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Schramberg Sorgen ums Krankenhaus

Schramberg – Zur Informationsveranstaltung über den Bieterwettbewerb der medizinischen Versorgung im Kreis Rottweil hatte Oberbürgermeister Herbert Zinell die Bürgerschaft in den Bärensaal eingeladen. Im Saal und bis auf den Flur drängten sich die Menschen, die wissen wollten, ob und wie es mit dem Schramberger Krankenhaus weitergeht.

Kritische Stimmen und Fragen gab es aus dem Publikum zur medizinischen Versorgung im Kreis Rottweil.
Kritische Stimmen und Fragen gab es aus dem Publikum zur medizinischen Versorgung im Kreis Rottweil. | Bild: Bild: Kügler

Auf dem Podium standen unter der Moderation von OB Zinell außer Landrat Wolf-Rüdiger Michel, dem Geschäftsführer der Gesundheitszentren Rottweil, Hans-Martin Kipp, die Vertreter der Unternehmensberatung „Solaris“ sowie Vertreter der Konzerne „Mediclin“ und „Helios“ dem Publikum Rede und Antwort.

Nach der Prämisse, die drei Standorte Rottweil, Oberndorf und Schramberg zu erhalten, ist nach „Solaris“ eine regionale Krankenhausholding vorgesehen, dabei für Schramberg eine Portalklinik mit 40 Betten, einer Notfallversorgung, eventuell Belegabteilungen und ein Ärztehaus. Der Vorteil nach Landrat Michel bei der Kreislösung: „Synergieeffekte nutzen“. Betriebsbedingte Kündigungen sollten, wie es hieß, so weit möglich vermieden werden.

Der Konzern „Helios“ will das Schramberger Krankenhaus schließen und wurde dafür vom Publikum ausgebuht. Als Regelkrankenhäuser mit unterschiedlichen Schwerpunkten erhalten will alle drei Häuser nur der private Bieter „Mediclin“. Dafür gab es deutlichen Applaus von der Schramberger Bürgerschaft. Die sah die Argumente der drei Anbieter kritisch und konnte das Versprechen einer guten medizinischen Versorgung für die Schramberger Bevölkerung und das Umland nur bei „Mediclin“ nachvollziehen. Der Allgemeinmediziner und CDU-Stadtrat Jürgen Winter an Landrat Michel: „Die Politik hat die Verantwortung, die medizinische Versorgung gleich zu verteilen.“

Dass eine hervorragende Medizin von der Bundespolitik nicht belohnt werde und das auch Auswirkungen aufs Personal habe, erklärte der Landrat. So würden kleinere Krankenhausstationen wie in Schramberg fast so viel Personal brauchen wie um ein Drittel größere: „Die öffentliche Hand kann es sich nicht leisten, Verluste einzufahren.“ Betriebsratsvorsitzender Jürgen Roßmaneck fand das Angebot von „Helios“ zynisch. Der Konzern hatte für die „Abwicklung“ in Schramberg noch mehr Geld als zunächst in Aussicht gestellt: „Wollen Sie 300 Personen in die Wüste schicken?“, fragte Roßmaneck. Und der frühere Volksbank-Chef, Arnhold Budick, stellte fest, dass der Landrat als Aufsichtsratsvorsitzender der Gesundheitszentren befangen sei. Und: „Mir stehen die Haare zu Berge, wenn ich an Helios denke.“

Bernd Richter, ÖDP, wollte wissen, was „Helios“ mit der Immobilie Krankenhaus anfangen wolle. Dass Krankenhäuser heute Wirtschaftsunternehmen sind und die Patienten die Kundschaft ist, unterstrich auch „Mediclin“. Der Konzern will sich bei der Ausstattung der Zimmer keinen „überschwänglichen Luxus leisten“, sondern das Geld lieber in die Medizin stecken. Ein eindeutiges Votum für „Mediclin“ gab Oberbürgermeister Zinell am Ende der Veranstaltung ab. Dafür sei bis zur Abstimmung im Kreistag am 26. Juli viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

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