aber auch Flüchtlingsfamilien. „In diesem Bereich ist aber viel Bewegung drin“, ist Jobcenter-Chef Thomas Dautel optimistisch. Der anhaltende Arbeitskräftebedarf biete gute Chancen auf eine neue Stelle.Konkret wuchs die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Berechtigten von November 2014 auf November 2015 von 2163 auf 2217 Menschen, also um 2,5 Prozent. Dagegen ging die Zahl der kurzzeitig Arbeitslosen um 3,5 Prozent von 1759 auf 1698 Betroffene zurück.

 

Jugendarbeitslosigkeit: Die Zeiten, als im Schwarzwald-Baar-Kreis 2009 mehr als 850 Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet waren, sind lange vorbei. Zwischen November 2014 und November 2015 sank die Zahl der Betroffenen von 405 auf 385. Wobei in diesem Bereich viel Kommen und noch mehr Gehen herrscht – Hauptsache, kein junger Mensch bleibt längerfristig ohne Perspektive. Man investiere deshalb auch große Ressourcen an Betreuung, Begleitung, für Praktika und dergleichen, versichern Dautel und Faust.

 

Offene Stellen: Die Nachfrage der heimischen Unternehmen kennt seit 2009 nur eine generelle Richtung: nach oben. Zwischen November 2014 und November 2015 machte die Zahl der gemeldeten offenen Stellen noch mal einen regelrechten Satz um 15 Prozent weiter in die Höhe. Jetzt im Dezember hatte die Agentur in der Region 4770 freie Arbeitsplätze vermerkt.„Die Firmen fragen wirklich alles nach“, verweist Agentur-Chefin Erika Faust auf den breit gestreuten Bedarf. Im Schwarzwald-Baar-Kreis boomen insbesondere Berufsbereiche wie Metallbearbeitung und Metallbau (rund 1400 freie Stellen seit Jahresbeginn 2015 gemeldet, plus 23,8 Prozent) und Dienstleistungsberufe: Verkehr/Logistik/Schutz und Sicherheit (1022 Stellen, plus 23 Prozent), Kaufmännische Berufe/Handel/Tourismus (943 Stellen, plus 29,5 Prozent), Gesundheit/Erziehung (858 Stellen, plus 7,7 Prozent).Auch auf dem Markt für Un- und Angelernte wachse die Nachfrage, etwa als Produktionshelfer in der Industrie oder als Küchen- oder Reinigungskraft. Das eröffne Chancen auch für Menschen ohne große Deutschkenntnisse wie beispielsweise Flüchtlinge. Von März 2014 bis März 2015 stieg die Zahl der Erwerbstätigen im so genannten Helferbereich von 13 900 auf 14 600 Personen an. Überdies schaffe gerade die Flüchtlingskrise neue Arbeitsplätze, beispielsweise für Sozialpädagogen, Lehrer, Erzieher, im Handwerk oder in Bereichen wie Bewachung, Reinigung und Großküchen.

 

Flüchtlinge: Je nach rechtlichem Status haben Asylbewerber und andere Flüchtlinge unterschiedlichen Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Wer von ihnen Anspruch auf Förderkurse hat, soll vor allem erst einmal ausreichende Deutschkenntnisse erwerben, betont Jobcenter-Chef Thomas Dautel: Die Arbeitsplatz-Suche sei für Flüchtlinge zunächst nachrangig.Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen erwarten er und Erika Faust ein großes Potenzial in den kommenden Jahren. „Wir werden versuchen, so viele wie möglich von ihnen in Ausbildung zu bringen“, sagte Agentur-Chefin Erika Faust. Bei den heimischen Betrieben gebe es eine große Bereitschaft, dies zu unterstützen.Die meisten jungen Flüchtlinge wüssten zunächst nichts von der dualen Berufsausbildung nach deutschem Muster, daher äußerten viele gleich den Wunsch nach einem Studium. Das sei in den Herkunftsländern meist der einzige Weg in einen qualifizierten Beruf. Oft seien aber vorgelegte Zeugnisse nicht mit dem deutschen Abitur vergleichbar. „Wir machen ihnen deshalb deutlich, dass es mit einer dualen Berufsausbildung sehr vielfältige Möglichkeiten bei uns gibt“, betonte Faust. Die „recht guten Erfahrungen“, die man bislang mit jungen Flüchtlingen an den beruflichen Schulen habe sammeln können, machten Mut.Insgesamt hat die Agentur rund 250 Bewerberprofile von Asylbewerbern in der Region zur Arbeitsvermittlung vorliegen, zudem betreut das Jobcenter im Schwarzwald-Baar-Kreis 430 Flüchtlinge im Alter von 15 bis 65 Jahre.

 

Ausblick: Die Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Agentur für Arbeit geht für 2016 von einer leicht steigenden Arbeitslosigkeit in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg aus: Der Jahresdurchschnitt der Arbeitslosenzahl werde voraussichtlich 8600 Betroffene betragen. Zum Vergleich: Zwischen Januar und November 2015 betrug der Durchschnitt 8428 Arbeitslose. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles habe ja schon darauf hingewiesen, dass sich der Flüchtlingszustrom in steigenden Arbeitslosenzahlen niederschlagen werde, unterstrich Erika Faust. Zugleich aber werde auch die Zahl der Beschäftigten weiter anwachsen.

 

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