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Schwarzwald-Baar-Kreis „Weniger, Älter, Bunter“

11.02.2012


– Demographischer Wandel: Das ist, wenn die Bevölkerungszahl insgesamt schrumpft, wenn es immer weniger Kinder gibt, wenn dafür der Anteil der Älteren und auch der Ein- und Zuwanderer im Verhältnis ständig größer wird. Und wenn sich für die Gesellschaft nicht nur lauter Probleme, sondern auch neue Chancen auftun.

Zumindest sahen sich davon Kreisverwaltung und Kreistagsfraktionen von Letzterem überzeugt, als sie nach ihrer Klausursitzung gestern in Königsfeld am Abend Bilanz zogen.

Den ganzen Tag hatte sich der fast vollzählig versammelte Kreistag mit Vertretern des Landratsamts und dem Fachjournalisten Winfried Kösters als Moderator damit beschäftigt, was der Demografische Wandel für den Landkreis bedeutet und wie Kreis und Kommunen diesen Umbruch konstruktiv begleiten und mitsteuern können.

„Weniger, Älter, Bunter“: So hatte Kösters einen Überblick für die Tagung überschrieben und zugleich die Trends knapp zusammengefasst. Diese würden „tiefgehend und nachhaltig“ die Gesellschaft verändern, sagte Kösters.

Doch wo kann ein Landkreis überhaupt ansetzen, wo hat er Kompetenzen, um den Bevölkerungsschwund und seine Folgen zu mildern?

„Grundsätzlich ist es ganz wichtig den Menschen zu zeigen: Hier kümmert man sich um Euch“, so Kösters. Um jene, die hier schon leben, auch hier zu halten. Und um manch anderen neu in den Landkreis zu holen. Und auch, um jungen Menschen die Entscheidung, Eltern zu werden, zu erleichtern. „Der Schwarzwald-Baar-Kreis als verlässlicher Partner für Familien“ – auch wenn etwa ein Pflegefall in der Familie auftrete: Das sei ein zentraler Punkt.

In der gemeinsamen Diskussion stellte sich als Topthema der Bildungsbereich heraus. Drei Leitziele formulierten die Kreisräte für das Jahr 2020 und dazu Zwischenziele für 2013.

Ziel Nummer eins ist, dass alle Schüler auch einen Schul- und Berufsabschluss erwerben. Man könne es sich schlicht nicht mehr leisten, einfach manchen zurückzulassen: Die Gesellschaft sei mehr denn je auf jeden Einzelnen angewiesen. 2013 will der Kreistag dazu seinen Schulentwicklungsplan fortschreiben und anpassen.

Ziel Nummer zwei ist, dass es bis 2020 für alle Lebenslagen und Generationen passende Bildungsangebote kreisweit gibt – „lebenslanges Lernen“ also. Dazu sollen 2013 zunächst alle vorhandenen Bildungsangebote zusammengestellt werden.

Ziel Nummer drei ist, dass 2020 alle Kinder zu Beginn der Grundschule gute Deutschkenntnisse haben. Dazu soll 2013 der Anteil jener Kinder, die Sprachförderung erhalten, erhöht werden; etwa durch weitere Qualifizierung der Erzieherinnen in den Kindergärten.

„Es war ein sehr erfolgreicher Tag“, bestätigte Donaueschingens OB Thorsten Frei, „bei dem wir in aller Brutalität mit dem Thema konfrontiert wurden“. Der Demographische Wandel sei zwar ein schon seit Jahren bekanntes Thema, aber die Klausur habe es geschafft, die Dringlichkeit unmittelbar bewusst zu machen, war sich Frei mit den anderen Fraktionschefs und Landrat Karl Heim einig. Walter Klumpp (Freie Wähler) betonte: „Es ist mit Sicherheit das allerwichtigste Thema, dem wir uns auf Kreis- und Gemeindeebene stellen müssen“. Edgar Schurr (SPD) erinnerte daran, dass bis zur Umsetzung der Leitziele 2020 nicht sehr viel Zeit bleibe: „Das alles muss in nur acht Jahren passieren“. Bernhard Kaiser (FDP) unterstrich den Bevölkerungsschwund, der in rund zehn Jahren schon das Mehrfache der Einwohnerzahl der Gemeinde Gütenbach erreicht habe. Und Christian Kaiser (Grüne) hob hervor, warum im Wandel auch Chancen liegen können: „Wenn eine Gesellschaft auf jeden Einzelnen angewiesen ist, muss sie sich um jeden Einzelnen auch bemühen, und damit gewinnt jeder Einzelne massiv an Wert“.

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