Schwarzwald-Baar-Kreis Aus dieser Zigarette kommt fast nur Wasserdampf
Nichtraucherin Petra Schön zieht an ihrer „Coffeerette“ – die qualitativ hochwertige E-Zigarette wird in St. Georgen von ihrer Firma „Syogra“ vertrieben. Bild: S. Przewolka
– Petra Schön zieht an ihrer Zigarette und bläst ein bisschen weißen Dampf in den Raum. Es sieht nur so aus, als ob sie raucht. Die 45-Jährige achtet aber sehr auf ein gesundes Leben und gehört zu den eingefleischten Nichtrauchern. Aber für einen Selbsttest nimmt sie ihre Elektro-Zigarette mit Namen „Coffeerette“, Vertrieb in St. Georgen, Produktion in China, auch gerne mal selbst in die Hand und pafft ein paar Züge.
Wie passt denn das zusammen, wo doch an jeder Ecke steht: „Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit?“ E-Zigaretten durchziehen zur Zeit die Medien und werden kontrovers diskutiert, in manchen Bundesländern wird das Verdampfen mit Nikotin sogar verboten.
Das Produkt boomt – und wird gleichzeitig kritisch beäugt
Doch Petra Schön verbürgt sich dafür, dass aus ihrer „Coffeerette“ wirklich nur reiner Wasserdampf und lebensmittelechte Aromastoffe strömen. Die Benutzer atmen also nur Wasserdampf mit Vanillegeschmack ein – dasselbe passiert auch, wenn irgendein Parfüm in der Luft liegt. Oder wenn Kinder an Kaugummi-Zigaretten ziehen.
Und damit stellt diese E-Zigarette, optisch vorne mit einem kleinen Led-Birnchen fast nicht von einer echten zu unterscheiden, nicht nur eine Alternative zum Rauchen mit Nikotin dar. Sondern könnte sogar ein Übergang für Erwachsene sein, um den Nikotinspiegel abzubauen – ohne die gewohnten Handbewegungen dabei aufzugeben.
Das Ehepaar Petra Schön und Dirk Frauenheim gründeten 1997 in St. Georgen ihre Firma „Syogra“ und gingen zunächst mit einer neuartigen Jade-Massage-Liege an den Markt. Ingenieur Dirk Frauenheim fiel bei einem Essen in China auf, dass ein Mann bei striktem Rauchverbot an einer E-Zigarette paffte, was von der Gastronomie und den Umsitzenden absolut toleriert wurde.
Der strikte Nichtraucher tüftelte los, brachte selbst eine technisch ausgeklügelte E-Zigarette auf den Markt und ließ sie patentieren. Den Vertrieb managt Petra in St. Georgen zusammen mit rund 20 Mitarbeitern – Dirk kontrolliert die Produktion mit „Coffeerette“ in China mit über 100 Mitarbeitern. Den beiden gelingt zusammen mit Töchterchen Lara quer über den Erdball eine funktionierende Fernbeziehung. „Wir telefonieren jeden Tag lange zusammen“, lächelt Petra und „wir sind schon seit der Schulzeit zusammen.“ Welches Ehepaar schafft schon stundenlange Gespräche, selbst wenn sie zusammen wohnen? „Syogra“ gehört durch dieses Alles-aus-einer-Hand-Prinzip heute zu denjenigen E-Zigarette-Herstellern, die kontrollierte Qualität bieten.
Das Prinzip funktioniert so, dass ein Depot von einer Flüssigkeit auf einen elektrisch betriebenen Verdampfer aufgesteckt wird. Der coffeinhaltige Dampf oder auch jede andere Flüssigkeit können dann wie bei einer normalen Zigarette inhaliert werden. Der Vorteil des Verdampfens: Es gibt keinerlei Verbrennungsstoffe. Die aufputschende Wirkung ist da – aber es wird kein Kaffee geraucht.
Das Bundesgesundheitsministerium rät vorsichtshalber trotzdem: „Vom Konsum der E-Zigarette ist abzuraten.“ Das Problem liegt auf der Hand – es fehlt noch an langfristigen Studien, ob die E-Zigarette wirklich gesundheitlich unbedenklich ist. Lungenfachärzte fanden heraus, dass schon nach fünf Minuten die Atemwege eingeengt waren. Dasselbe passiert allerdings auch bei Vernebelungsmaschinen in Discotheken. Manche Länder verbieten den Handel mit nikotinhaltigen E-Zigaretten.
Petra Schöns „Coffeerette“ kann zwar auch mit Nikotin-Tropfen aufgepeppt werden – muss es aber nicht. Direktorin Elisabeth Pott von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung meint generell:
„Der Konsum von E-Zigaretten ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden.“ Und fügt dem kritisch an: „Für einen Rauchstopp ist eine Verhaltensänderung notwendig, die mit dem Konsum von E-Zigaretten nicht erreicht wird.“
Dafür müssen Raucher nach eigenen Angaben viel weniger husten, wenn sie E-Zigaretten paffen. Petra Schön hält als weitere Vorteile entgegen, dass die E-Zigarein gesetzlich nicht unter das Rauchverbot fällt. Außerdem gibt es kein passives Mitrauchen, nie wieder Asche und damit eine Brandgefahr, nie wieder schlechte Gerüche oder vergilbte Wände. Und schließlich punktet sie noch als Unternehmerin. Denn mit der „Coffeerette“ ist im Büro endlich Schluss mit ständigen Raucherpausen…


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