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Schramberg Stellungnahme: Politiker äußern sich zum Thema Krankenhaus

Gemeinsame Stellungnahme von Oberbürgermeister Dr. Zinell und von den Fraktionssprechern Paul Flaig (CDU), Hans-Jörg Fahrner (SPD), Udo Neudeck (Freie Liste), und Bernd Richter (ödp/Buntspecht) zum Thema Krankenhaus

Oberbürgermeister Dr. Zinell und die Fraktionssprecher Paul Flaig, Hans-Jörg Fahrner, Udo Neudeck und Bernd Richter nehmen zu dem vom Kreistag am Montag (2.2.2009) gefassten Grundsatzbeschluss zur Umstrukturierung der Krankenhäuser im Landkreis Rottweil wie folgt Stellung:

Der Krankenhausstandort Schramberg bleibt erhalten und soll durch erhebliche Investitionen und durch die Zuweisung von Schwerpunkten gestärkt werden. Dies ist für die Versorgung der Menschen in und um Schramberg im wahrsten Sinne des Wortes lebenswichtig. Die Entscheidung des Kreistages wird insoweit begrüßt. Wir bedauern allerdings, dass die gesundheitspolitischen Rahmen-bedingungen dazu führen, dass auch das Schramberger Krankenhaus künftig ein anderes sein wird und manche Eingriffe nicht mehr vor Ort erfolgen werden. Insbesondere wird bedauert, dass auf Sicht die sehr erfolgreich betriebene gynäkologische und geburtshilfliche Abteilung wegfallen soll. Wichtig ist uns, dass neben dem Erhalt und dem Ausbau des Bereichs der Inneren Medizin im Bereich der Chirurgie kurzfristige, nicht planbare chirurgische Eingriffe weiter in Schramberg rund um die Uhr erfolgen können und dass die Notfallversorgung gewährleistet ist.

Der Kreistag hat am Montag (2.2.2009) grundlegende Veränderungen für die Krankenhauslandschaft im Landkreis Rottweil beschlossen. Das Kreiskranken-haus Schramberg wird die Innere Medizin behalten. Dieser Bereich soll durch die Zentralisierung der Angiologie (Gefäßkrankheiten) und der Geriatrie (Altersmedizin) gestärkt werden. Im Bereich der Chirurgie wird es Verlagerungen geben. Schramberg soll als Zentrum für endoprothetische Chirurgie ausgebaut werden. Hier sollen demnach zentral im Landkreis Eingriffe etwa zum Einsatz von künstlichen Gelenken und Knochenteilen vorgenommen werden. Die Chirurgie wird ansonsten in den Krankenhäusern in Rottweil und Oberndorf zentralisiert. Die von Belegärzten betriebene gynäkologische und geburtshilfliche Abteilung soll auf Sicht am Standort Rottweil zentralisiert werden. Die weiteren Belegabteilungen, nämlich die Augenklinik und die HNO-Klinik sollen nach dem Beschluss des Kreistags ebenfalls in Schramberg verbleiben.

Die Entscheidung des Kreistages, an drei Standorten, nämlich in Rottweil, in Oberndorf und in Schramberg Krankenhäuser zu betreiben wird begrüßt. Es ist allerdings nicht zu beschönigen, dass das Schramberger Krankenhaus in Zukunft ein anderes Gesicht bekommen wird. Die Umstrukturierung zeigt den Weg in Richtung Fachklinik. Die Rahmenbedingungen haben allerdings gegen die Weiterführung der Krankenhäuser im Landkreis Rottweil in der jetzigen Form gesprochen. Ein Verlust der Kreiskrankenhäuser in Höhe von ca. 3 Mio. € pro Jahr und vor allem die Aussicht, dass sich dieser Abmangel künftig weiter erhöhen wird, haben strukturelle Maßnahmen erforderlich gemacht. Die Problematik der Krankenhausfinanzierung hat in anderen Landkreisen und Städten bereits Umstrukturierungen erzwungen. Insofern konnte man nicht davon ausgehen, dass ausgerechnet im Landkreis Rottweil alles beim Alten bleiben kann.

Im Falle des Schramberger Krankenhauses darf man strukturelle Probleme nicht verkennen. So bereitet die bauliche Situation auf Sicht gesehen Probleme, den Krankenhausbetrieb wirtschaftlich zu führen. Erforderliche Umbauten sind nur schwierig umzusetzen. Auch die vielfach kritisierte Parkierungssituation ist nur mit hohem Aufwand zu verbessern. Andererseits bietet das Krankenhaus in Schramberg für die Gesundheitszentren Landkreis Rottweil GmbH ein nicht zu unterschätzendes Potenzial. Der Standort spricht auch ein Umfeld an, welches von anderen Standorten im Landkreis kaum erreicht wird. Der Kreistag ist mit seiner Entscheidung zudem seiner Verantwortung für den Strukturerhalt im ländlichen Raum gerecht geworden. Die Ernsthaftigkeit des Beschlusses hat der Kreistag dadurch dokumentiert, dass er sich mit seiner Entscheidung gleichzeitig zu erheblichen Investitionen an allen drei Standorten bekannt hat und dass er in Schramberg auf der Basis der Zahlen von 2007 immerhin mit 107 Betten plant.

Wir stimmen der Einschätzung von Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel und Krankenhaus-Geschäftsführer Thomas Brobeil zu, dass angesichts der baulichen Situation des Kreiskrankenhauses in Schramberg ein Neubau erforderlich ist, um den Erfordernissen eines wirtschaftlich zu führenden, modernen Hauses gerecht zu werden. Wichtig ist uns, dass das Schramberger Krankenhaus auch künftig nicht nur die erste Versorgung übernimmt, sondern dass dort im Notfall auch kurzfristige chirurgische Eingriffe und auch Behandlungen im Bereich der Inneren Medizin rund um die Uhr möglich sein müssen. Dies wird mit dem beschlossenen Konzept gewährleistet.

Emotional besetzt ist die Frage des Erhalts der Gynäkologie und der Geburtshilfestation. Wir haben uns sehr stark für den Erhalt eingesetzt, zumal mit der vorübergehenden Schließung der Geburtshilfestation in Wolfach zum
1. Januar 2009 die Situation eintreten kann, dass es künftig zwischen Rottweil und Offenburg keine Gynäkologie und Geburtshilfeabteilung mehr geben wird. Allerdings haben die Befürworter einer gynäkologischen Abteilung in Schramberg die Rahmenbedingungen nicht auf ihrer Seite. Investitionsförderungen sind nur dann möglich, wenn Doppelstrukturen vermieden werden, wenn also die Geburtshilfestation im Landkreis an einem Standort zentralisiert wird. Diese Problematik stellt sich mit einer Investition in Schramberg, sei es bei einem Umbau des jetzigen Krankenhauses oder bei einem Neubau. Zudem wird es immer schwieriger, im Bereich der Geburtshilfe Belegärzte zu finden. In Wolfach hat dieser Umstand zur zumindest vorübergehenden Schließung der Geburtshilfe geführt. Nachdem es in Schramberg derzeit aber erfahrene Belegärzte gibt und die Fallzahlen in der gynäkologischen Abteilung des Schramberger Krankenhauses außerordentlich hoch sind, ist es uns wichtig, dass die Gynäkologie in Schramberg noch so lange wie möglich erhalten bleibt.

Das Thema Krankenhaus beschäftigt uns seit annähernd fünf Jahren sehr intensiv. Befördert durch Initiativen von Altstadtrat Winfried Halusa hat Oberbürgermeister Dr. Zinell in den vergangenen fünf Jahren regelmäßig zu Gesprächsrunden mit der jeweiligen Krankenhausgeschäftsführung, mit dem Landrat, mit Vertretern des Kreistages und des Gemeinderates, mit der Ärzteschaft und auch mit externen Experten eingeladen. Regelmäßig wurden Stadtverwaltung und Gemeinderat in den letzten Jahren aktiv, um den Standort Schramberg attraktiv zu halten. In die Diskussion um die Neustrukturierung, die seit knapp einem Jahr konkreter wurde, waren wir ständig nicht-öffentlich einbezogen worden. Die Vertreter der Stadt haben sich in den letzten Jahren und vor allem in den letzten Wochen und Tagen sehr stark eingebracht und innerhalb der durch das Gesundheitssystem vorgegebenen Rahmenbedingungen auch Einfluss genommen. Nachdem der Krankenhausträger die Auflage der Vertraulichkeit gesetzt hatte, konnte diese Aktivität nicht öffentlich erfolgen. Wir konnten erreichen, dass Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel und Geschäftsführer Thomas Brobeil am Montag, den 9. Februar um 19 Uhr für eine kurzfristig anberaumte Veranstaltung in der Aula des Gymnasiums in Schramberg bereit stehen und laden hierzu alle Interessierten herzlich ein.

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