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TypischFrau Für Menschen ohne Zugang zu Kapital

Kostenlose Beratung für kleine Kredite beim Verein „Monex“

Angelika und Rolf Stolarski, zwei Profis in Sachen Mikrofinanzierung.
Angelika und Rolf Stolarski, zwei Profis in Sachen Mikrofinanzierung. | Bild: Bild: B. Dickmann

Donaueschingen – Angelika Stolarski ist eigentlich Steuerfachangestellte mit eigenem Buchhaltungsbüro. Doch ihr Herz schlägt auch für „Monex“, die in 2005 als einer der ersten Mikrofinanzierungsorganisationen in Deutschland durch das Deutsche Mikrofinanz Institut akkreditiert wurde. „Da arbeite ich an der Zukunft und nicht in der Vergangenheit, wie es bei der Buchhaltung der Fall ist“, sagt sie und das würde einfach viel mehr Spaß machen. Der Verein „Monex“ Mikrofinanzierung Baden-Württemberg wird vom Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg, dem Europäischen Sozialfond und der L-Bank (das ist die Förderbank des Landes) unterstützt. Zielgruppe sind Existenzgründer, die einen Finanzierungsbedarf bis 20 000 Euro haben. Dabei prüft die Einrichtung das Gründungsvorhaben, gibt entsprechende Empfehlungen gegenüber der GLS Bank ab, übernimmt die Betreuung während der Kreditlaufzeit, kontrolliert die Rückzahlung und übernimmt die Haftung für Kreditausfälle.

„Zu uns kommen Menschen, die sonst keinen Zugang zu Kapital haben“, sagt Angelika Stolarski, „zum Beispiel Harzt IV-Empfänger, oder Existenzgründer, die nur kleine Beträge benötigen. Und für 4000 Euro ist der Hausbank oft der Verwaltungsaufwand zu groß. Manchmal verhindert auch eine negative Schufa-Auskunft den Kredit“. „Monex“ ist also keine Bank, sondern eigentlich nur ein Vermittler mit Rundumbetreuung, der pro Kredit ein festes Honorar von 800 Euro erhält, das das Land Baden-Württemberg bis 2011 bezahlt. Das Geld gibt dafür die GLS-Bank.

Und „Monex“ arbeitet fix, wie wir in der vergangenen „typisch frau“ am Beispiel von Katharina Rüb gezeigt haben, die mit 23 Jahren hinter dem Tresen ihrer eigenen Lounge & Bar in Donaueschingen steht. „Ich hätte das nie geschafft, Angelika Stolarski war die einzige, die an mich geglaubt hat“, sagt sie. Doch so einfach wie es sich anhört, ist die ganze Geschichte nicht. Sie brauchen eine Geschäftsidee, einen Businessplan mit Tragfähigkeitsnachweis, müssen eine Schufa-Selbstauskunft haben, die Gewerbeanmeldung bei Neugründung, die Konto-Auszüge der letzten sechs Monate mitbringen und brauchen pro 3 000 Euro Kredit einen Bürgen. Dazu viel Überzeugungskraft, denn Ihre Persönlichkeit, Ihre Glaubwürdigkeit, Ihr soziales Umfeld, spielen die größte Rolle.

Der Zinssatz von zur Zeit 8,56 Prozent (Stand Mai) fällt auch nicht gerade unter Schnäppchen und die Laufzeit beträgt 12 bis 36 Monate. Bei einer Durchschnittskreditsumme von 10 000 Euro sind das momentan exakt 315,94 Euro im Monat. Und wo um alles in der Welt nimmt man drei Bürgen her? „Das sind meistens die Ehefrau oder Freundin, die Eltern, die Geschwister. Für uns ist das ein wichtiges Zeichen für ein intaktes soziales Umfeld“, sagt Angelika Stolarski. Und für sie ist der Zinssatz nicht das Maß der Dinge, sondern der Zugang zum Geld.

Im zweiten Schritt kann der Kredit bis zu 20 000 Euro aufgestockt werden. Seit dem 1. Januar 2010 sind bisher 3 000 Mikrokredite bundesweit vergeben worden. Mikrokredite sind nicht sehr bekannt, die meisten Menschen erfahren es vom Steuerberater oder einer Unternehmensberatung, manchmal schickt sie ein Jobcenter oder die IHK und dann findet man „Monex“ natürlich im Internet. Für einen Businessplan gibt es im Augenblick noch Zuschüsse bis etwa 1 600 Euro und Muster im Internet.

Die Palette der Existenzgründer ist vielfältig. Angelika Stolarski nennt nur einige: „Da ist zum Beispiel die junge Anwältin, die für ein eigenes Büro 5 000 Euro braucht. Einer Frau, die ein Lederwarengeschäft eröffnen möchte, reichen erst mal 6 000 Euro, ein selbständiger Trauerbegleiter will einen ordentlichen Internetauftritt finanzieren, ein schickes Kosmetikstudio soll eröffnet werden... und so zieht es sich durch alle beruflichen und gesellschaftlichen Schichten.“

Keine Frage, Angelika Stolarski arbeitet verantwortungsvoll und will das Beste für ihre Existenzgründer. Und doch stellen sich zwei Fragen: Sollte man nicht doch mal bei der Hausbank anklopfen, wenn man drei Bürgen an der Hand hat? Und wie lange überleben diese mittlerweile 3 000 selbständigen Kreditnehmer ihre Selbständigkeit? „Wer selbständig ist, arbeitet selbst und ständig“, sagt auch Angelika Stolarski ihren potenziellen Existenzgründern und muss ein Multitalent sein. Denn das größte Fachwissen nutzt nichts, wenn man Umsatz mit Gewinn verwechselt oder Buchhaltung und Steuern schleifen lässt. Doch ohne Fachwissen nützt die beste Buchhaltung auch nichts.

Fazit: Der Traum von der Selbständigkeit kann auch mit negativem Schufa-Eintrag unter Umständen klappen. Doch Vorsicht ist geboten.

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