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Schonach Nicht nur Pillen helfen Kindern

10.06.2010


Schonach – „Seit es keine Säbelzahntiger mehr gibt, dafür die Schulpflicht, hat sich der Vorteil zum Nachteil gewendet“, zitierte Apotheker Dirk Häfner den Kabarettisten Eckart von Hirschhausen. Sehr viel treffender ist das Problem der Kinder mit Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) nicht zu beschreiben, erklärte Dirk Häfner bei seinem Vortag „ADS – Was kann ich tun?“, Richard Schwär vom ökumenischen Bildungswerk freute sich sehr über die große Resonanz, die das Thema erfuhr.

Etwa 30 Eltern und Erzieherinnen waren zu dem Vortragsabend ins Pfarrzentrum gekommen. Entsprechend engagiert wurden Fragen gestellt und von Erfahrungen berichtet.

Das Diagnoseverfahren wurde ausgiebig diskutiert. Das Kernproblem der Diagnose läge darin, dass die Grenzen fließend wären und die Ausprägung völlig unterschiedlich, so Dirk Häfner. Zwei bis 20 Prozent der Kinder zwischen sechs und 18 Jahren leiden an ADS, so die offiziellen Zahlen. Sie belegen wohl nur die Tatsache, dass es keine klare Abgrenzung gibt. Während sich ADS bei den Jungs eher als „Zappelphilipp“ äußert, ist es bei den Mädels die „Träumsuse“.

Die Wirksamkeit des Medikamentes Ritalin und wirkstoffähnlichen Präparaten war unbestritten. „Es macht vieles einfacher“, bestätigte eine betroffene Mutter. „Das ist nicht nur Teufelszeug“, unterstrich auch der Apotheker, „aber es ist mehr als bunte Pillen“. In seinem Vortrag erklärte er ausführlich die Aufmerksamkeits-Defizit-Störung (ADS), die oft noch durch Hyperaktivität (ADHS) verstärkt wird. Er zeigte mögliche Ursachen auf und wies auf alternative und ergänzende Therapiemöglichkeiten hin. „Die Medaille verliert an Glanz“, beschrieb er die Auswirkungen der Medikamente.

Zum einen erleichtern sie tatsächlich effektiv den Alltag mit den erkrankten Kindern in Familie, Schule und Freizeit, aber auch die Kreativität, die sprühende Lebensfreude und das Temperament, das die überwiegend überdurchschnittlich intelligenten ADS-Kinder zu außergewöhnlichen Höchstleistungen anspornt, werde gebremst.

Das hauptsächliche Problem der Medikamente stellt die Tatsache dar, dass es keine Langzeitstudien dazu gibt, räumte Dirk Häfner offen ein. Die genaue Wirkweise des Wirkstoffes ist bis heute nicht bekannt, die Medikamente stehen auf der Dopingliste, als Nebenwirkungen kommt es zu Appetitmangel, Schlafstörungen und Apathie, fasste der Apotheker die Vorbehalte zusammen.

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