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Schwarzwald-Baar-Kreis Fulminanter Ohrenschmaus

Der Villinger Organist Johannes Lienhart überzeugt bei Orgelkonzert im Münster und erhält stehende Ovationen

Wer am vergangenen Sonntagnachmittag den Weg ins Villinger Münster genommen hatte, wurde angesichts des gebotenen Orgelkonzertes nicht enttäuscht. Der junge Künstler Johannes Lienhart am Spieltisch verstand es mit großartiger Präzision, die etwa 90 Zuhörer vom ersten bis zum letzten Ton zu begeistern.

Der ehemalige Schüler des Romäus-Gymnasiums in Villingen hat an der Hochschule für Kirchenmusik in Rottenburg studiert und 2012 sein Diplom mit Auszeichnung und als Jahrgangsbester erhalten. Während des Studiums wurde er mit einem ersten Preis beim Internationalen Orgelwettbewerb im französischen Epinal gewürdigt.

Während eines Auslandssemesters als Stipendiat der Joseph-Eberle-Stiftung in Valparaiso im US-Bundesstaat Indiana erweiterte er seinen musikalischen Horizont nicht nur an der Orgel, sondern auch als Dirigent eines Teiles von Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“. Seiner Laufbahn wird am kommenden Samstag mit der Abschlussprüfung zum Master der Kirchenmusik einen weiterer Meilenstein gesetzt.

Das am Sonntagnachmittag gebotene Programm umfasste einen weiten Bogen der Orgelliteratur – von der Klassik bis zur Moderne. Zum Auftakt lagen die Noten von Johann Sebastian Bach auf dem Notenständer: Präludium und Fuge h-Moll BWV 544. Wer die Augen schloss, konnte förmlich die bewegten Zeiten der Gegenwart in den Klängen der Sandtner-Orgel spüren. Die Bach'sche Vielfalt erfüllte das Kirchenschiff bis in den letzten Winkel.

Mit Tiento de medio registro de tiple de segundo tono hat Johannes Lienhart eine Spezialität des spanischen Barockorgelbaus herausgesucht. Dabei heben sich leicht beschwingte hohe Register deutlich von den mit gedackten Registern gespielten Bässen ab. Schnelle Läufe über den Grundtönen vermittelten das Bild junger springender Pferde in einer der weiten Landschaften Iberiens vor der tiefstehenden untergehenden Sonne.

Ein weiterer Hörgenuss stammte aus der Feder von Carl Philipp Emanuel Bach mit der Sonata B-Dur. Zeigte der Künstler im ersten Satz allegro die tänzerische Fröhlichkeit des Orgelspiels glich der zweite Satz arioso eher dem eleganten Schreittanz des Barock.

Freunde der wuchtigen Orgelklänge kamen beim 3. Satz allegro voll auf ihre Kosten – man spürte die wahre Freude am Spiel des jungen Künstlers. Einen wahren Kontrapunkt stellte die folgende Komposition aus jüngerer Zeit dar. Henri Pousseur, belgischer Komponist des 20. Jahrhunderts, forderte den Masterstudenten in jeglicher Hinsicht. Ein Blick in die Partitur verriet, dass hier ein ungeheures Gespür für die Registrierung, für die technische Bedienung der Orgel – das Schwellwerk ist laufend in Betrieb – und für die Intonation von Nöten sind. Das der avantgardistischen Musik verpflichtete Stück eckte förmlich an den Spitzbögen des gotischen Chorraumes des Münsters an, zeigte harmonische Akkorde, die sogleich von gar schrillen Pfiffen der hohen Register unterbrochen wurden. Dieses von Lienhart gewählte Stück unterstrich einmal mehr die Fähigkeiten des Künstlers auf einer modernen Orgel.

Aus nur vier Takten von Georg Friedrich Händels opus 75b zauberte Sigfrid Karg-Elert 54 Variationen, die zum Ende diesen edlen Konzertes noch einmal gewaltige Harmonien in das Kirchenschiff schwemmten – praktisch alle Register erklangen und veranlassten das Publikum zu stehenden Ovationen.

Offensichtlich liebt Johannes Lienhart die Orgelimprovisation, bedankte er sich doch mit einer fulminanten Improvisation zum Kirchenlied Wie schön leuchtet der Morgenstern beim begeisterten Publikum.

In einem Gespräch mit dem SÜDKURIER lobte Lienhart die Möglichkeiten der Münsterorgel und freut sich nun auf die am kommenden – Fasnachtssamstag – anstehende Prüfung an der Musikhochschule Stuttgart. Aus 20 Stücken, die der Prüfungskommission eingereicht wurden, muss er sechs zum perfekten Erklingen bringen. Eine hervorragende Begabung und etwa sieben Stunden Übung am Tag dürften eine gute Grundlage für einen großartigen Erfolg sein.

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