Kauder reagierte augenscheinlich gelassen auf das Stimmergebnis. „Hier wurde eine verfahrensrechtliche Frage geklärt, das hat mit einer Niederlage nichts zu tun“, sagte er auf direkte Nachfrage unmittelbar nach der Ergebnis-Bekanntgabe. Was soll jetzt werden? „Das werden wir intern diskutieren und nicht in der Öffentlichkeit“, so Kauder weiter. Wird er den CDU-Kreisvorsitz niederlegen? „Solche Fragen diskutieren wir untereinander und nicht in der Öffentlichkeit“, erwiderte Kauder. Wie fühlt er sich? „Der Abend ist jetzt etwas früher zu Ende“, konstatierte Kauder nur – das habe auch Vorteile: Am heutigen Mittwoch müsse er zur Sondersitzung des Bundestags in Berlin sein, wenn es um die geplanten Hilfen für Spanien gehe.
Den Stein ins Rollen brachte ein Antrag, den Renate Breuning, CDU-Fraktionssprecherin im Villingen-Schwenninger Gemeinderat, und Professor Ulrich Fink, Ehemann der Bad Dürrheimer CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Barbara Fink, gemeinsam einbrachten.
Sie schlugen der Versammlung noch vor Eintritt in die Tagesordnung vor, die konkreten Tagesordnungspunkte zur Bundestagsnominierung zu streichen. Breuning verwies auf den „tiefen Riss“, der sich in der CDU Schwarzwald-Baar aufgetan habe. Die Unstimmigkeiten rund um Kauder, sein Umgang mit Parteigremien und sein Auftreten in der Öffentlichkeit böten einen „denkbar schlechten Ausgangspunkt“ für den bevorstehenden Wahlkampf, denn es sei zu erwarten, dass der parteiinterne Streit auch nach einer Nominierung Kauders weitergehen werde.
Fink ergänzte, dass „Antworten auf viele Fragen“ bis dato offen seien. Darüber würde „mit Sicherheit sehr emotional diskutiert werden“, falls die Nominierung durchgezogen werden sollte – und das sei sowohl Kauder als auch der CDU insgesamt nicht zuträglich. Und auch wenn Kauder offiziell erneut Bundestagskandidat würde, wären die entstandenen Gräben „nicht zugeschüttet, sondern erst recht weiter aufgerissen“. Fink: „Danach gäbe es nur Verlierer“.
Statt dessen solle man sich parteiintern in einer Arbeitsgruppe zusammen setzen, einen Moderator von außen holen „und wie bei einer Schlichtung“, so Fink, „alle offenen Themen behandeln“. Die Nominierung solle auf den Herbst verschoben werden, da stehe man „unter keinem Zeitdruck“.
Der CDU-Kreisehrenvorsitzende Klaus Panther argumentierte zuvor vergebens gegen diesen Antrag. Er betonte, dass der Nominierungstermin einstimmig im März im CDU-Kreisvorstand gewählt worden sei. Dann sei es zu „diesen Unstimmigkeiten“ gekommen, als sich „diese Gruppe“ gemeldet habe. Und dennoch sei bei der jüngsten Kreisvorstandssitzung eine Verschiebung klar abgelehnt worden.
Es gab noch einige Wortmeldungen pro und contra Verschiebung. Dann ging es zur Abstimmung – zunächst offen per Handheben. Das Ergebnis war relativ knapp, die Abstimmung wurde wiederholt. CDU-Bezirksvorsitzender Andreas Jung, der die Sitzung leitete, hatte eine Mehrheit gegen die Verschiebung gesehen. Da aus der Jungen Union aber Zweifel kamen, ob diese Beobachtung korrekt sei, wurde geheim abgestimmt. Resultat: die knappe Mehrheit für die Verschiebung.

Alle Kommentare 