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Schwarzwald-Baar-Kreis Fachkliniken rücken weiter zusammen

20.09.2011
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Schwarzwald-Baar – Die Kliniklandschaft der Region bleibt in Bewegung: In Villingen-Schwenningen wird gerade ein neues Großklinikum gebaut, der Helios-Konzern behält von den jüngst gekauften Rottweiler Kreiskliniken nur den Standort Rottweil und schließt das Krankenhaus Schramberg – und nun kommt aus Hamburg die Nachricht, dass auch bei den Fachkliniken der Region die Karten neu gemischt werden.Gemeint sind jetzt die Asklepios-Klinik in Triberg und die Kliniken und Seniorenresidenzen von Mediclin in Donaueschingen und Königsfeld: Ihre Mutterkonzerne, beides bundesweit tätige Unternehmen, wollen ihre Kräfte künftig bündeln.Und das ganz konkret: Die Hamburger Asklepios Kliniken GmbH hat sich aktuell die Aktienmehrheit bei der Offenburger Mediclin AG gesichert. Dazu hat Asklepios seinen bisherigen Anteil von rund 34,7 Prozent auf jetzt 52,7 Prozent aufgestockt – und hält damit die Aktienmehrheit bei Mediclin.

Obendrein werden beide Konzerne auch personell miteinander verklammert: Der bisherige Mediclin-Vorstandsvorsitzende Ulrich Wandschneider rückt zum 1. November auf zum Aslepios-Konzernchef und bleibt zugleich im Mediclin-Vorstand mit einem Großteil seiner bisherigen Aufgaben betraut. Sein Stellvertreter wird der Asklepios-Finanzchef Stephan Leonhard.

Zu etwaigen Auswirkungen auf die bestehenden Klinik-Standorte und das Personal beider Konzerne im Schwarzwald-Baar-Kreis wollte Asklepios derzeit aufgrund von rechtlichen Bedenken gegenüber dem SÜDKURIER noch keine Stellung nehmen. Auch von einer künftigen Verschmelzung beider Konzerne ist bislang nichts zu hören. Wohl aber von einer „engen Zusammenarbeit“, von „weiterem Wachstum“, wie Asklepios mitteilt.

Wörtlich heißt es in einer Stellungnahme des Konzerns: „Ulrich Wandschneider sieht auch vor dem Hintergrund der personellen Ausgestaltung viele gemeinsame Ansätze und ein großes Entwicklungspotenzial“. Der künftige Chef will, dass „Know-how und Kompetenzen auch gemeinsam genutzt werden können.“

Mit dem Zusammengehen von Asklepios und Mediclin entsteht ein neuer, starken Akteur in der Gesundheitswirtschaft auch in der Region Schwarzwald-Baar, der beim Wachstum auf das „Geschäftsmodell der integrierten Versorgung“ setzt. Damit sind Versorgungsangebote entlang des gesamten medizinischen Behandlungsprozesses gemeint. Diese erstrecken sich idealerweise von ambulanter Betreuung in einem konzerneigenen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) über die Operation im konzerneigenen Krankenhaus bis hin zur Reha-Maßnahmen in einer Klinik des Konzerns – und gegebenenfalls der Betreuung in einer dazugehörenden Pflegeeinrichtung.

Durchgehende Wertschöpfung

Die enge Verzahnung soll den Patienten eine gut abgestimmte Versorgung garantieren. Und sie hilft, die jeweiligen Einrichtungen effizient auszulasten, weil die Patienten von der einen zur folgenden Einrichtung weitergeleitet werden können, womit eine durchgehende Wertschöpfungskette entsteht.

Das bedeutet aber auch, dass Akut- und Fachkliniken ohne eine solche Vernetzung strategisch gegenüber dem Synergiepotenzial von integrierten Klinikkonzernen ins Hintertreffen geraten können. Ihnen fehlen womöglich künftig eigene MVZ-Praxen im Vorfeld, die ihnen zuverlässig Patienten zuweisen. Noch ein Beispiel: Beim Einkauf von Versorgungsmaterial haben sie weniger Verhandlungsmacht als ein Großkonzern – und damit höhere Kosten.

Das könnte auch die Schwarzwald-Baar Klinikum Villingen-Schwenningen GmbH treffen: Sie ist immer noch in rein kommunaler Hand und besitzt mit Villingen-Schwenningen und Donauschingen künftig nur zwei Standorte – sonst aber keinerlei weitere Einrichtungen. Der Versuch, eine gemeinsame Holding mit den früheren Rottweiler Kreiskliniken zu gründen, scheiterte am Rottweiler Kreistag. Und das Kreisklinikum Tuttlingen ziert sich bei allem, was über einzelne Kooperationen in ausgewählten Bereichen hinausgeht.

Statt dessen hat das Schwarzwald-Baar Klinikum nun gleich zwei Helios-Akutkrankenhäuser in Titisee-Neustadt und Rottweil vor der Nase. Und mit Asklepios/Mediclin rückt jetzt auch ein Reihe von Fachkliniken samt Pflegeeinrichtungen direkt vor der Haustüre zusammen, die mit weiteren Konzerneinrichtungen verknüpft sind.

Der bisherige Mediclin- und künftige Asklepios-Chef hat sein Interesse an weiterer Expansion schon früher deutlich gemacht. Beim Bieterwettbewerb um die Rottweiler Kreiskrankenhäuser etwa war Mediclin lange mit im Rennen. Der Konzern warf offiziell nur deshalb das Handtuch, weil bestehende Verträge des Rottweiler Klinikums mit dem Schwarzwald-Baar Klinikum zur Strahlentherapie nicht in das Mediclin-Konzept zu integrieren seien. Diese Partnerschaft hätte, so darf getrost vermutet werden, wohl dem Ziel widersprochen, die Patienten nur in eigenen Einrichtungen zu behandeln.

Auch im Vorfeld der stationären Versorgung ist Mediclin aktiv: Allein im Badischen unterhält der Konzern sechs MVZ-Praxen zur ambulanten Versorgung. Zumindest in diesem Bereich will auch das Schwarzwald-Baar Klinikum nun dagegen halten: Trotz Protests der niedergelassenen Ärzte hat das Klinikum eine Tochtergesellschaft gründen dürfen, um künftig selber MVZ betreiben zu können – und so den heimischen Markt der ambulanten Medizin nicht anderen kampflos zu überlassen.

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